So oder so - es wird das Großprojekt der kommenden Jahre. So lieb die Kronacher ihr idyllisches Bad mit Blick auf die Festung Rosenberg haben: Die alte Dame ist in die Jahre gekommen: Einige Teile sind bereits 50 Jahre alt - genauso wie die Badtechnik. Eine Kernsanierung, vor allem des Hallenbades, ist in naher Zukunft unausweichlich. Doch wie nun in der Stadtratssitzung am Montagnachmittag deutlich wurde: Das Crana Mare abzureißen und komplett neu zu bauen ist günstiger als es von Grund auf zu modernisieren.

Zu diesem Ergebnis kam Dietmar Altenburg von der gleichnamigen Düsseldorfer Unternehmensberatung, seines Zeichens seit über 25 Jahren Experte im Bereich Bau und Sanierung von Bädern in ganz Deutschland. In einer Machbarkeitsstudie, die die Stadt Kronach im November vergangenen Jahres in Auftrag gegeben hatte, legte der Spezialist dem Gremium eindrucksvolle Zahlen vor: Ungefähr 27 Millionen Euro wären notwendig, um das Hallenbad samt Lehrschwimmbecken-Anbau und Freibad komplett zu sanieren. Ein Neubau dagegen käme laut Altenburgs Erfahrungswerten rund vier Millionen Euro günstiger: "Das liegt daran, dass es günstiger ist, ein Lehrschwimmbecken in einen Neubau zu integrieren als an ein bestehendes Gebäude anzubauen."

Mehr als nur Fließenaustausch

Doch von vorn: Seinen bauliche Lebenszyklus - 25 bis 30 Jahre - haben selbst die jüngeren Teile des Crana Mare (aus den Jahren 1992 bis 1994) inzwischen überschritten. Altenburg verdeutlicht noch einmal, was die Stadtratsmitglieder bereits wissen: "Hier geht es nicht um ein bisschen Fließenaustausch oder eine neue Pumpe." Bei einer Kernsanierung würden zwischen 14 und 21 Millionen alleine auf das Hallenbad inklusive Erlebnisbereich und kleinem Ganzjahresbecken entfallen. Vor allem der Anbau eines benötigten Lehrschwimmbeckens schlage dabei erheblich zu Buche.

Die Variante, die Altenburg jedoch empfiehlt: Ein Neubau, mit bedarfsgerechten Kapazitäten. Der große Vorteil wäre, dass der Badbetrieb im alten Crana Mare während der Bauzeit - rund zwei Jahre - weitergehen könnte, während im Bereich des großen Parkplatzes nebenan das neue Bad Form annimmt. Denn wie der Vorsitzende des Kronacher Turnerschaft Jörg Schnappauf deutlich machte: "Eine Schließung über zwei, drei Jahre würde für den Schwimmverein Kronach und für die Schwimmabteilung der Turnerschaft Kronach das Aus bedeuten."

Das neue Hallenbad hätte alles, was das Crana Mare schon hat - und noch mehr: Ein Sportbecken mit Teilhubboden, fünf Bahnen mit jeweils 25 Metern Länge statt der bisherigen vier, ein Ein-Meter-Brett und einen Drei-Meter-Sprungturm. Ein Multifunktionsbecken mit Vollhubboden, das für den doppelten Betrieb noch einmal geteilt werden könnte, würde Platz für ein größeres Kursangebot schaffen. Außerdem sieht der Plan des Bäderexperten ein Kleinkinderbecken und einen Whirlpool vor. In einem verglasten Wärmeraum mit Blick in die Badehalle und einem Wintergarten samt Liegeplätzen könnten die Gäste - wie bisher - ins Gespräch kommen. Die Baukosten der Halle würden laut Altenburg zwischen 15 und 18 Millionen Euro liegen.

Das Schwimmbahn-Dilemma

Im Außenbereich würde sich ebenfalls einiges verändern: Da es der Wunsch der Vereine ist, die 50-Meter-Bahnen im Schwimmbecken beizubehalten, soll ihre Anzahl von acht auf vier verringert werden - aus Altenburgs Sicht mit Blick auf die Besucherzahlen vollkommen ausreichend.

