Ein 25-Jähriger aus dem Landkreis Kronach musste sich am Donnerstag wegen unerlaubten Führens einer Schreckschusswaffe vor dem Kronacher Amtsgericht verantworten. In den Jahren 2014 und 2015 soll er laut Anklage zusammen mit einem Freund nächtliche Fahrten in Jagdgebiete in Weißenbrunn, Eichenbühl und Ziegelerden unternommen und dabei unerlaubt eine Schusswaffe mit sich geführt haben.

Zudem soll er auch aus dem Auto geschossen haben. Das Gericht konnte dem 25-Jährigen die Tat auch nach einer fünfstündigen Beweisaufnahme nicht nachweisen und es kam zu einem Freispruch.

Eingangs bestritt der Angeklagte alle gegen ihn erhobenen Tatvorwürfe. Er erklärte, dass er weder mit Waffen noch mit der Jagd an sich jemals in Berührung gekommen sei. Der Freund, der das Auto gefahren haben soll, war der ursprüngliche Hauptbelastungszeuge. Gegen ihn läuft ein gesondertes Verfahren.


Mit im Auto gesessen

Bei seiner Polizeiaussage vor circa einem Jahr gab er bei der Polizei an, dass der Angeklagte bei den nächtlichen Fahrten mit einer Schreckschusswaffe aus dem Fenster geschossen haben soll, während er am Steuer saß.

Vor Gericht räumte er jedoch ein, damals falsche Angaben gemacht zu haben. "Ich bin danach gleich zu meinem Rechtsanwalt und habe die Aussage widerrufen", so der Zeuge. Am Donnerstag entlastete er den Angeklagten und behauptete, dass dieser keine Schusswaffe hatte und auch nicht geschossen habe.

Der 26-jährige Zeuge und Tatbeteiligte gab an, circa ein- bis zweimal pro Woche über einem Zeitraum von zwei Jahren nachts mit seiner Freundin in die Jagdreviere rund um Weißenbrunn gefahren zu sein. Mit einer Taschenlampe haben sie dort Wald und Wiesen ausgeleuchtet, um sich Tiere anzuschauen. "Wir finden Tiere interessant. Deswegen leuchten wir nachts rum", erklärte der Zeuge sein ungewöhnliches "Hobby". "Und wir wollten ein paar Wildscheine oder Rehe sehen. Wir haben selbst Hunde und Hasen daheim."

Auch ist der Zeuge in Besitz des kleinen Waffenscheins sowie einer Schreckschusspistole. Immer wieder stand der Vorwurf der Jagdwilderei im Raum, da die ansässigen Jagdpächter in diesem Zeitraum mit rund 40 erlegten Tieren eine erhöhte Anzahl toter Tiere feststellten. Auch gaben die Jäger an, mehrmals nicht zuordenbare Schüsse gehört zu haben. Der Zeuge bestritt all diese Vorwürfe vor Gericht.

Der Grund, den er und seine Freundin für die Fahrten nannten war ein anderer: Die Fahrten sollen hauptsächlich deswegen stattgefunden haben, um dort wohnende Leute zu ärgern. Deswegen wurden einmal auch Silvesterböller gezündet. Eine Waffe wollen sie nicht dabeigehabt haben.


Das Fass erst aufgemacht

Jedoch drehte sich diese Verhandlung nicht um ihn, sondern um den 25-jährigen Angeklagten. Über seine widersprüchlichen Zeugenaussagen ärgerte sich Richter Hendrik Wich "Hätten Sie den Angeklagten damals bei der Polizei nicht verdächtigt, säßen wir heute gar nicht hier." Mehrmals wies er den jungen Mann darauf hin, dass er wahre Angaben machen müsse und er ganz nah vor dem nächsten Ermittlungsverfahren stehe: wegen falscher Verdächtigung.

Der Zeuge blieb aber dabei: Der Angeklagte habe zu keinem Zeitpunkt eine Waffe geführt. Lediglich ein- oder zweimal soll er ihn begleitet haben, um sich gemeinsam die Tiere anzuschauen.

Eine Jägerin bestätigte, die beiden ein- bis zweimal in ihrem Jagdrevier erwischt zu haben. Über eine Schusswaffe in der Hand des Angeklagten konnte sie nichts sagen.

Staatsanwältin Lea Abebe sah den Tatvorwurf als bestätigt an und forderte eine Geldstrafe von 1950 Euro, da der Hauptbelastungszeuge unglaubwürdig sei und die Jäger Schüsse gehört hätten. Diese Forderung konnte Rechtsanwalt Frank Jungkunz "nicht nachvollziehen". Er wies darauf hin, dass sein Mandant falsch verdächtigt worden sei und das Führen einer Schusswaffe nicht nachgewiesen werden konnte.

Was jedoch den 26-jährigen Zeugen und Tatbeteiligten angehe, stellte Jungkunz zum Schluss doch noch einmal die Jagdwilderei in den Raum: ",Wildtiere ansehen.' Das glaubt doch kein Mensch." Für seinen Mandanten forderte er Freispruch. Dem kam Richter Hendrik Wich nach. Er sieht die Täterschaft des 25-Jährigen nicht als nachgewiesen an. Er war sich mit Rechtsanwalt Frank Jungkunz einig: "Das Positive an diesem Verfahren ist, dass die Vorfälle seitdem ein Ende genommen haben."