Der Pulverdampf auf der Festung Rosenberg hat sich verzogen, die Schlacht ist geschlagen, die Kronacher haben gewonnen. Inzwischen flanieren die vielen Besucher wieder zwischen den Festungsmauern umher, genießen Feuerspieße, Bier und Fladenbrot. Doch über ihren Köpfen ist das Geschehene noch längst nicht vergessen. Vor dem Zelt der Kronacher Ausschuss Compagnie geraten sich zwei Haudegen aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges in die Haare. Im Zwiegespräch tun sie für uns mit einem Augenzwinkern, wofür Crana Historica steht - sie lassen die Geschichte authentisch lebendig werden.



"Das ist eine ungewöhnliche Situation, weil wir haben ja - wie die Geschichtsschreibung weiß -, die schwedischen Feinde immer haushoch rausgeworfen", sagt Obrist-Wachtmeister Walter Schinzel-Lang von den Kronacher Ausschüssern mit breiter Brust.
Dank Crana Historica hat er nun jedoch einen Vertreter der alten Feinde bei einem Humpen Bier an seiner Seite sitzen.

Eine knappe Stunde vorher sah das noch ganz anders aus. Da herrschte lebhaftes Treiben in den Feldlagern. Trupp um Trupp zog unter neugierigen Blicken hinaus in den äußeren Wallgraben. Ein Überfall der Schweden hatte bei den Kro nachern für "Verluste" gesorgt. Es folgte ein Scharmützel, das schließlich in eine ausgewachsene Feldschlacht mündete. Nach einem ausgedehnten Feuergefecht behielten die Kronacher und ihre Verbündeten im Nahkampf die Oberhand. Und wie schon bei drei Besetzungen der Cranach-Stadt von 1632 bis 1634 mussten die Angreifer am Ende dieser Vorführung erfolglos abziehen.


Kronacher Sieg nur Glück?
"Das war ein Glücksfall", steht für Hauptmann Uwe Klotz fest. Der Dragoner stand diesmal auf der Seite der Schweden. Er ist sich sicher: Wäre sich die Truppenführung der Besatzer bei den Attacken auf Kronach einig gewesen, wäre die Stadt früher oder später gefallen. "Und das schwedische Heer war einfach zu durchsetzt von fremden Mächten. Sonst hätten wir Kronach eigentlich im Handstreich erobert", erklärt er mit einer viel sagenden, wischenden Bewegung der rechten Hand.

Der Blick des heimischen Obrist -Wachtmeisters verdunkelt sich zusehends. Er hat nur ein Kopfschütteln für diese "Ausrede" übrig.

Am Lager vorbei marschiert eine Gruppe Pikeniere. Ihre langen Spieße waren früher am Stück, heute werden sie zusammengeschraubt. Des Transports wegen, wie Klotz berichtet. Sonst würden sie nicht in die modernen Fahrzeuge passen. Die Soldaten durchschreiten das Lager, ziehen vorbei an einem "tapferen Weib" der Kronacher. Die Frau steht bei hochsommerlichen Temperaturen eisern am Kochtopf und rührt. Die "Geheimwaffe" der Kronacher - ihre Frauen - sei heute auf dem Feld gar nicht zum Einsatz gekommen, unterstreicht Schinzel-Lang die Milde der Verteidiger gegenüber den Schweden.

Damit ruft er jedoch den Hauptmann wieder auf den Plan. Er hat sich wohl vor diesem Treffen etwas genauer unter den Besucherinnen bei Crana Historica und in der Stadt umgeschaut und kommt zu dem Urteil: "Ihr habt in Kronach ja ganz brauchbare Weibsleut‘. Wenn man das damals gewusst hätte, wäre es ein Ansporn gewesen, Euch doch zu erobern. Die Weiber hätten wir schon gezähmt."

Während die Frauen auf dem "Festival der Geschichte", völlig unberührt von dieser vollmundigen Behauptung weiter die historischen Trachten und die Schmuckstücke an den Ständen mustern, gefällt der Köchin der Tonfall des Hauptmanns in seiner goldgelben Montur überhaupt nicht; Gisela Lang wettert: "Wir hätten Euch erschlagen! Als die Feinde die Kronacher Weiber oben auf der Mauer gesehen haben, haben sie sich gesagt: ,Uah! Da wollen wir gar nicht rein!‘"


Auf Frauen und Bier ist Verlass
Mit einem zufriedenen Schmunzeln über die bis heute wehrhaften Kronacherinnen setzt Schinzel-Lang seinen Krug an. Als der "Schwede" dann aber noch anfängt, vom "eroberten" Bier aus Unterfranken zu schwärmen, platzt dem Kronacher der Kragen. "Das kann ich so nicht stehen lassen!", poltert er, tippt auf den Deckel seines Kruges und meint: "Das ist unser Zaubertrank!" Viele kosten diesen Trunk schon am Auftakttag von Crana Historica und werden ihm beipflichten. Denn bei Schweiß treibenden Temperaturen braucht es reichlich Flüssigkeit, um die vielen Attraktionen, Vorführungen und Stände des Festivals genießen zu können.

Das erkennt auch Hauptmann Klotz an. Die Feindschaft wird begraben und die beiden Veteranen des Dreißigjährigen Kriegs stoßen an, feiern und freuen sich auf zwei weitere Schlachten an den beiden folgenden Tagen bei Crana Historica. Anschließend werden sie ihre Uniformen (vorläufig) ablegen und wieder zu den Zivilisten Walter Schinzel-Lang und Uwe Klotz werden. Dann verabschieden sie sich vom Dreißigjährigen Krieg vor den Toren Kronachs. Aber vielleicht starten die Schweden ja in zwei Jahren einen neuen Anlauf - dann wäre es an der Zeit für Crana Historica V.