Seit Montagnachmittag ist es offiziell. 13 von insgesamt 20 Schülerinnen und Schülern der privaten Fachoberschule am Rennsteig haben das Fachabitur erreicht.

"Ich freue mich riesig", sagt Schulleiter Hubert Sendl. Und er hat allen Grund, steckte der 65-Jährige doch zusammen mit seinem Team viel Herzblut in die FOS am Rennsteig. Im Frühjahr erklärte er bei einem Gespräch, dass es sein Ziel sei, die Schule erst dann zu verlassen, wenn die staatliche Anerkennung erreicht ist. Und mit diesem Ergebnis ist die Schule auf einem guten Weg dorthin - wenngleich die Zwei-Drittel-Mehrheit, die zweimal in Folge nötig wäre, um die staatliche Anerkennung zu erhalten, wohl nicht ganz erreicht wurde.

Sendls Stimme ist trotzdem Erleichterung zu entnehmen. 13,33 Abiturienten wären bei 20 Teilnehmern die Zwei-Drittel-Mehrheit.
Tatsache aber ist, dass für das Kultusministerin in München die Zahl der Anmeldungen relevant ist, die im Oktober 2014 gemeldet wurden. Und das waren 23. 13 erfolgreiche Prüflinge sind damit nicht die notwendige Zwei-Drittel-Mehrheit.

Doch immerhin, meint Sendl, geht es nun in die richtige Richtung. Hatten im vergangenen Jahr - beim ersten Abiturjahrgang - doch nur fünf von 16 Schülern das Fachabitur bestanden und damit nicht einmal die Hälfte. Ein Schock für Schüler, Eltern, Lehrer und die FOS-Projektgruppe.

Antrag soll gestellt werden

Freude deshalb gestern auch beim FOS-Projektleiter Timo Ehrhardt. "Es ist schön", sagt er. Diese Verbesserung gegenüber dem Vorjahr sei nicht zuletzt auf die Leistungen des Schulleiters und sein Team zurückzuführen. Nahezu täglich habe er in Kontakt mit Hubert Sendl gestanden. Die Projektgruppe, so Ehrhardt, habe seit Bestehen der FOS alles Mögliche getan, um diese Schule zum Erfolg zu führen.

Auch der Unternehmer Nikolaus Wiegand, der zusammen mit dem Unternehmer Carl-August Heinz, den Grundstein für die FOS am Rennsteig mit legte, war erfreut. Das zeige, dass die Schule durchaus ihre Berechtigung habe. Er weist darauf hin, dass weitere Schritte unternommen werden, um diese Bildungseinrichtung dauerhaft zum Erfolg zu führen.

Sendl hofft auf die staatliche Anerkennung im Schuljahr 2016/2017. Nicht ohne Stolz teilte er mit, dass die Kollegen der staatlichen FOS in Coburg - dort wurden die Prüfungen abgenommen - dem Ludwigsstädter Lehrerteam eine gute Vorbereitung für die Prüfungstage attestiert haben. Zudem, so meint Sendl: "Dass eine Zwei-Drittel-Mehrheit für eine staatliche Anerkennung erforderlich ist, steht nirgends!"

Die Verantwortlichen der FOS wollen nun zeitnah einen Antrag stellen, das diesjährige Ergebnis anzuerkennen und hoffen auf die Unterstützung der Politiker. Was die dazu sagen? "Ich bin erfreut über diese Verbesserungen", so Landrat Oswald Marr (SPD). Er findet den Vorstoß der Projektgruppe gerechtfertigt. "Oftmals trennt sich während eines Schuljahres die Spreu vom Weizen!". Für ihn sind dieser Erfolg und die staatliche Anerkennung wichtig, denn nur so kommen auch die notwendigen Anmeldungen zustande, die die Schule zum Überleben brauche. Die finanziellen Aufwendungen seitens des Landkreises sind für ihn vorerst zweitrangig, denn bis zum Schuljahr 2016/2017 hat der Landkreis seine finanzielle Unterstützung gebilligt.

Über Schatten springen

"Die SPD-Fraktion hat viel Herzblut in die FOS investiert", sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Richard Rauh. Das Ergebnis bezeichnete er als eine Verbesserung. "Das Ziel wurde nur knapp verfehlt, deshalb sollte der Freistaat über seinen Schatten springen!" Sollte der Antrag auf staatliche Anerkennung negativ bewertet werden, dann müssten innerhalb der Fraktionen Gespräche zwecks weiterer finanzieller Unterstützung geführt werden.

Anders sieht es der CSU-Fraktionsvorsitzende, Bernd Liebhardt: "Das Ziel wurde nicht erreicht." Er vertritt die Auffassung, dass man sich an gewisse Regeln halten müsse. Bevor man über Maßnahmen nachdenke, sollte eine Analyse gemacht werden. Ähnlich wie in einer Fußballmannschaft, müsste nun auch - nachdem der Wechsel des Schulleiters an der FOS anscheinend nicht ausreichend sei - ein Wechsel der Projektleitung in Betracht gezogen werden.

"Wir können so einen Antrag auf Anerkennung unterstützen, aber ich glaube nicht, dass dieser von Erfolg gekrönt sein wird", meint der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Peter Hänel. Er habe gehofft, dass in diesem Jahr das Ziel erreicht wird, denn die FOS am Rennsteig sei die einzige Chance, im Norden eine weiterführende Schule zu etablieren.

Für Landtagsabgeordneten Jürgen Baumgärtner (CSU) steht fest: "Es wurde zwar einiges verbessert, aber das Ziel wurde nicht erreicht." Möglicherweise sollte über eine Änderung mancher Strukturen nachgedacht werden.
Der Schulleiter der staatlichen FOS in Coburg, Anton Staudigl, spricht von zusätzlicher Arbeit, die die Schule in diesem Jahr hat durchführen müssen. Er betont: "Wir haben an keine Quote gedacht, wir haben geprüft als wenn dies Absolventen unserer Schule gewesen wären!"

Im nächsten Jahr wird laut Staudigl die staatliche Fachoberschule in Kulmbach die Prüfungen abnehmen.