Der Ärger der Händler hat sich im September entladen. Auf grüner Wiese vor dem Reichstagsgebäude in Berlin hat der Bund des Selbstständigen in Bayern eine Sammlung von neun Monaten Zettelwirtschaft in Kartons verpackt und sie demonstrativ als Mauer der Bürokratie hochgezogen. Wahrscheinlich findet sich in Deutschland keine Bäckerei, die die Entscheidung zur sogenannten Belegausgabepflicht seit Januar gutheißen würde. Ganz im Gegenteil, sagen auch die Kronacher Betriebe. Das Gesetz gehöre schleunigst wieder auf den Müllhaufen verfehlter Finanzpolitik.

Zu Jahresbeginn stand noch ein kleines Körbchen für die Kassenzettel in der Kronacher Filiale des Mitwitzers Sebastian Zeis. Doch die hat man mittlerweile abgeschafft, erzählt er am Telefon. Die Zettel bleiben liegen und nach ein paar Kunden landen sie direkt unter der Theke im Mülleimer. "Wenn unsere Kunden tatsächlich einen Kassenzettel wollten, haben sie den auch schon vor dem Gesetz bekommen", sagt der Inhaber von Sebastians Backzauber. Alle relevanten Daten werden in der Kasse gespeichert und ausgelesen. Niemand will ein Thermopapier wegen drei Brötchen.

Wichtig aus gesetzlicher Perspektive: In Deutschland besteht, anders als in Italien, keine Bonmitnahme-, sondern nur eine Ausgabepflicht. Das heißt, dass kein Kunde seinen Beleg mitnehmen muss. Aber die Händler, zu denen natürlich nicht nur Bäcker zählen, müssen die Bons drucken. Dabei sind die Preise in der Bäckerei allerdings vergleichsweise niedrig.

Unmengen Thermopapier

Auch bei den anderen Bäckereien in der Region ist das Stimmungsbild klar. Ursula Möckel von der gleichnamigen Fischbacher Bäckerei sagt: "Man weiß wirklich nicht, was das bringen soll." Außer eine Menge Thermopapier, das unter anderem bereits der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) kritisiert hat. Viele Zettel enthalten die schädliche Chemikalie Bisphenol und landen nicht, wie der Name eigentlich sagen sollte, im Papiermüll, sondern im Gelben Sack - denken viele. Aber auch das ist falsch. Thermopapier ist Restmüll. Und Vorsicht: Wird es im Ofen verbrannt, können die giftigen Stoffe in die Luft gelanden. Der BUND warnt davor.

In Carsten Löfflers Bäckerei in Tettau passiert das Abräumen meistens automatisch, "nach etwa zehn Kunden", überschlägt er. Dann werden die Kassenzettel von der Ladentheke eingesammelt und verschwinden direkt im Mülleimer. Doch im Fall der Bäckerei Löffler hat sich immerhin nichts geändert. "Wir haben eh immer gedruckt", sagt er.

Es besteht grundsätzlich die Möglichkeit, sich von der Belegausgabepflicht befreien zu lassen. Die Bäckerinnung hat versucht, die ganze Branche zu befreien - allerdings ergebnislos. Auf Nachfrage des FT antwortet das Bayerische Finanzministerium in München.

Wie viele Händler haben sich tatsächlich von der leidigen Pflicht befreit? Anhand der Paragrafen erklärt eine Ministeriumssprecherin die trockenen Fakten. Belegausgabe schützt vor technischer Manipulation der Kasse. In Einzelfällen, "aus Zumutbarkeitsgründen", können sich Händler von der Pflicht befreien lassen. Doch wie viele Anträge im Finanzamt gestellt wurden und wie viele das Amt schließlich anerkannt hat, dazu gibt es keine Statistik.

Keine Befreiungen

Der Landesinnungsmeister des bayerischen Bäckerhandwerks kennt einen Fall, also genau einen: "Soweit ich weiß hat es einen einzigen Fall gegeben, bei dem die Ausgabepflicht anfangs zurückgenommen wurde, ich weiß aber leider nicht, ob dies immer noch Bestand hat. Aus dem Landkreis Kronach sind uns keine Fälle bekannt", antwortet Heinrich Traublinger auf Anfrage des FT. Die Innung vertritt weiterhin eine klare Position, die sich bislang nicht durchsetzen lässt. Traublinger fordert eine Ausgabepflicht ab 15 Euro.

Doch es gibt tatsächlich eine Möglichkeit, um die Zettelwirtschaft zu beseitigen. Viele wissen nicht, dass die Bonausgabe nicht zwangsweise in Papierform sein muss. Es geht auch digital. Peter Müller, Betriebsleiter des Backhauses Müller aus Stockheim, hat für seine 13 Filialen in drei Landkreisen eine technische Lösung gefunden, den digitalen Bon. Er nutzt sogenannte "Vectron-Kassen". Das funktioniert so: Wer will, kann auf dem Kundendisplay einen QR-Code abscannen und erhält damit die Quittung direkt aufs Handy. Nur auf Wunsch wird eine Papierquittung ausgestellt. Nach ein paar Sekunden verschwindet der Code wieder und der nächste Kunde ist dran. Alles rechtens.

Peter Müller erklärt, dass sich das auch rechnet, zumindest dass die monatlichen 15 Euro Nutzungsgebühr pro Kasse nicht die Ausgaben für Thermopapier übersteigt. "So erfüllen wir die Auflagen und haben keine Kassenbons mehr."