Bis vor etwa 40 Jahren gab es nur eine schwarze Tonne - für Papier-, Rest- und Plastikmüll. "Das Ziel war es, alles zu sammeln, dass nichts in die unerwünschte Entsorgung geht", sagt Susanne Knauer-Marx, die seit 1990 als Sachgebietsleiterin für Abfallwirtschaft im Landratsamt Kronach tätig ist. Bis die Mülltrennung so praktiziert wurde, wie es heute üblich ist, dauerte es bis ins Jahr 2000.

In den 80er Jahren wurden zunächst Glascontainer eingeführt, wenige Jahre später die Papiertonne. "Anfang der 90er war der Landkreis flächendeckend mit Papiertonnen ausgestattet", erinnert sich Knauer-Marx. Die Einführung der Gelben Tonne startete mit einem Pilotprojekt: "Zunächst gab es einen roten Sack für Folien, einen blauen Sack für Kunststoffflaschen und einen gelben Sack für Verpackungen wie Tetra-Packs." 1992 entschied der Zweckverband für Abfallwirtschaft Nordwest-Oberfranken, der für die Gebiete Coburg, Kronach und Lichtenfels zuständig ist, den blauen und den roten Sack abzuschaffen. Bis es eine Gelbe Tonne gab, vergingen weitere acht Jahre.

Die Biotonne gibt es seit 2015

Um den Müll noch spezifischer zu trennen und zu recyceln, wurden in den 90er Jahren parallel Doseniglus, Kompostplätze und Wertstoffhöfe eingeführt. "Bei den Doseniglus handelt es sich eigentlich nur um eine Ergänzung des Gelben Sackes für die, die Platz sparen wollen", sagt Knauer-Marx. "Auf den Kompostplätzen wird das ganze Grünzeug gesammelt."

Zusätzlich zu den Kompostplätzen wurde 2015 per Gesetz die Biotonne eingeführt. "Man musste sich Gedanken darüber machen, wie man Biomüll, der über Grüngut hinausgeht, verwertet", berichtet Knauer-Marx. Darunter fallen unter anderem Essensreste und Verschimmeltes. "Die Biotonne ist besser geeignet, weil die Reste auf dem Kompost Ratten anlocken könnten."

Der Landkreis Kronach hat sich gegen eine Biomüllsammlung und für ein Bringsystem entschieden. "Wir hätten unter anderem einen Verwertungsweg finden und Sammelbehälter anschaffen müssen", räumt Knauer-Marx ein. Weil die Menge des Biomülls im Kronacher Landkreis nicht so hoch ist, wie beispielsweise die im Bamberger Stadtkern, hätte sich der Kostenaufwand in der Höhe von 750 000 Euro für die Ersteinführung nicht gelohnt. "Wer seinen Biomüll abgeben möchte, kann dies im Wertstoffhof tun." Ein ähnliches System gibt es für den Problemmüll. "Jeden Dienstag können Farbreste und dergleichen abwechselnd in den Gemeinden abgegeben werden."

Gesetzliche Ungereimtheiten

Was in die Papiertonne gehört, ist klar definiert. Was den Gelben Sack, beziehungsweise die Gelbe Tonne, betrifft, hat selbst Knauer-Marx für so manche Regelung kein Verständnis. Generell gehören ausschließlich Verpackungen in die Gelbe Tonne und den Gelben Sack. "Wenn ein Kleiderbügel zum Transportieren eines neu gekauften Anzugs verwendet wird, darf er im Gelben Sack entsorgt werden, wenn er im Zehnerpack gekauft wird, dann nicht", wundert sich die Weißenbrunnerin über die Vorschrift.

Wenn der Müll eingesammelt ist, wird er recycelt. "Das Papier wird nach Blumenrod gebracht, dort ohne Sortierung verwogen und anschließend mit Containerzügen in die Papierfabrik gebracht", beschreibt Knauer-Marx das Vorgehen. Die nächste Papierfabrik befindet sich in Eltmann. Für das Papier bekommt der Landkreis dann Geld, das wiederum den Müllgebühren zugute kommt.

Die Wiederverwertung von Glasmüll ist genauso unproblematisch. "Weil das Glas bereits nach Farben sortiert ist, muss es eigentlich nur in eine Fabrik gebracht werden, die Altglas aufbereitet", sagt Knauer-Marx. Dort wird es dann eingeschmolzen und zu Flaschen gegossen. Obwohl der Kronacher Landkreis mit der Firma Wiegand Glas ein Unternehmen vor Ort hat, das Altglas verwertet, muss das Glas, das in der Region entsorgt wird, nicht zwingend dort landen. "Das Glas kann wegen eines dualen Verpackungssammlungssystems auch nach Ingolstadt gebracht werden."

