Die Türen der Arztpraxis von Rita und Frank Gläser in Teuschnitz stehen auch an diesem sonnigen Frühlingstag für Patienten offen. Aus dem Wartezimmer ist leise das Radio zu hören. Auf einem kleinen Tisch steht Wasser bereit. Auf den ersten Blick wirkt alles wie immer. Doch wer eintritt, dem fällt sofort das Plakat mit dem roten "Halt!"-Symbol vor dem Anmeldetresen auf.

"Bitte zuerst Hände desinfizieren. Bitte nur eine Person an die Anmeldung", steht darauf in fetten Buchstaben geschrieben. Wer an der Reihe ist, bekommt von den Sprechstundenhelferinnen eine Schutzmaske in die Hand gedrückt. "Das ist natürlich nicht die Lösung für alles. Aber sie schützt beim Niesen - und wir nutzen eben das, was wir haben", erklärt Rita Gläser.

Grenzmarkierungen am Boden

Die Hausärztin sitzt an ihrem Schreibtisch - hinter einer Glaswand, die von zwei Holzkeilen gehalten wird. Auf dem Boden markiert eine rote Linie die Grenze. So weit darf der Patient mit seinem Stuhl nach vorne rutschen, damit der Mindestabstand eingehalten wird. "Wir müssen kreativ sein und haben uns allerhand einfallen lassen. Vor Ostern haben wir alle Stühle ausgetauscht, weil sich diese leichter abwischen lassen. Und den Glasschutz hat unserer hiesiger Tischler gebaut. Hier im Ort kennt man sich ja."

Trotz Trennwand: Berührungsängste hat Gläser keine. "Wenn jemand anruft und sagt, dass er Atembeschwerden hat oder hustet, muss ich den Patienten abhören. Das gehört einfach dazu." In der Teuschnitzer Praxis erfolgt die Behandlung bereits seit Jahren nach telefonischer Anmeldung. Falls ein Patient unter Symptomen leidet, die auf das Corona-Virus hindeuten, werde er in einen separaten Warteraum gebracht, wo bei Normalbetrieb eine Spielecke für Kinder eingerichtet ist.

Keine Info bei Verdachtsfällen

Gläsers Sprechstundenhilfen desinfizieren ihm dann die Hände und messen Fieber. "So schützen wir die anderen Patienten." Bei fünf Patienten habe in den vergangenen Wochen Verdacht auf Corona bestanden. Die hat Gläser an die zentrale Teststelle weitervermittelt. Ob sie tatsächlich infiziert waren, weiß sie jedoch nicht. "Ich habe bis heute keine Rückmeldung vom Landratsamt bekommen." Dabei sei das durchaus eine Information, die für den Hausarzt wichtig wäre.

Parallel zur Behandlung leistet Gläser bei ihren Patienten Aufklärungsarbeit und rät ihnen, die Schutzmasken auch außerhalb ihrer Praxis zu tragen. "Es ist wichtig, dass die Bevölkerung verinnerlicht, dass das hier keine Sache von wenigen Wochen ist. So lange kein Impfstoff gefunden wird, bleibt die Gefahr bestehen. Und das nächste SARS-Virus kommt bestimmt."

Dass die letzte schwere Pandemie - die spanische Grippe - bereits 100 Jahre zurückliegt, sei nichts anderes als Glück. "Es wird Zeit, dass sich die Menschen mehr um ihre Gesundheit und die ihrer Angehörigen kümmern anstatt um das nächste Auto." Für die Vorsichtsmaßnahmen in Gläsers Praxis hätten die Patienten Verständnis. "Am Anfang waren die Leute verunsichert - aber mittlerweile haben wir wieder genauso viel zu tun wie sonst auch."

Das sieht bei Hans Goldhammer in Mitwitz komplett anders aus. "Es kommt kaum jemand mehr", berichtet der 72-Jährige. Bei Normalbetrieb würde er bis zu 40 Patienten täglich behandeln - derzeit seien es nicht einmal die Hälfte. "Die Leute haben Angst."

Dubiose Angebote

Dafür würden den Allgemeinmediziner vermehrt Faxe erreichen, in denen ihm dubiose Unternehmen aus dem Ausland angeblich hochwertige Schutzmasken für 99 Euro oder einen Liter Desinfektionsmittel für 30 Euro schmackhaft machen wollen. "Da würde eine Flasche Strohrum deutlich billiger kommen", scherzt er. "Zum Glück habe ich einen guten Papierschredder."

Gute Nachrichten kann der Kronacher Kinderarzt Mustafa Rihawi vermelden: "Unsere kleinen Patienten waren bisher alle symptomlos. Kinder haben ein gutes Immunsystem." Vorsorglich hält Rihawi in seiner Praxis eine Infektionssprechstunde vor, um Kinder mit Erkältungssymptomen oder Magen-Darm-Beschwerden separat behandeln zu können. Begleitet werden die Kinder derzeit nur noch von einem Elternteil. "Bei uns ist es häufig so, dass Oma und Opa mitkommen. Das ist derzeit nicht erlaubt."

Tierärzte retten weiter Leben

Wenn es um die Helden geht, die in der Krise die medizinische Versorgung aufrecht erhalten, werden Tierärzte häufig vergessen. Doch Menschen wie Hubert Schmittnägel, sind weiter zur Stelle, wenn Tiere ihre Hilfe brauchen.

"Leider sind wir häufig die Ärzte, die auf der Prioritätenleiter ganz unten stehen", schildert der 68-Jährige. Dabei rückt er nach wie vor zu Hausbesuchen aus, wenn ein Pferd lahmt oder ein Tier eingeschläfert werden muss und ein Transport in die Praxis nicht zumutbar ist. "Alles andere wäre Tierquälerei."

Trotzdem habe auch er Angst davor, sich mit dem Corona-Virus anzustecken. Bei der Behandlung sei es nicht immer möglich, den Mindestabstand zum Besitzer einzuhalten - etwa, wenn der seinen ängstlichen Hund auf dem Behandlungstisch festhält oder Schmittnägel ein Tier einschläfert. Umso wichtiger ist die Schutzausrüstung. "Aber es ist schwer, Dinge wie Mundschutz zu bekommen. Auch OP-Material ist derzeit kaum lieferbar." Das müsse er aus Österreich oder China bestellen - Wartezeiten inklusive.

Um das Risiko einer Ansteckung gering zu halten, achtet Schmittnägels Assistentin Stefanie Welsch darauf, dass nur einzelne Personen mit ihrem Tier den Behandlungsraum betreten.

Übrigens ist es laut dem Tierarzt durchaus möglich, dass sich das Virus vom Besitzer auf den Hund oder die Katze überträgt - umgekehrt konnte eine Infektion nicht nachgewiesen werden."Wenn jemand infiziert ist, sollte er sein Haustier aber nicht abgeben", betont der Tierarzt. Vielmehr sollte er Abstand halten und es nicht küssen. Dass ein Tier am Corona-Virus stirbt, sei äußerst unwahrscheinlich.