Der Bundestag kann künftig mehr Abgeordnete haben. Bis auf die Linken haben alle Parteien der Wahlrechtsänderung zugestimmt. Demnach werden Überhangmandate künftig ausgeglichen. Fraglich ist, ob das Carl-Christian Dressel etwas genutzt hätte. Der heute 42-jährige Coburger saß von 2005 bis 2009 im Parlament. 2009 holte die CSU in Bayern drei Überhangmandate. Hätte es damals Ausgleichsmandate gegeben, hätte Dressel womöglich wieder ins Parlament einziehen können.

Aber so reichte der 19. Listenplatz nicht. Nun will Dressel es erneut versuchen. Bei der Nominierung im Wahlkreis Coburg-Kronach setzte er sich knapp mit 63 zu 57 Stimmen durch. Nun geht es für den SPD-Unterbezirksvorsitzenden um einen guten Platz auf der SPD-Landesliste.

Herr Dressel, wenn Sie an diesen langen Nominierungsabend zurückdenken - was bleibt davon in Erinnerung?
Carl-Christian Dressel: (überlegt lange) Der Abend hat lange gedauert, bei vier Kandidaten und zwei Wahlgängen auch kein Wunder. Ich habe die Reden der Mitbewerber ja nicht hören dürfen, so dass ich nicht sagen kann, was mich da am meisten bewegt hätte. Ja, es war ein langer, anstrengender, aber am Ende erfolgreicher Abend.

Sie haben Ihren Mitbewerbern am gleichen Abend das Angebot gemacht, in Ihr Wahlkampfteam zu kommen. Gab es da schon eine Rückmeldung?
Teilweise.
Aber in den letzten Wochen waren wir mit den Vorbereitungen für den Bezirksparteitag beschäftigt. Daher haben wir noch nichts fertig. Wir haben zwar in der letzten Unterbezirksvorstandssitzung unsere Planungen konkretisiert, aber hinsichtlich einer Mitarbeit meiner Mitbewerber im Wahlkampfteam hat sich noch nicht definitiv herausgestellt, ob es bei ihnen klappt und wie es klappt. Ich habe noch nicht jeden getroffen, und so etwas mache ich am liebsten im persönlichen Gespräch.

Am Samstag ist Bezirksparteitag. Dort wird die Reihenfolge der Kandidaten in Oberfranken festgelegt. Im Vorfeld der Nominierung hieß es immer wieder: Wir wollen für Coburg den ersten Männerplatz für Oberfranken.
Den will ich.

Warum ist der so wichtig?
Weil der erste Männerplatz derjenige ist, der Chancen bietet, auf einen erfolgreichen Platz der Landesliste gewählt zu werden. Er muss nicht erfolgreich sein, das haben wir 2009 gemerkt, aber das war damals eine Ausnahmesituation. Bis 2009 war der 20. Platz auf der Landesliste immer erfolgreich.

Wäre das Platz zwei auf der Bezirksliste?
Es gibt zwei Bezirkslisten, eine für die Frauen, eine für die Männer. Auf der Frauenliste stehen die beiden Abgeordneten Petra Ernstberger aus Hof und Annette Kramme aus Bayreuth. In der Männerliste streiten sich die drei anderen Kandidaten um die Plätze. In Kulmbach tritt Simon Moritz an, der ist dort Unterbezirksvorsitzender. Und in Bamberg-Forchheim Andreas Schwarz, der Bürgermeister von Strullendorf. Der hat 2009 schon kandidiert.

Wenn Sie sagen, ,der Listenplatz ist mir wichtig‘, bedeutet das aber auch, dass sie keine große Chance sehen, das Direktmandat zu gewinnen.
Das eine tun, ohne das andere zu lassen. Würde jemand behaupten, die SPD habe in jedem Fall 2013 das Direktmandat im Wahlkreis Coburg-Kronach, hielte ich das für vermessen.

