Seit wenigen Tagen sind alle weiterführenden Schulen des Landkreises und das Landratsamt Kronach mit Vorrichtungen zur Desinfektion der Hände ausgestattet. Noch bevor die Frauenliste einen entsprechenden Antrag gestellt hat, hatte der Landkreis bereits damit begonnen, die Maßnahme umzusetzen. "Zudem wird nach Möglichkeit die Frequenz des Reinigungsdienstes erhöht", ließ Landrat Klaus Löffler durch einen Sprecher mitteilen.

In Anbetracht der aktuellen Lage interessiert vor allem, inwiefern das Desinfizieren der Hände vor Corona-Viren schützt. "Hauptsächlich wird das Virus durch die Tröpfcheninfektion übertragen, einer hustet und ein anderer atmet die Viren ein", beschreibt Helmut Weiß, Leiter des Gesundheitswesens am Landratsamt Kronach. Die Keime können allerdings auch indirekt, beispielsweise über Türklinken, übertragen werden. "Davor schützen Desinfektionsmittel, die auch gegen viele Durchfallerkrankungen wirksam sind ", klärt Weiß auf. Generell müsse jedoch zwischen verschiedenen Arten von Desinfektionsmitteln unterschieden werden.

Die Ausbreitung verlangsamen

Es gibt voll viruzide, begrenzt viruzide und nicht viruzide Desinfektionsmittel. "Selbst begrenzt viruzide Desinfektionsmittel sind wirksam gegen Corona- und Influenzaviren", erklärt Weiß. Gegen Viren, die Durchfallerkrankungen auslösen, helfen demgegenüber oft nur voll viruzide Desinfektionsmittel. Generell sei die Influenza derzeit um ein Vielfaches häufiger als die Corona-Virus-Erkrankung. "In der Saison 2017/2018 sind 25 100 Menschen in Deutschland an den Folgen der Grippe verstorben."

Dennoch stuft Weiß die derzeitigen Maßnahmen als angebracht ein. "Sicher muss die Ausbreitung von Corona verhindert werden. Durch die Hygienemaßnahmen gibt es im Jahresvergleich jetzt auch bereits ungewöhnlich früh einen Rückgang der Influenzafälle." Der Amtsarzt schätzt, dass sich dennoch 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung mit dem Corona-Virus infizieren werden. "In 80 Prozent der Fälle verläuft die Erkrankung sehr mild." Doch auch, wenn die Leute sich fit fühlen, wird das Virus übertragen. "Insgesamt geht es darum, die Ausbreitung zu verlangsamen, damit das Gesundheitswesen sinnvoll mit den Infizierten umgehen kann", sagt Weiß.

Wo im Haus die Keime lauern

Unter Bakteriologen kursiert ein Witz: Wenn Besucher aus einem fernen Sonnensystem auf der Erde landen und ein Haus betreten, werden sie aus Angst vor fremden Keimen in der Küchenspüle aufs Klo gehen und aus der Kloschüssel trinken. Denn auf einem Spüllappen befinden sich in der Regel wesentlich mehr Keime als im stillen Örtchen ...

Man sieht sie nicht, aber sie sind überall, zum allergrößten Teil völlig harmlos, oft sogar überaus nützlich: Eine "keimfreie" Welt kann es nicht geben, weil Bakterien, Viren, Pilze und andere mikroskopisch kleine Wesen Teil des komplexen Systems sind, das höheres Leben auf der Erde erst möglich macht.

Es ist kein Widerspruch zu diesen Sätzen, dass die Astronauten, die als erste Menschen auf dem Mond gelandet waren, nach der Rückkehr zu Erde in strenge Quarantäne mussten und umfassend untersucht wurden. Mögliche Mikrolebewesen vom Mond hätten in der für sie fremden Welt der Erde gefährlich werden können.

Doch zurück zu den ganz irdischen und alltäglichen Gegebenheiten: 99,9 Prozent der Keime "in freier Wildbahn" scheren sich nicht um den Menschen. Der Kontakt mit ihnen ist völlig harmlos. Im häuslichen Umfeld haben die Menschen allerdings Bedingungen geschaffen, unter denen sich auch schädliche Bakterien pudelwohl fühlen und auch stark vermehren können.

