Durch den Stadtturm klingt Marschmusik aus dem Grammophon. Schätzungsweise 110 Jahre dürfte das gute alte Stück alt sein, das noch immer treu seine Dienste verrichtet und die Schallplatten abspielt. Aber auch sonst erinnert die Einrichtung der beiden kleinen "Türmerstuben" hoch über der Stadt Kronach an längst vergangene Zeiten. Der Tisch ist mit wunderschönem Geschirr gedeckt. Im Wasch- und Spülbecken befinden sich große Waschschüsseln, daneben Wasserkannen. An den Wänden hängen Brotschanzen und Backformen, auf dem Boden steht eine Rumpel. Es ist wie eine Reise in die Vergangenheit, zu der "Turmherr" Stefan Wicklein am Freitag eingeladen hatte.

Seit 1992 kümmert sich der Kronacher um den Turm, seit 2009 ist er der Stadttürmer. Im Rahmen der Denkmalwochen teilte Wicklein nicht nur seine beeindruckende Aussicht aus dreißig Metern Höhe über die ganze Stadt mit rund 40 Interessierten, sondern er gab ihnen auch einen informativen Einblick in den spannenden Arbeitsplatz der früheren Stadttürmer. Die Menschen, die das oberste Stockwerk des Turmes im Lauf der Jahrhunderte bewohnten, wachten Tag und Nacht über den Dächern von Kronach. Neben der Feuerwache waren sie aber auch verantwortlich für die Leitung der Stadtkapelle und der Ausbildung deren musikalischen Nachwuchses in Flöten, Klarinetten, Oboen und Flügelhörnern. Weiter zählten das stündliche Signalgeben mit dem Horn und das Läuten der Wein- oder Schlafglocke zu ihren Aufgaben.
Weitere Stationen bei der Führung waren der Pfarr- oder Rosenturm und die südliche Stadtmauer, der Hexen- oder Lehlaubenturm, der Hämel- oder Storchenturm, der Mäuse- oder Schieferturm sowie der Kirchturm St. Johannes, der Täufer.