Wilhelm Beez hatte gefühlt immer Laufschuhe an. Alteingesessene Geschäftsleute erinnern sich noch lebhaft daran, wie der Steinberger in den Laden flitzte, mit den Worten "Wie immer?" eine Zeitungsanzeige verkaufte - und wieder verschwunden war, ehe sie darauf antworten konnten.

In den 70er Jahren vollbrachte Beez einmal das Kunststück, mit seiner Band "William Beez und sein Sextett" an zwei Orten gleichzeitig aufzutreten. "Er hat 20 Minuten im Kronacher Schützenhaus gespielt und ist dann nach Oberlangenstadt gefahren, wo der andere Teil unserer Band gespielt hat", berichtet sein langjähriger Weggefährte Karlheinz Schäck.

Wenn Musik eine Region beschreiben kann, waren Williams Lieder die Melodie des Frankenwalds. Der Sprössling einer Musikerfamilie stand bereits mit 14 Jahren auf der Bühne, baute ein Tanz- und Showorchester auf.

Und obwohl er Wilhelm hieß, war er allen doch als William bekannt. Als Kind der Nachkriegszeit erlebte der junge Wilhelm hautnah mit, wie die Amerikaner in seine Heimat einmarschierten - und entwickelte rasch eine Affinität zur englischen Sprache. "Die Amerikaner tanzten zu unserer Musik", erzählte Sir William einmal.

Doch seine fränkischen Wurzeln verlor er nie. Seiner Umtriebigkeit war es zu verdanken, dass sich "William Beez und sein Sextett" schnell in ganz Nordbayern einen Namen machten. Mit Hits wie "Die Gaaß" traten sie im Radio und im Fernsehen auf, spielten als erste Partyband 1974 im Kronacher Gasthaus Frische Quelle.

Unvergessen die unzähligen Büttenabende, an denen die Narren im Kronacher Schützenhaus zu Williams Takt schunkelten. Sein Organisationstalent bewies William nicht nur beim Managen seiner Band, sondern auch als langjähriger "Chef des Parkplatzes", der beim Kronacher Freischießen die Parkwächter delegierte.

Über drei Jahrzehnte - von 1966 bis 1997 - verkaufte Sir William für den Fränkischen Tag Anzeigen wie kein Zweiter. Doch letztendlich war es die Musik, über die er sein größtes Glück, Monika, fand. Bei einem Auftritt stand sie vor der Bühne und tanzte zu seiner Musik. Das Paar war 53 Jahre lang verheiratet, krönte ihre Liebe mit den Söhnen Wolfgang und Norbert.

Reisen war ihre Leidenschaft. William liebte es, Monika an ehemalige Kriegsschauplätze zu führen, wie etwa in die Normandie. "Ob meine Mutter wollte oder nicht, er hat sie mitgenommen", erzählt Norbert Beez.

Bei diesem Tempo war es für Monika nicht immer leicht, mit ihrem William Schritt zu halten - bis zuletzt. Denn letztlich war es die heimtückische Demenz, die ihn irgendwann einholte. Vor wenigen Jahren besuchte William zum letzten Mal das Freischießen. Die Krankheit war bereits fortgeschritten, weshalb Monika auf die Suche nach ihrem Mann ging. Sie fand ihn - wie sollte es anders sein - in dem kleinen Parkplatzhäuschen.

Einen alten Baum verpflanzt man nicht. Und so wird William in Steinberg, wo er vor 86 Jahren zur Welt gekommen ist, auch seine letzte Ruhe finden. Sir William ist in der Nacht auf Sonntag friedlich eingeschlafen. Nun dürfen die Engel im Himmel der Melodie des Frankenwalds lauschen. saha