Den Angaben des Stadtschreibers Johann Knoch zufolge standen auf dem Platz des jetzigen Spitals zunächst eine Kapelle und ein Haus, das durchziehenden armen Leuten vorübergehend Herberge bieten sollte. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts bemühten sich Bürgermeister und Rat mit der Unterstützung des Stadtpfarrers Johann Ultsch schließlich um die Einrichtung eines Hospitals für "arme, schwache, gebrechliche Christgläubige" in Kronach.

Da es an eigenen Geldmitteln fehlte, sollte die Gründung durch freiwillige Gaben ermöglicht werden. Bischof Georg I. von Schaumberg wurde um Bestätigung und Gutheißung der beabsichtigten Stiftung gebeten, die im Oktober 1462 erfolgte. Das Spital wurde der heiligen Martha und der heiligen Elisabeth gewidmet. Zu den Schenkungen gehörten neben Geld auch Naturalien und Grundstücke.

In den ersten Jahren wurde zudem eine Reihe von Gütern und Liegenschaften angekauft. Der spitaleigene Grund und Boden war zum Teil weit verstreut, etwa in Weißenbrunn, Schmölz, Langenstadt und Oerlsdorf.

Mit acht Bewohnern fing es an

1464 eröffnete das Spital am nördlichen Ufer der Kronach mit acht Bewohnern (Pfründnern). Die Spitalkapelle wurde nach dreijähriger Bauzeit 1467 eingeweiht. Neben den Patroninnen Martha und Elisabeth wurde schon früh die heilige Anna besonders verehrt. Sie stieg zu einem unbekannten Zeitpunkt zur Hauptpatronin des Spitals auf.

Zu den bedeutendsten Wohltätern zählten der Ritter Jörg von Zeyern, Amtmann von Wallenfels und dessen Ehefrau Anna. Reliefs innerhalb und außerhalb der Kapelle erinnern an die Stifterfamilie. Die Verwaltung der Einrichtung lag in den Händen des Spitalmeisters. Zu diesem Amt sollten qualifizierte Personen angenommen werden, "die nicht halsstarrige, eigensinnige Köpff ..., sondern gottsfurchtige erbare Leutt, die eines guten Ansehens, beradtlichen Verstands und nicht eigennützig sindt, auch ... nicht mit großen Schulden beladen und selbsten unordentliche Haushaltung führen" und Kenntnisse im Feldbau besitzen.

Der Spitalvogt war verantwortlich für die Beaufsichtigung und Leitung des Hauswesens und des ausgedehnten Ökonomiebetriebes. Ihm war auch das Dienstpersonal unterstellt. Zu diesem gehörten ein Bauknecht, dessen Gehilfe, ein Hausknecht, eine Köchin, zwei Viehmägde und ein Kuhhirt. Zudem erfüllten städtische und fürstbischöfliche Angestellte Aufgaben für das Spital wie etwa der Stadtschreiber, der Schmied, der Bader, der Förster, der Schweinehirt oder der Oberstadtknecht. Erst unter bayerischer Regierung 1804/05 wurden die Beschäftigten verringert.

Von mehreren Unglücken heimgesucht

Die Zahl der aufzunehmenden Bewohner stieg bis 1515 auf zwölf an und blieb jahrhundertelang konstant. Nach der Spitalordnung hatten sich die Insassen unter anderem mit den vom Spitalmeister beschafften und von der Köchin angerichteten Speisen zu begnügen. Mittwochmorgens war Kloßtag.

Außer bei Krankheit hatten die Pfründner die spitaleigenen Felder und Waldungen mit zu beaufsichtigen und bei der Ernte sowie bei der Hausarbeit mitzuhelfen. Die Aufnahme war zeitlebens, konnte jedoch bei ungebührlichem Verhalten widerrufen werden.

Während der ersten Jahrhunderte seines Bestandes wurde das Spital mehrmals von Unglücken heimgesucht. So verursachten unter anderem Überschwemmungen in den Jahren 1572 und 1655 große Schäden. Die tiefsten Wunden schlug jedoch der Dreißigjährige Krieg, als die Gebäude 1634 niederbrannten. Von 1644 bis 1645 wurde das Spital aus Mitteln der Stiftung wieder aufgebaut.

Rege Bautätigkeit herrschte Anfang des 18. Jahrhunderts. Aufgrund gewachsener Bedürfnisse wurde von 1715 bis 1718 nach Plänen des bambergischen Hofbaumeisters Johann Dientzenhofer ein neues Spital errichtet. Die Kirche erhielt eine barocke Ausstattung. Die Umbauten fanden während der Regentschaft von Lothar Franz von Schönborn statt, dessen Wappen an der südlichen Fassade angebracht wurde.

Unterkunft in der der Flüchtlingskrise

Im Jahr 1821 erbaute man westlich des Spitals eine Wohltätigkeitsanstalt zur Unterbringung kranker Dienstboten und Handwerksgesellen. Auch Angehörige von Post und Bahn sowie der Gendarmerie nahm man später auf. Nach der Schließung des Krankenhauses 1954 wurde das Gebäude dem Bürgerspital angegliedert. Zwischen 1988 und 1991 erfolgte eine umfassende Sanierung des gesamten Gebäudekomplexes.

Zur Betreuung der Spitalbewohner waren seit 1882 Niederbronner Schwestern aus dem Provinzmutterhaus Neumarkt eingesetzt, 2005 übernahm der Caritasverband des Landkreises Kronach diese Aufgabe. Im März 2014 wurde das Senioren- und Pflegeheim im Bürgerspital geschlossen. Im Zuge der Flüchtlingskrise ab 2015 dienten die Gebäude von Mai 2015 bis Dezember 2017 als Unterkunft für minderjährige Geflüchtete.

Auch heute noch ist das Bürgerspital St. Anna eine durch die Stadt Kronach verwaltete Stiftung.

Anja Weigelt M.A., Stadtarchiv Kronach