Als Stadtrat und Arzt Peter Witton von der Versammlung hörte, schlugen für ihn die Alarmglocken. Vor dem vergangenen Wochenende machte in den Social-Media-Kanälen ein Aufruf die Runde, der in vielen Teilen Deutschlands für Ausnahmesituationen sorgte. So genannte Corona-Rebellen luden auch auf dem Kronacher Marienplatz zu einer Kundgebung ein, auf der sie gegen die Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung der Pandemie protestierten.

Laut Polizeiangaben folgten etwa 100 Menschen dem Aufruf. Thomas Strobel, der Initiator der Kampagne, war zwar am Samstag der Hauptredner, für Nachfragen ist er allerdings nur schwer auszumachen. Die auf dem Demonstrationsaufruf angegebene Chatgruppe der "Corona Rebellen Kronach" ist nicht mehr zu finden.

Aber zurück zu Stadtrat Witton. Der Arzt hat mit einem Transparent den Protest gegen die Maßnahmengegner eingeläutet. Mit einem selbstgebastelten Plakat erschien Peter Witton am Samstag unter den Protestierenden auf der Treppe. Er schreibt: "Populismus schützt nicht gegen vor Corona / Masken + 1,50m Abstand schon / Populistische Fake-News sind gefährlich". Der Grünen-Stadtrat berichtet davon, wie die Demonstranten der "Corona-Rebellen" grotesk die Realität verleugneten. Viele der Teilnehmer seien ohne Mund-Nasen-Schutz erschienen und auch der Mindestabstand sei nicht eingehalten worden. Arzt Witton warnt vor einer Ausweitung der Proteste in Kronach: "Wie sich dieser polemische mit einer Fülle von Falschaussagen gespickte Versuch, die wichtigsten Standbeine der Infektionsverhütung zu untergraben, auswirkt, wird sich an der Zahl der Neuinfektionen zeigen. Ich hoffe, dass sich möglichst viele Menschen als resistent gegenüber einem derartigen Unfug erweisen."

Die Polizei spricht von einer friedlichen Veranstaltung ohne Zwischenfälle. Die Erlaubnis für die Kundgebung kam vom Landratsamt. Pressesprecher Bernd Graf berichtet, dass eine "privilegierte Kundgebung" mit maximal 50 Personen, 1,50 Meter Mindestabstand von maximal 60 Minuten erlaubt gewesen sei. Werdne die Auflagen überschritten, müsse eine Sondergenehmigung beantragt werden, erklärt Pressesprecher Graf. sün