Vor dem Industriegebäude stehen kaum noch Autos. Bei Anrufen in die Zentrale hebt niemand den Telefonhörer ab. Es ist still geworden im und rund um das Gebäude der Firma Zitzmann GmbH & Co. KG. Seit dem 2. Oktober stehen die Maschinen stehen still, die Pforten sind geschlossen, und die Belegschaft ist zu Hause. 64 Mitarbeiter verloren ihren Arbeitsplatz. Es ist somit das Aus für ein Traditionsunternehmen in der Rennsteig-Region.

Bei der Recherche stellt es sich als schwer heraus, an Informationen zu kommen. Mitarbeiter des Unternehmens verweisen auf den Betriebsratsvorsitzenden. Trotz wiederholter Anrufversuche und hinterlassener Nachrichten kam kein Kontakt mit ihm zu Stande.

Ein harter Tag

Der letzte Tag für die Belegschaft sei schlimm gewesen. Die Stimmung sei von Trauer und Wut geprägt gewesen. Bei manchem seien Tränen geflossen, berichtet dann doch eine Mitarbeiterin. Viele ihrer Kollegen seien 30 Jahre und länger bei dem Unternehmen tätig gewesen. Sie hätten gehofft, auch weiterhin bis zu ihrer Rente ihren Lebensunterhalt bei Zitzmann verdienen zu können. Dass es zur Insolvenz kam, könne keiner der Betroffenen verstehen.

Noch vor wenigen Tagen sprach Betriebsrat Alexander Löffler von gut gefüllten Auftragsbüchern. Im ersten halben Jahr habe er rund 250 Überstunden gearbeitet. Er erzählte aber auch von fehlender Transparenz und dass der Antrag auf das vorläufige Insolvenzverfahren im Juni für die Mitarbeiter völlig überraschend gekommen sei. Seine Frau, Stefanie Löffler, erklärte, dass derzeit nur wenige Mitarbeiter einen Job in Aussicht hätten. In Zeiten von Corona hielten sich die Betriebe mit Einstellungen zurück. Die Enttäuschung sei immer noch groß. Und: "Die Leute fühlen sich im Stich gelassen!"

Aus dem Büro des Insolvenzverwalters Klaus-Christof Ehrlicher ist zu hören, dass das Unternehmen Zitzmann nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens einen Monat lang fortgeführt worden sei. Eine Produktion von Glasformen darüber hinaus sei unter Vollkosten nicht darstellbar gewesen. Der Geschäftsbetrieb sei letztendlich mit der Zustimmung des vom Insolvenzgericht eingesetzten Gläubigerausschusses eingestellt worden. Es wurden Verhandlungen mit möglichen Investoren geführt. Diese seien aber nicht erfolgreich gewesen. Seinem Kenntnisstand nach konnte der Erwerb des Unternehmens nicht finanziert werden.

Die Rede ist weiterhin davon, dass mit dem Betriebsrat des Unternehmens ein Interessensausgleich und ein Sozialplan auf den Weg gebracht wurden, worin die Arbeitnehmerabfindungen definiert und geregelt werden. Dies wurde auch seitens einiger Mitarbeiter bestätigt. Allerdings sind die Zweifel groß, ob sie einen Cent von den vereinbarten Summen sehen werden. Außerdem, so Stefanie Löffler, sei ihr gesagt worden, dass die Auszahlung zwei bis zehn Jahre in Anspruch nehmen könnte.

Später Kontakt zur Gewerkschaft

Leider sei der Betrieb bei der Zitzmann GmbH und Co. KG geschlossen, so der erste Bevollmächtige der IG Metall Coburg, Jürgen Apfel. Er weist darauf hin, dass der Betriebsrat erst mit dem Antrag des vorläufigen Insolvenzverfahrens den Kontakt zur Gewerkschaft gesucht habe. Danach habe die IG Metall beratend gewirkt. Auch habe die Gewerkschaft einen kostenlosen Anwalt zur Verfügung gestellt, der im Gläubigerausschuss mit vertreten gewesen sei. Es sei darum gegangen, das bestmögliche beim Interessensausgleich und beim Sozialplan für die Mitarbeiter herauszuholen. Apfel räumt in diesem Zusammenhang aber ein, dass die Möglichkeiten relativ begrenzt gewesen seien.

Oftmals sei es die gleiche Geschichte, resümiert er. Die Leute kämen zur Gewerkschaft, wenn es zu spät sei. "Dabei ist die Gewerkschaft doch nichts Illegales!" Er wollte damit nicht sagen, dass man die Insolvenz bei Zitzmann hätte verhindern können, aber eventuell wäre einiges anders gelaufen.

Das hätte sich auch Hubert Bischoff gewünscht. Seit 44 Jahren arbeitete der Ludwigsstädter bei Zitzmann. Er hat immer noch die Hoffnung, dass sich ein Investor findet und es irgendwie weitergeht. Schließlich war die Firma Zitzmann für viele Mitarbeiter so etwas wie eine Familie. Und das Unternehmen hatte einen guten Ruf in der Branche. Auch der Tettauer Bürgermeister Peter Ebertsch hofft: "Vielleicht gibt es doch noch eine Chance!"