So wird der Müll recycelt

Während der Inhalt der Doseniglus über den Schrotthändler letztendlich ins Stahlwerk im Rheinland gelangt, wird der Restmüll aus der Grauen Tonne verbrannt. In den 80ern wurde in Neuses bei Coburg ein Müllheizkraftwerk gebaut, in dem der Müll aus dem gesamten Gebiet Coburg, Kronach und Lichtenfels bei 1000 Grad verbrannt wird. "Jährlich kommen 130 000 Tonnen Müll zusammen, aus deren Verbrennung Strom und Fernwärme gewonnen werden", beschreibt Knauer-Marx den Prozess.

Aus dem Kompost wird zwar keine Energie gewonnen, dafür wird er zu Rohkompost verarbeitet. "Das Grüngut wird angeliefert, dann gehäckselt und es zersetzt sich nach und nach", erklärt Knauer-Marx. Danach könne es unter anderem auf den Feldern ausgebracht oder mit Erde gemischt und so zur Blumenerde verarbeitet werden. Der Müll, der auf den Wertstoffhof gebracht wird, wird aufgeteilt und entsprechend entsorgt. "Es ist Wahnsinn, wie viele Elektrogeräte entsorgt werden", findet Knauer-Marx. Ihrer Ansicht nach müssten Reparaturen rentabler werden. Für die Verwertung alter Elektrogeräte komme letztendlich der Hersteller auf.

Was im Gelben Sack und der Gelben Tonne gesammelt wird, wird etwa zur Hälfte energetisch verwendet. "Der Kunststoffmüll wird in die Sortierungsanlage nach Rehau gebracht und dort in vier Fraktionen sortiert. Je nachdem, wie gut verwertbar die Kunststoffe sind, werden diese anschließend beispielsweise zu Kunststoffgranulat weiterverarbeitet. "Das Granulat wird unter anderem für die Produktion von Mülltonnen verwendet."

Knapp die Hälfte wird zu Granulat

Laut dem Umweltbundesamt konnten 50,6 Prozent im Jahr 2015 des Verpackungsmülls nicht verarbeitet werden. "Dieser Teil wird in Verbrennungsanlagen als Ersatzbrennstoff verwendet", sagt Knauer-Marx. Der Anteil des Verpackungsmülls, der weiterverarbeitet wird, liegt bei 48,8 Prozent. Die verbleibenden 0,6 Prozent werden auf Mülldeponien oder Müllheizkraftwerke gebracht.

Papiermüll

Leerung: Alle vier Wochen

Inhalt: Unter anderem Arzneimittelschachteln, Blumenpapier, Briefumschläge, Bücher, Eierkartons, Geschenkpapier, Handzettel, Kataloge, Prospekte, Müslischachteln, Obstkartons, Papiertüten, Pappe, Schokoladenpapier, Schuhkartons, Verpackungen aus Papier und Pappe, Versandkartons, Zeitschriften, Zeitungen und Zigarettenschachteln

Masse: 4898 Tonnen Papiermüll wurden 2018 im Landkreis gesammelt.

Verpackungsmüll

Leerung: Alle vier Wochen

Inhalt: Unter anderem Aludeckel, -folien, Bonbontüten, Cremedosen (Plastik, Alu), Eisverpackungen (Plastik), leere Farbeimer (Plastik oder Weißblech), Getränkedosen, Joghurtbecher, Kaffeevakuumverpackungen, Konservendosen, Kronkorken, Kunststoffflaschen, Margarinebecher, Milch- und Saftkartons, Obst- und Gemüsenetze, Spraydosen (leer), Styroporverpackungen, Tierfutterdosen und Zahnpastatuben

Masse: 1692 Tonnen Verpackungsmüll wurden 2018 im Landkreis gesammelt.

Restmüll

Leerung: Alle zwei Wochen

Inhalt: Unter anderem Asche, Dekorationsartikel, Einwegrasierer, Glühbirnen, Hundekot, Kleintierstreu, Hygieneartikel, Kinderspielzeug (klein), Lumpen, verschmutztes Papier, Papiertaschentücher, Putztücher, Kehricht, kaputte Schuhe, Speisereste, Staubsaugerbeutel, Tapete, Gummi, Wegwerfwindeln und Zigarettenkippen

Masse: 12 157 Tonnen Restmüll wurden 2018 im Landkreis gesammelt.