Was ist, wenn Sie in Oberfranken nur den zweiten Männerplatz erhalten?
Ich bin kein Mensch für die "Wenn-Dann-Spiele". Wir warten erst mal ab, was am Samstag rauskommt, und damit machen wir dann weiter. Es geht ja nicht um mich allein, sondern um die ganze Region und den Wahlkreis Coburg-Kronach.

Kann oder darf die Landesvertreterversammlung der SPD im Dezember von diesen Reihungen aus den Bezirken abweichen?
Die Landesvertreterversammlung darf alles. Sie darf Hugo Müller aus Hintertupfing auf Platz 1 setzen und Florian Pronold auf Platz 38. Ich gehe davon aus, dass sie Florian Pronold als Landesvorsitzenden der SPD auf Platz 1 setzen wird. Zumindest beim letzten Mal ist von den Vorschlägen aus den Bezirken nicht abgewichen worden. Aber die Bezirksparteitage sind keine nach dem Wahlgesetz vorgesehene Ebene. Sie geben nur eine Empfehlung.

Bei der CSU ist es ja bekannt, dass es nach Proporz geht: Männer, Frauen, Konfession, Regierungsbezirke - alles muss vertreten sein. Wie ist das bei der SPD?
Bei uns ist satzungsgemäß eine Reißverschlussliste nach Geschlecht vorgeschrieben. Ansonsten wird natürlich auf eine ausgewogene Vertretung der unterschiedlichen Regierungsbezirke geachtet.

Diese Gewichtung hat dazu geführt, dass bei der letzten Wahl der Münchner ...
... Axel Berg, der um wenige Stimmen das Direktmandat verfehlt hat, erster Nachrücker wurde. Und ich, der das prozentual zweitbeste Zweitstimmenergebnis für die SPD in Bayern geholt hat, wurde dritter Nachrücker.

Wann geht der Wahlkampf los?
Auf Bundesebene ist er schon losgegangen. Hier ist es ein langsamerer Prozess. Ich könnte mir vorstellen, dass er nach Weihnachten spürbar anläuft und im Juli in die heiße Phase geht.

Sie konnten nach der Wahl 2009 in ihr Beamtenverhältnis zurückkehren. Können Sie da für den Wahlkampf freigestellt werden?
Das ist bei einem Beamten nicht anders als bei jedem anderen Arbeitnehmer: Ich muss für den Wahlkampf meinen Urlaub einsetzen oder unbezahlten Urlaub nehmen, letzteres ist im Grundgesetz ausdrücklich vorgesehen.

Der Kandidat, die SPD und die Wahl


Der Mann Carl-Christian Dressel, gebürtiger Coburger, Verwaltungsjurist und Stadtrat, gehörte schon von 2005 bis 2009 dem Bundestag an. Wegen des schlechten Abschneidens der SPD in Bayern schaffte er 2009 nicht den Wiedereinzug ins Parlament.

Das Problem Der CSU-Bundestagsabgeordnete Hans Michelbach hat 2002, 2005 und 2009 das Direktmandat gewonnen. Er will auch 2013 wieder antreten. Dressel braucht daher einen guten Platz auf der SPD-Landesliste, wenn er einigermaßen sichergehen will, wieder ins Parlament einzuziehen. Doch die Listenaufstellung ist eine komplizierte Angelegenheit.
Der Proporz Die SPD hat sich selbst verordnet, dass sie ihre Liste als "Reißverschluss" gestaltet: Frauen und Männer wechseln sich ab. Mit dem Landesvorsitzenden Florian Pronold steht voraussichtlich ein Mann und Niederbayer auf Platz 1. Aber auch die anderen Regierungsbezirke wollen berücksichtigt sein - einmal gemäß ihrer Bevölkerungszahl, einmal gemäß der Stärke der SPD. Das lässt bestenfalls Platz für drei Oberfranken unter den ersten 20. Die zwei Bundestagsabgeordneten Annette Kramme (Bayreuth) und Petra Ernstberger (Hof) haben wegen der Frauenquote gute Chancen, dort zu landen. Damit bleibt noch ein Platz für einen männlichen Oberfranken.