Venedig, Verona, Mantua, Kronach: Zurücklehnen, genießen und auch ein wenig von Italien träumen: Schon bei den strahlend schönen ersten Klängen aus der Feder von Andrea Gabrieli wird sich der ein oder andere Zuhörer vorgestellt haben, wie wunderbar dieses musikalische Glaubensbekenntnis wohl im Markusdom und in den anderen Gotteshäusern in Oberitalien Ende Oktober geklungen haben muss. Nach seiner sehr erfolgreichen Konzertreise nach Italien wiederholte der Posaunenchor der Christuskirche zu Kronach am Samstagabend das gleiche Programm in der Kronacher Stadtpfarrkirche - zur Freude der vielen begeisterten Gäste!

Der Leiter des Posaunenchors, Dekanatskantor Marius Popp, erzählte vom blauen Himmel Italiens und strahlenden Sonnenschein. So konnte man es vor seinem geistigen Auge förmlich vor sich sehen: durch die Fenster dringende Lichtstrahlen, die die Basiliken in ein warmes Licht tauchen. Dazu das feierliche Spiel der Blechblasinstrumente mit ihrem unvergleichlichen majestätischen Klang - wahrlich zum Träumen schön!


Festliche Musik

Solche festliche Musik erklang nun auch in der Stadtpfarrkirche. Das katholische Gotteshaus wählte man deshalb aus, weil - so Dekanin Dorothea Richter in ihrer Begrüßung - bei so vielen Bläsern die Klangwolken in der Stadtpfarrkirche anders seien als in der kleinen Christuskirche. Eine gute Entscheidung! Ausgewogen, harmonisch, emotional: Die anmutig klangvollen Töne des "Ottoni di Kronach" schwebten vom Altarraum nur so durch das Kirchenschiff - und das Publikum hörte wie gebannt zu, mit geschlossenen Augen, in sich versunken, losgelöst. Die Menschen ruhten aus von der Hektik des Alltags und spürten sich selbst - bei absoluter Stille! Weich perlendes Spiel, aber auch satte Dynamik - über welche Klangvielfalt verfügt doch so ein schlichter Posaunenchor, wenn er auf eher "unspektakuläre", dafür aber umso eindringlichere und berührende Art und Weise das Wort Gotte verkündet?!


Zu wenig Beratung

Regionaldekan Thomas Teuchgräber bedankte sich beim Posaunenchor - mit Verstärkung von Bläsern aus dem Münchener und Nürnberger Raum - für die Ausrichtung des Benefizkonzerts. Mit den Spenden unterstütze man Menschen, die unter großen Schwierigkeiten aus ihrer Heimat geflohen seien und nun in Deutschland Schutz suchten.

Seinen Worten schloss sich die Dekanin an, die von insgesamt 140 im Landkreis untergebrachten Flüchtlingen berichtete - 40 in der Gemeinschaftunterkunft, die anderen verteilt in verschiedenen Ortschaften. Der Diakonie ständen für die Beratung dieser Menschen gerade einmal 18 Wochenstunden zur Verfügung - bei einer solchen Anzahl an Flüchtlingen viel zu wenig! Die Staatsregierung übernehme lediglich 70 Prozent der Personalkosten. Die übrigen 30 Prozent und die gesamten Sachkosten müssten die entsprechenden Wohlfahrtsverbände selbst zahlen, prangerte sie an. Sie hoffte, dass bei der - in der nächsten Woche stattfindenden - Landessynode mehr Stellen und Stunden für die Beratung zur Verfügung gestellt würden. Dankbar war sie allen Ehrenamtlichen, die den Flüchtlingen zur Seite ständen. In diesem Zusammenhang verwies sie auf den Gebrauchtwarenmarkt der Diakonie in der Kronacher Blumau, der Sachspenden entgegennehme, die an Flüchtlinge ohne Gebühr abgegeben würden. Insbesondere würden Kinderbetten benötigt. Die katholische Pfarrgemeinde errichte ihrerseits eine Flüchtlingswohnung in der Nikolaussiedlung. Die Erlöse des Konzerts teile man deshalb zwischen der katholischen Pfarrgemeinde und dem Diakonischen Werk im Landkreis.

Zum Klingen kamen in Kronach - wie auch in Italien - Musikaufführungen aus dem 16. bis ins 19. Jahrhundert - von der Renaissance bis in die hohe Romantik. Dabei waren insbesondere Tonschöpfungen italienischer und deutscher Komponisten zu hören - so unter anderem Antonio Vivaldi, Andrea Gabrieli, Emilio de Cavalieri, Giuseppe Verdi, Georg Philipp Telemann, Johann Sebastian Bach oder Felix Mendelssohn Bartholdi.


Beeindruckende Konzertreise

Für den europäischen Gedanken bereicherte man das Programm auch mit Werken von norwegischen und russischen Komponisten. So erklang eine Stückauswahl, die man nicht "alle Tage" zu hören bekommt. Der Dekanatskantor berichtete von einer sehr beeindruckenden Konzertreise mit vielen begeisterten Reaktionen, stehenden Ovationen und Beifall ohne Ende. Das Highlight sei das Konzert im Markusdom gewesen, wo sonst nur große Gruppen beziehungsweise Chöre und ganz selten kleine Ensembles auftreten.

Auch bei den Benefizkonzerten in Verona und Mantua sei man sehr herzlich empfangen worden. Besonders berührend sei das Konzert in Verona für die Gesellschafft "AOI Onlus" - zugunsten Kehlkopf-Krebskranker und -Verstümmelter gewesen, wo auch Erkrankte aus ihrem Leben und von ihrer Arbeit erzählten. In Italien gebe es fast keine Benefizkonzerte. Man habe der Gesellschaft eine Plattform geboten, um ihre Arbeit öffentlich zu präsentieren.

Auch das Kronacher Publikum ließ sich berühren von der herrlichen Musik. Lang anhaltender Beifall war der Dank für ein anspruchsvolles Bläserkonzert voller Spielfreude. Die letzten Klänge der Zugabe verklangen und hüllten die Zuhörer auf dem Weg aus der Kirche immer noch in einen besonderen Zauber und ließ sie weiterträumen - von Italien!