Weiter soll es im Außenbereich ein Kinderbecken und ein solarbeheiztes Erlebnisbecken mit einer Breitrutsche geben. Kiosk und Liegewiese soll es auch weiterhin geben, eine Röhrenrutsche sieht der Plan des Beratungsbüros bislang nicht vor. Dafür würden die Personalkosten bei dieser Variante sinken, weil im laufenden Betrieb lediglich 12 statt 15 Mitarbeiter (Sanierung) notwendig wären.

Eine Sauna, wie von einigen Bürgern und Stadtratsmitgliedern gewünscht, müssten laut Altenburg jährlich mit 115 000 Euro bezuschusst werden. "Überlegen Sie sich gut, ob Sie dieses Schmankerl zusätzlich angehen wollen", mahnt der Experte und regt an, dass eine Sauna auch unabhängig vom kommunalen Freibad, beispielsweise über die Wirtschaftsförderung des Landkreises Kronach, realisiert werden könnte. "Die Variante Sanierung macht keinen Sinn, weder funktional noch betriebswirtschaftlich", fasst Altenburg abschließend zusammen. "Bitte sanieren Sie nicht das Crana Mare. Bauen Sie neu."

Auch wenn der Stadtrat an diesem Nachmittag noch keine endgültige Entscheidung triff: "Wenn ich mir das so anhöre, haben Sie uns die Entscheidungsfindung sehr einfach gemacht", merkt Peter Witton (Grüne) an. "Es deutet vieles darauf hin, dass es in Richtung Neubau geht", pflichtet auch Tino Vetter (Freie Wähler) bei.

Keine Attraktionen streichen

Doch es werden auch Bedenken geäußert. "Ich kann nicht verstehen, warum wir Attraktionen weg streichen", äußert sich Winfried Lebok, der selbst seit 45 Jahren Bäder plant. Gerade mit Blick auf die nach Kronach kommenden Studenten sei es wichtig, zusätzliche Angebote zu schaffen, beispielsweise mit einer Saunalandschaft. "Die jungen Leute wollen abends verwöhnt werden."

Das sieht auch Martin Panzer (Zukunft Kronach) so: "Viele Kronacher fahren derzeit - mangels Alternativen - nach Staffelstein. Wir sprechen uns ganz klar für eine Saunalandschaft aus."

Die "abgespeckte" Außenvariante dagegen bereitet Jonas Geissler Sorgen. "Das Hallenbad wird toll, aber das Freibad wird - mit oder ohne Röhrenrutsche - relativ langweilig." Altenburg entgegnet, dass ein Freibad nicht von einem Sprungturm oder zusätzlichen Schwimmbahnen lebt, sondern vom Wetter: "Haben Sie gutes Wetter, ist das Ding voll. Haben Sie schlechtes Wetter, kommen die Leute nicht." Weiter warnt der Berater mit Blick auf die laufenden Betriebskosten davor, sich beim Angebot zu übernehmen: "Bleiben Sie - bei allem Interesse - bescheiden und gucken Sie, was machbar ist."

Da es im Umland bereits einige Bäder gibt, sollten sich die Kronacher davon verabschieden, den Anspruch zu erheben, das Oberzentrum der Bäderbranche in Nordbayern zu werden. "Das ist dann vielleicht keine Champions League, aber auch noch lange keine Kreisklasse."

Bevor die endgültige Entscheidung fällt, wollen sich die Fraktionen intern beraten und das Gespräch mit den Schwimmvereinen suchen, ob wirklich acht Bahnen für den Wettkampfbetrieb nötig sind. Derweil führt die Verwaltung Gespräche mit dem Landkreis Kronach über eine mögliche Kooperation in Form eines Zweckverbands beim Betrieb des neuen Crana Mare. Denn egal welche Variante es letztendlich wird: Die Betriebskosten des Bades werden voraussichtlich im niedrigen sechsstelligen Bereich liegen - je nachdem, welche "Schmankerl" das neue Bad am Ende haben wird.