Die Weihnachtsbäume werden auch heuer in feierliches Licht getaucht. Festliche Melodien werden in den Häusern erklingen. Plätzchen werden auf den Tischen duften. Und doch wird der Adventszeit 2020 viel Wärme und Behaglichkeit fehlen. Der Friesener Josef Geiger spürt das in zweifacher Hinsicht. Seine Entscheidung, heuer nicht ins Nikolauskostüm zu schlüpfen, tut ihm innerlich weh - und doch ist es für ihn die einzig richtige Entscheidung.

Geiger ist schon seit Jahrzehnten als Nikolaus in Friesen unterwegs. Wenn er einerseits in die leuchtenden Augen der Kinder oder Senioren schaut, geht ihm das Herz auf. Und wenn er den Erwachsenen in seinen Vereinen die Leviten ließt, formen seine Lippen unter dem weißen Bart ein breites Grinsen. Andererseits weiß er auch, wie wichtig solche Momente gerade für die Kleinen und für ältere Menschen sind. Beide Seiten leiden also unter den Corona-Einschränkungen, die dem Nikolaus heuer weitgehend die Türen zuschlagen.

Seit 25 Jahren im Kostüm

In der Tennisabteilung des SV Friesen hat alles vor 25 Jahren angefangen. Geiger schlüpfte erstmals in die Rolle des Weihnachtsboten. "Ich habe für jeden einzelnen Verse gedichtet. Das mache ich bis heute, meistens so sechs Zeilen", erzählt er. Mit der Zeit zogen seine Auftritte weitere Kreise. Auch bei den Fußballern hat er lang die weihnachtlichen Treffen bereichert. Und weil er nicht nur gelobt, sondern auch kritisiert und gerne mal etwas aus dem Nähkästchen geplaudert hat, waren selbst diejenigen nervös, die ihn gut kannten. Mit einem spitzbübischen Lächeln schildert Geiger die Situation: "Die hatten schwitzige Hände, sie wussten ja nicht, was kommt. Das ist einfach prächtig!"

In seinen Gedanken zum Advent ging es ihm bei aller Gaudi aber auch darum, die jüngeren Generationen zu sensibilisieren. Und das schon zu einer Zeit, als noch niemand von Corona sprach. Die Jüngeren dürften schließlich nicht das Gespür dafür verlieren, wie gut es ihnen heute geht und welches Elend vor 75 Jahre in Deutschland geherrscht hat, meint Geiger.

Den Senioren muss er das natürlich nicht unter die Nase reiben. Seit zehn Jahren empfangen sie ihn als den heiligen Bischof Nikolaus im Pfarrsaal. "Das ist immer sehr schön", versichert Geiger. Da er genau weiß, dass Jahr für Jahr bekannte Gesichter altersbedingt verschwinden, tut es ihm natürlich umso mehr weh, wenn er die Älteren in einem Jahr nicht mit seinem Besuch erfreuen kann. Und anders als eine Vereinsversammlung sei der Nikolausbesuch eben nicht später nachholbar.

Hilfe für den Nikolaus

Gerne hätten Rechtsanwalt Geiger sowie seine mitdichtende Arbeitskollegin und Nikolaus-Gehilfin Clarissa Wich daher auch heuer die stressige Vorbereitung in Kauf genommen und ihre rund 100 Seiten an Gedichten zusammengestellt. Doch das Virus ließ es nicht zu. "So Anfang November war's mir klar, dass das heuer nichts wird", erinnert sich Geiger.

Die Pandemie gibt ihm zu denken. Schon das gesamte Jahr über verspürte er unter den Menschen eine zunehmende Distanz. Vereine kommen nur noch virtuell zusammen, Gottesdienst laufen ohne Friedensgruß und persönliche Gespräche ab.

Der Alltag hat sich verändert

"Das ist nicht mehr das Gleiche. Extremer kann's kaum sein", stellt er fest. Insgesamt sei das Klima in der Gesellschaft kälter geworden. Gerade die jungen Leute, die einfach mal raus und mit Freunden etwas unternehmen möchten, tun ihm in dieser Situation leid.

Doch er ist keiner, der rumunken will. Und auch keiner, der ein kurzfristiges persönliches Wohl über das dauerhafte Wohlergehen seiner Mitmenschen stellt. Deshalb steht für ihn eines fest: "Wir müssen die Situation sehr ernst nehmen! Wir müssen da jetzt einfach durch! Es kommen auch wieder andere Zeiten!" Und dann kommt bestimmt auch wieder der Nikolaus mit Lob, Tadel und neckischen Sprüchen.