Mit einem gewissen Stolz zeigt der 51-jährige Unternehmer Siegfried Ebert seine Mühle, die er in 17. Generation führt. Er setzt ausschließlich auf die Verarbeitung von Bio getreide wie Weizen, Roggen etc. Beliefert werden unter anderem Bio-Bäckereien. Für ihn haben seit jeher die Wertschöpfung und die Umwelt eine besondere Bedeutung. Und nun will Ebert nicht zuletzt wegen der Umwelt, aber auch wegen der immens steigenden Energiekosten einen Teil seines benötigten Stroms für die Mühle und für sein Privathaus erzeugen.

Bereits seit Anfang April ist seine 37-Kilowatt-Peak (kWp)-Anlage betriebsbereit. Er wäre technisch in der Lage, einen Teil seiner 250 000 Kilowattstunden Strom, die er pro Jahr für seinen Betrieb und sein Haus braucht, selbst zu erzeugen - und das alles CO 2 -neutral.


30 Prozent des Stroms fürs Netz



Rund 30 Prozent des erzeugten Stroms könnte er in das Netz einspeisen. Aber: Bis dato schaffte es die Eon seinen Schilderungen nach nicht, den erforderlichen Stromzähler anzubringen. Auf Schreiben wurde nur vage mit dem Hinweis reagiert, die Mitarbeiter schafften es auf Grund der immensen Auftragslage nicht. Einem Bekannten sei mitgeteilt worden, dass es keinen Sinn mache, da nachzuhaken; die eingehenden Anträge würden sukzessive abgearbeitet, hieß es.

Langsam versteht der "Müller" die Welt nicht mehr.
Die Politik propagiere "weg von der zentralen - hin zu der dezentralen Energieversorgung". Investiere man dann in erneuerbare Energien, müsse man anscheinend monatelang warten, bis man seinen eigenen Strom produzieren dürfe und die überschüssige Energie ins Netz einspeisen könne.


Einsparungen ersichtlich



Obwohl Siegfried Ebert seine Photovoltaikanlage fremdfinanziert hat, obwohl sie nicht gen Süden, sondern in Ost-West-Richtung installiert wurde, spricht er von Kosteneinsparungen, sobald sein Zähler angebracht ist und seine Anlage in Betrieb gehen kann. Schon jetzt seien die Raten für Zins und Tilgung nicht höher als der monatliche Stromabschlag.

70 Prozent seiner eigenproduzierten Energie benötigt er seinen Berechnungen zufolge für seinen Betrieb und für seinen Eigenbedarf. Seine Getreidemühle, so erzählt er, sei dann in Betrieb, wenn die Sonne scheine. Also könne er die so genannten Spitzen nutzen. Nachts dagegen, wenn die Energieversorgung auf Grund fehlender Sonneneinstrahlungen gefährdet sei, arbeite die Mühle nur selten.

Er könne nur jedem raten, über seine eigene Stromversorgung nachzudenken, denn die Preisspirale werde sich immer mehr nach oben schrauben.


Zahlt der "kleine Mann" die Zeche?



Die Energiewende werde auf dem Rücken der Mittelständler, Kleinunternehmer und Privatleute ausgetragen. Was bei der Großindustrie eingespart werde, werde diesem Klientel aufgeschlagen.

Im Detail: Die Erhöhung der Umlage für jene Kosten, die durch die höheren Herstellungspreise für Ökostrom entstehen werden - das garantiert das Erneuerbare-Energiengesetz (EEG) - werden auf die Stromkunden umgelegt. Noch sind es 3,6 Cent pro Kilowattstunde, im nächsten Jahre werden es 5,28 Cent sein. Für einen Normalkunden macht das 50 Euro aus. Für ihn als Kleinunternehmer mit einem relativ hohen Energieverbrauch schlägt dies mit Mehrkosten in Höhe von 5000 Euro pro Jahr zu Buche.


Wer ist der Dumme?



Die Dummen seien also der Normalverbraucher und die Unternehmer, glaubt Ebert. Er habe den Eindruck, dass die Konzerne bewusst viele Antragsteller warten lassen. "Vielleicht wollen diese die Energiewende gar nicht, damit ihre Gewinne nicht einbrechen", mutmaßt er.

"So ist es nicht!", wehrt die Pressesprecherin der Eon Bayreuth, Esther Kremeyer-Pereira, auf Anfrage ab. Sie spricht von einer immensen Flut von Anträgen. Bis dato seien in Bayern schon 200 000 Photovoltaikanlagen im Betrieb. Täglich kämen neue hinzu. Die Aufträge würden sukzessive abgearbeitet.

Die Pressesprecherin wies darauf hin, dass so ein Anschluss auch eine gewisse Zeit benötige; beispielsweise müsse die Netzverträglichkeit geprüft werden. Zwecks des Anschlusses von Siegfried Ebert ist sie aber zuversichtlich: "Da wird in den nächsten Tagen etwas passieren."