Die Corona-Krise stellt auch die örtlichen Apotheken auf die Probe - und das nicht nur organisatorisch, sondern auch wirtschaftlich. Grund: Viele Kunden bleiben wegen der Ansteckungsgefahr lieber zu Hause und nutzen die Dienste von Online-Apotheken. Die Vorteile scheinen deutlich: wenig Kontakt, die Ware wird an die Haustür geliefert, und nicht selten gibt es Rabatte bei der Bestellung im Internet. Beim Bayerischen Apothekerverband ist man über diese Entwicklung hingegen zutiefst besorgt.

Auf seiner Facebook-Seite teilte dieser kürzlich einen Zeitungskommentar aus dem Weilheimer Tageblatt über die Wichtigkeit der ortsansässigen Apotheken. Der viel beachtete Beitrag erreichte auch Clemens Richter, der seit 34 Jahren die Stadtapotheke in Teuschnitz führt. Der Artikel erwähnt unter anderem, dass die örtlichen Apotheken zuerst beliefert werden. "Das ist auch extrem wichtig", sagt Richter. "Denn wer ist in diesen Krisenzeiten wirklich für seine Kunden da? Der große Versandhandel oder die zahlreichen Apotheker mit ihren Teams, die jedem Kunden das passende Medikament beschaffen können und bis in die Nacht das überall ausverkaufte Desinfektionsmittel herstellen?", fragt Richter. Die Antwort ist für ihn klar.

Kooperation mit den Hausärzten

Apotheker leisteten in diesen Tagen, wie viele Berufsgruppen, alles, was sie können, und gingen über die üblichen Grenzen weit hinaus. Um die sozialen Kontakte auf das absolut Notwendige zu beschränken, bauen auch die örtlichen Apotheken ihren Lieferdienst in enger Rücksprache mit den jeweiligen Hausärzten aus. "Der Hausarzt bietet den Patienten in der aktuellen Lage selbstverständlich an, das Rezept direkt an uns zu schicken. Wir liefern dann das Medikament", erklärt Clemens Richter weiter. "Außerdem muss man auch bedenken, dass bei uns die Medikamente viel schneller bereitstehen. Der Online-Versand dauert zwischen zwei und drei Werktagen, wir können das Medikament sofort oder schon nach einem halben Tag zur Verfügung stellen."

Richter macht darauf aufmerksam, dass durch die jetzt ermöglichte telefonische Krankschreibung zusammen mit dem ausgedehnten Lieferservice der Apotheke die Kontaktkette maßgeblich unterbrochen wird. Die aktuelle Bedrohung durch das Covid-19-Virus sollte also kein Anlass sein, nun vorrangig auf große Online-Apotheken zurückzugreifen. Diese sähen die aktuelle Situation als ihre Chance, sich vollends gegen die örtlichen Apotheken zu behaupten. "Das ist nicht richtig. Der Service in den jeweiligen Apotheken ist ausgeweitet und die Arbeit, die die Mitarbeiter verrichten, muss gewürdigt werden", erklärt der Teuschnitzer Apotheker.

Clemens Richter, selbst Vorstandsmitglied des Apothekerverbandes Bayern und dessen Pressesprecher für den Landkreis Kronach, macht auf den großen Einsatz der ortsansässigen Apotheken und ihre Wichtigkeit aufmerksam. "Es ist Fakt, dass wir in der Apotheke vor Ort die Rezepte schneller bearbeiten können. Durch die Zusammenarbeit mit den Arztpraxen beschränken wir den Kundenkontakt auf ein Minimum, stehen also dem Versandhandel in nichts nach", fasst Richter zusammen. Es sollte also niemand aufgrund der außergewöhnlichen Situation vorschnell auf den Internet-Versandhandel zurückgreifen.

"Die Unterstützung der lokalen Anbieter und Kleinbetriebe ist enorm wichtig. Das betrifft ja nicht nur die Apotheken", so Richter. "Viele große Anbieter werben derzeit mit der Bestellung ohne Kundenkontakt. Doch der Verbraucher sollte vor dem Kauf überlegen, wen er unterstützen möchte. Große Ketten oder diejenigen, die gerade Lieferdienste entwickeln und versuchen, trotz der schlimmen Lage für ihre Kunden da zu sein? Das Coronavirus bedrohe leider nicht nur die Gesundheit, sondern auch wirtschaftlich viele Existenzen.