Wie von der Tarantel gestochen rennt "Gendarma" Leon dem "Bettelfraala" Lorenz hinterher. Die arme Frau versucht gerade, beim Ehepaar Johanna und Rudolf Kotschenreuther Geld für sich und ihre elf Kinder zu erbetteln. Der Gesetzeshüter eilt dem Fraala ins Wohnhaus hinterher und hat sie kurze Zeit später auch schon am Schlafittchen.

"Du wasst doch genau, des bejdln nier erlaubt is", schreit er das Fraala an, als er es nach draußen abführt. "Souch, wie's da hasst und wenn da geborn bist", schnauzt er sie an. Doch die duckst herum und versucht es zunächst einmal mit der Mitleidstour. "Elf Kinne hou ich und kann Moo, des is fei nier leicht", sagt sie mit piepsiger Stimme.


Prügel für Gesetzeshüter

Als sich der Gendarma davon nicht erweichen lässt, greift sie zu den Waffen einer Frau: Einem strahlenden Lächeln, einem koketten Augenaufschlag und auch ihre durchaus stattliche Oberweite wird in Form gebracht. "Ich koo fei dein Moo verstier, des er ve dich fodda is", gibt sich der Gendarma unbeeindruckt. "Du glaabst wuol, weil du a Uniform ohost, kost da dich alles erlaub?", keift sie ihn an. "Des ist Beamtenbeleidigung", wütet dieser zurück. "Ich hou nix mehr zu verliern", reißt sie sich plötzlich los, schlägt auf den Gesetzeshüter ein und wirft ihn zu Boden. Bevor er sich wieder aufrafft, ist sie schon auf und davon und sucht im nächsten Haus Unterschlupf. Er hinterher und das Ganze beginnt von vorn.

In Verbindung mit dem Pfeffern gibt es in Neufang an Silvester noch eine Tradition, nämlich "Bettelfraala und Gendarma". An dem Tag kommen die jungen Leute nochmals zusammen. Dann wird ausgemacht, welche zwei Kerle sich für diesen Brauch zur Verfügung stellen.


Betteln für den Pfeffertanz

Einer schlüpft in die Rolle einer "Zigeunerin". Sie ist das "Bettelfraala", das einen großen Korb zum Betteln bekommt. Der andere ist der "Gendarma", der diese, kraft seines Amtes, vom Betteln abhalten möchte. Auch hier geht es von Haus zu Haus, jedoch nur im Neufanger Ortskern. Der Besuch läuft dabei immer gleich ab. Das Bettelfraala geht in ein Haus, um zu betteln - natürlich nicht für ihre elf Kinder, sondern für den immer Mitte Januar im Feststoudl stattfindenden Pfeffertanz.

Der Gendarma geht ins Nachbarhaus, um die Bettlerin dort zu suchen. In den Häusern bekommen die Beiden nicht nur eine Spende für den Tanz, sondern oftmals auch Getränke und etwas zu Essen.

Im dritten Haus stoßen die Beiden aufeinander und es erfolgt die Festnahme. Danach führt er sie vors Haus, wo die Schaulustigen zunächst Zeuge eines lustigen verbalen Duells werden, bevor dann schärfere Geschütze aufgefahren werden.

Wie lange es den Brauch in Neufang schon gibt, ist den vielen Zuschauern nicht genau bekannt. "Zum Pfeffern gehörte schon immer auch 'Bettelfraala und Gendarma' dazu. Beides gibt es mit Sicherheit schon seit dem Krieg, wahrscheinlich sogar schon vorher. Vermutlich wird man damit in den Kriegsjahren pausiert haben", sagt Eugen Kotschenreuther "Zu meiner Zeit lag immer mehr Schnee. Da hat es dem Gendarma nicht so weh getan, wenn er hingeworfen wurde", sagt er.


Die Bedeutung ist nicht bekannt

Welche Bedeutung hinter "Bettelfraala und Gendarma" steckt, weiß aber auch er nicht. "Das gab es schon immer und die Nächsten haben es gemacht, weil es die vor ihnen auch gemacht haben", meint Johanna Kotschenreuther, deren Sohn Lorenz das Bettelfraala mimt.

Ausgesucht hat er sich diese Rolle nicht. Ebenso wenig wie Leon sein Amt als Gendarma. "Weil sich kein Freiwilliger fand, haben wir gelost", sagt Lorenz. Für seine Rolle wurde ihm eine dicke Portion Schminke verpasst, schicke Frauenklamotten und natürlich auch weibliche Reize.