Ute Fischer-Petersohn kann wieder lachen. Für den Karibu-Weltladen, in dem sie als eine von zwei hauptamtlich Beschäftigten arbeitet, geht es wieder bergauf.
Im April vergangenen Jahres sah das noch anders aus. "Der Weltladen ist in seiner Existenz bedroht", lautete damals die Überschrift eines Artikels in unserer Zeitung. Der Weltladen steckte in den roten Zahlen, die Kunden blieben unter anderem wegen einer Dauerbaustelle direkt vor der Tür fern. Im November entschloss sich das Team dann zum Umzug von der Adolf-Kolping-Straße in die Rosenau - das war sozusagen die letzte Chance, die man für den Laden sah.
"Wir haben Kassensturz gemacht, und es entwickelt sich recht positiv. Wir sind raus aus den roten Zahlen", sagt Ute Fischer-Petersohn heute, ein halbes Jahr später. Als Grund dafür nennt sie zum einen den Umzug an den neuen, zentraler liegenden Standort, an dem viel mehr Laufkundschaft vorbeikomme, ebenso wie einige Touristen. "Wenn man weiß, dass jemand für seine Arbeit fair bezahlt worden ist, schätzt man das, was man kauft auch ganz anders. Das liegt natürlich nicht am neuen Standort. Aber die Leute werden an diesem Standort besser darauf aufmerksam, dass es überhaupt faire Produkte in Kronach zu kaufen gibt - und vor allem welche." Zum anderen nennt Fischer-Petersohn als Grund die Erweiterung des Sortiments im Bereich Kunsthandwerk, bei dem die Gewinnspanne größer sei. Zudem hat der Karibu-Weltladen nun auch Kleidung im Sortiment - fair produziert und gehandelt, wie die Philosophie des Weltladens eben ist: Da gibt es T-Shirts und Kleider genauso wie bunte Röcke. "Hierfür werden Restposten aus der Markenindustrie wieder verwendet, womit also auch der Nachhaltigkeitsfaktor erfüllt ist", sagt Fischer-Petersohn.
Besonders gut angenommen würden am neuen Standort vor allem die so genannten Fair-Mail-Karten: Die Fotos auf den Grußkarten werden von sozial benachteiligten Jugendlichen in Indien und Peru aufgenommen. Die Jugendlichen erhalten 50 Prozent des Gewinns vom Verkauf ihrer Karten, um ihre Ausbildung zu finanzieren. "Die Leute produzieren die Sachen gerne, weil sie fair dafür bezahlt werden - und das merkt man auch hier in dem Laden - wohl auch die Kunden", freut sich Fischer-Petersohn über den Aufwärtstrend.

Gedanke wächst weiter


Der Aufwand und die finanzielle sowie zeitliche Investition in den neuen Laden habe sich also rentiert, lautet ihr Fazit. "Es macht tierisch Spaß", sagt sie - auch das Team sei durch den Erfolg wieder motivierter. Zusätzlich habe man sogar einige ehrenamtliche Mitarbeiter gewonnen.
Und aus all dem heraus ist der faire Gedanke weiter gewachsen: Kronach soll faire Stadt werden lautet das Ziel einiger Kronacher, die sich in einer so genannten Steuerungsgruppe zusammenfinden (sie erklären unten, warum sie sich für eine faire Stadt stark machen). Die Idee dazu hat Elisabeth Hoffmann, die auch im Trägerverein des Karibu-Weltladens ist, nach Kronach gebracht. Die Kreisstadt hätte als faire Stadt dann eine Vorbildfunktion - gerade wenn es um Themen wie das Bekämpfen von Kinderarbeit, Armut und Ausbeutung oder um gerechten Lohn und gerechte Arbeitsbedingungen gehe. Zudem könne dieser Titel zu einem "Bewusstwerdensprozess" beitragen, "dass jeder Konsument seinen Beitrag leisten kann", erklärt Hoffmann.
Und dieser Prozess scheint ja immerhin schon im Gang zu sein, wenn man sich die Entwicklung des Weltladens anschaut.

So wird Kronach zur fairen Stadt


Ziel Faire Stadt zu werden, bedeutet ein konkretes Zeichen für eine gerechtere Welt zu setzen. Menschen kommen zusammen, tauschen sich aus und arbeiten daran, dass der Faire Handel bekannter wird.

Kriterien Kriterien, um faire Stadt zu werden, sind unter anderm: Ein Beschluss der Kommune, dass bei allen Sitzungen der Ausschüsse und des Rates sowie im Bürgermeisterbüro Fair-Trade-Kaffee sowie ein weiteres Produkt aus Fairem Handel verwendet wird. Eine lokale Steuerungsgruppe, die die Aktivitäten vor Ort koordiniert.
In den lokalen Einzelhandelsgeschäften werden gesiegelte Produkte aus Fairem Handel angeboten und in Cafés und Restaurants werden Fair-Trade-Produkte ausgeschenkt.
In öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Vereinen und Kirchen werden Fair-Trade-Produkte verwendet, und es werden Bildungsaktivitäten zum Thema "Fairer Handel" durchgeführt.

Ursprung In Großbritannien, Australien und weiteren 21 Ländern gibt es die "Fair-Trade-Towns". Seit Januar 2009 können sich auch Kommunen in Deutschland um den Titel "Fair-Trade-Stadt", "Fairt-Tade-Kreis" oder "Fair-Trade-Gemeinde" bewerben. Über 80 Fair-Trade-Städte gibt es in Deutschland.

Träger Die Kampagne "Fair-Trade-Towns" wird von "TransFair" getragen.

Internet Weitere Informationen gibt es unter www.fairtrade-towns.de.

Kontakt Wer Kronach auf dem Weg zur fairen Stadt unterstützen will kann sich gerne an das Team des Karibu-Weltladens wenden.