Die Firmenleitung der ASS-Einrichtungssysteme GmbH in Stockheim fiel gestern aus allen Wolken. Ein anonymes Schreiben mit sehr detaillierten Anschuldigungen wurde an Medien, Gewerkschaft und Behörden gestreut. Es überzog die Firma mit einer heftigen Kritik - einer Kritik, die laut Firmenleitung völlig haltlos ist.
In dem Schreiben werden angeblich unlautere Geschäftspraktiken angemahnt. ASS würde ältere Mitarbeiter mit höherem Krankenstand zu arbeitnehmerseitigen Kündigungen drängen, es gebe Probleme bei der Ausbildungsvergütung, der Bezahlung von Leiharbeitern und der Beschäftigung von ausländischen Arbeitskräften. Schließlich werde bei Kündigungen "keine wirkliche Sozialwahl durchgeführt".

Die Leiterin Marketing und Vertrieb bei ASS, Silke Günther, ist schockiert über die Anschuldigungen, die der anonyme Schreiber gegen das Unternehmen erhebt - und die unserer Zeitung gegenüber bisher von niemandem bestätigt wurden. "Das ist für uns etwas völlig Neues. Da stand nichts im Raum und war auch nichts angekündigt", betonte Silke Günther gestern auf unsere Nachfrage. Seitens der Belegschaft habe es keine Signale für einen Unmut gegenüber der Firma gegeben. Die Unternehmensleitung sei von dem Schriftstück vollkommen überrascht worden.

Nicht nachvollziehbare Kritik

Inhaltlich lassen sich die Äußerungen für sie in keiner Weise nachvollziehen. Die Marketingleiterin spricht von Vermutungen und Behauptungen, die völlig haltlos seien. "Wir bedienen die öffentliche Hand - da wird so oft kontrolliert, da ist alles nachprüfbar", erklärt sie, dass die Firma absolut transparent arbeite. Die Leistungen der Auszubildenden setzten beispielsweise ein deutliches Signal, dass diese bei ASS motivierende Bedingungen vorfinden: "Wir übernehmen 98 Prozent der Auszubildenden. Wir haben Azubis, die in der Zeitung waren, weil sie die besten Abschlüsse gemacht haben." So schlecht könne es dem beruflichen Nachwuchs bei ASS also nicht gehen, sonst kämen derartige Ergebnisse wohl kaum zustande. Dass Leiharbeiter zum Einsatz kommen, ist laut Silke Günther Fakt. Diese würden zum Abfangen von Produktionsspitzen in der Hochsaison benötigt. "Das ist aber seit Jahren so. Das ist nichts Neues." Auch hier habe es in der Vergangenheit niemals Probleme gegeben.

Mit dem Vorwurf konfrontiert, dass litauische Mitarbeiter auf unkorrekte Weise im Betrieb eingesetzt worden seien, erklärt die Marketingleiterin, dass es diese Arbeitskräfte wirklich gegeben habe. Es seien allerdings Experten gewesen, die nur bei einer Container-Sanierung zum Einsatz gekommen seien. "Da braucht man solche Spezialisten."

Warum kommt es also zu solchen Anschuldigungen? Silke Günther kann nur spekulieren, dass es sich bei dem Schreiber vielleicht um einen verärgerten Ex-Angestellten handelt, der nun eine Retourkutsche gegen die Firma fahren will.

Auch Daniel Traut kann sich nicht so recht ausmalen, wie es zu dieser anonymen Anklageschrift gegen ASS kommt. Der Betriebsratsvorsitzende erklärt, dass sein Gremium bei allen entscheidenden Vorgängen im Haus eingebunden sei. Als "überzogen oder haltlos" lasse sich die Kritik des Schreibers einstufen, der wohl "jemand ist, der der Firma etwas Schlechtes anhaben will".

Niemand unter Druck gesetzt

Traut nennt als Beispiel die mit älteren Mitarbeitern geführten Gespräche, die im anonymen Schreiben kritisiert werden. Bis auf eine Person, die einen früheren Berufsausstieg von sich aus akzeptiert habe, seien alle angesprochenen Mitarbeiter noch immer im Haus beschäftigt. Niemandem sei das Messer auf die Brust gesetzt worden, seine Kündigung einzureichen. Das hatte der Schreiber jedoch behauptet. In einem anderen Fall, in dem die litauischen Mitarbeiter einmal versehentlich falsch eingesetzt worden seien, habe die Geschäftsführung sofort auf den Einspruch des Betriebsrats reagiert. Und was die Löhne angehe, so seien diese branchenüblich.
Die Meinung der IG Metall sowie der IHK zu diesem Thema konnten wir nicht mehr aktuell abrufen, weil der Vorgang dort noch nicht bearbeitet wurde.