Das offenkundigste Beispiel sind verdorbene Lebensmittel: Werden Fleisch oder Wurst schlecht, dann wächst auf ihnen das Bakterium Clostridium botulinum. Dessen Sporen setzen Botulinumtoxin frei, eines der stärksten Gifte in der Natur. Todesfälle waren früher weitaus häufiger als heute. Die moderne Lebensmittelverarbeitung und -Lagerung hat das Vergiftungsrisiko stark reduziert.

Trotzdem: Im Haus hat die moderne Technik ein paar besonders attraktive Biotope für Keime geschaffen: Der Kühlschrank gilt mit 10 000 Mikroorganismen pro Quadratzentimeter als regelrechte Keimschleuder. Noch wohler fühlen sich Bakterien auf einem feuchten Spüllappen. Das können bis zu 100 Millionen Keime sein. Im Vergleich dazu ist eine regelmäßig geputzte Toilette mit 30 000 Bakterien geradezu appetitlich.

Das heißt natürlich nicht, dass die Klo- zur Suppenschüssel und das WC zum Esszimmer umfunktioniert werden sollen. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) stellt auf ihrer Homepage einen übersichtlichen Leitfaden zur häuslichen Hygiene zur Verfügung (www.bzga.de). Die wichtigsten Tipps der Experten: Chemie Im Krankenhaus, in der Arztpraxis und in der Großküche sind sie ein Muss: Desinfektionsmittel, die bei sachgemäßer Anwendung bis zu 99,9 Prozent der Keime sicher töten. Im privaten Bereich macht der Einsatz solcher Mittel aber kaum Sinn, schon alleine wegen der fehlenden Sachkenntnis. Das Risiko ist größer als ein möglicher Nutzen; Hautschäden und Reizungen der Atemwege sind möglich. Und: Ein Desinfektionsmittel ist kein Putzmittel. Es wirkt nicht gegen Schmutz, und Schmutz ist der Nährboden für Keime. Waschen Früher wurde die Wäsche im Kessel bei 95 Grad gekocht und in der Sonne gebleicht, heute setzt man umweltschonend auf 30 Grad und sanfte Waschmittel. Die Wahrheit liegt in der Mitte: Bett- und Unterwäsche, Handtücher und Putzlappen sollten regelmäßig bei 60 Grad und mit Waschmitteln gewaschen werden, die Bleichstoffe enthalten. Dann reduziert die Wäsche die Zahl der Keime nachweisbar. Die 60-Grad-Wäsche sorgt auch dafür, dass sich in der Waschmaschine kein verkeimter Sumpf bildet. Küche Feucht, warm, Lebensmittelreste: Wenn man sich in ein Bakterium versetzt, wird klar, dass die Küche ein Paradies ist. Vor allem die Spüle und Behälter für Bio-Abfall schaffen idealen Nährboden für alle Arten von Keimen. Lappen sollte man regelmäßig waschen, besser noch austauschen, und nach der Benutzung locker aufhängen, damit sie trocknen können. Toilette Man kann es kaum glauben: Weder das WC noch die WC-Bürste sind erste Wahl für Keime: Hier wird oft mit viel Wasser gespült, Putzmittel eingesetzt. Bakterien oder auch Pilze (Schimmel) siedeln viel lieber da, wo der Putzlappen seltener zu Gast ist: auf senkrechten Wänden in der Dusche, den Fugen der Fliesen, dem Duschvorhang. Ebenso auf dem feuchten Schwamm in der Duschkabine. Putzen Der Handel bietet ein riesiges Arsenal an Putzmitteln, die angeblich auch "antibakteriell" wirken, aber der tatsächliche Nutzen dieser Wundermittel ist gering. Wirksam ist die Beseitigung von Schmutz als Nährboden für Keime. Wenn das regelmäßig geschieht, mit reichlich warmem Wasser und herkömmlichen Mitteln wie Schmierseife, fühlen sich Bakterien schon nicht mehr wohl. Der feuchte Lappen ist auch wirksamer als der Staubsauger, weil viele Geräte zwar Haare und Schmutz verschwinden lassen, mikroskopische Teilchen wie Schimmelsporen aber in der Luft verwirbeln. Was nicht nur für Allergiker zum Problem werden kann.