"Ein Bild ist ein Bild ist ein Bild." Jetzt könnte der Artikel fast schon wieder zu Ende sein, denn es ist alles gesagt. So jedenfalls sieht es auch Künstler Gert Ressel aus Köln, der sich weder um physikalische Gesetze kümmert noch der Meinung ist, dass "Kunst" von "Können" abzuleiten sei. Und weshalb der charmante Plauderer Ressel überhaupt im Atelier von Lisa Stöhr zu Wort kommt und ihm dabei fünf junge Frauen der Montessori-Fachoberschule (MOS) förmlich an den Lippen hängen, erfahren Sie gleich.

Grund sind nämlich die bevorstehenden Ateliertage des Berufsverbandes "Artur23." Sie finden am 19. und 20. September statt und für Kronach ist die Künstlerin Lisa Stöhr am Start. Und die hatte eben als Gast den Maler Gert Ressel eingeladen, der auch bei ihr mit einigen Bildern vertreten sein wird. Ebenso wie Denis Delauney.

Aber weil Lisa Stöhr sich dieses Mal dazu durchringen konnte, gewisse Arbeiten aus der Hand zu geben, und weil sie darüber hinaus den Kunstunterricht im Zweig "Gestaltung" der MOS leitet, verwandeln sieben Schüler ihr Atelier in einen Ausstellungsraum. "Sie haben die gesamte Organisation übernommen, haben gelernt, wie man Bilder gekonnt in Szene setzt und welche Vorarbeiten nötig sind." Und prompt sieht man sie nach Ressels Vortrag mit Hammer und Wasserwaage hantieren. Sie hängen Bilder auf, haben sich dafür aber vor allem ein Konzept überlegt. Den Bereich Werbung habe man schon vorher abgedeckt, meint Lisa Stöhr. "Sie haben Plakate erstellt, sie verteilt und aufgehängt." Genau das gehöre nämlich auch zu einer erfolgreichen Ausstellung: Werbung machen, um zu informieren und Besucher anzulocken.

Doch bevor der Hammer zum Einsatz kommt, um in die jungfräulich weiße Wand einen Nagel einzuschlagen, geht das Wort noch einmal an Gert Ressel. "Malen ist die Hingabe eines Menschen an seine Leidenschaft."

Künstler ohne Geduld

Dieser Satz ließ aufhorchen, denn der eigenwillige Maler, der sich auch mal gerne als "Anstreicher" bezeichnet, scheint zu wissen, wovon er spricht. Allerdings ist seine Leidenschaft zwar ziemlich häufig, aber nicht ganz so ausdauernd. Wie er nämlich selber bekennt, malt er seine Bilder schon mal innerhalb einer Stunde oder eines einzigen Nachmittags. Für Ausdauer fehle ihm halt die Geduld, bekennt er achselzuckend und schmunzelt übers ganze Gesicht.

Erstaunter könnten die Mienen der Schülerinnen nicht sein, denn damit hatten sie wohl nicht gerechnet. Hinter diesem charmanten Mann, der mitunter eher wie ein zerstreuter Professor in einer außerordentlich gelassenen Version wirkte, hätte man eine solche Eigenschaft wohl kaum vermutet. Die klingt aber noch in einem ganz anderen Satz durch: "Pingelig nachmalen ist Schnee von gestern."

Aha, pingelig ist er also nicht, der Mann, der so gerne runde Formen mag und dessen Hauptfigur auf den Bildern nie Haare trägt. "Ich wollte mich einfach auf keine Frisur festlegen." Auch ein Argument, obwohl seine Miene erahnen lässt, dass vielleicht noch andere Gründe dahinter stecken könnten.

Der Satz "Was, das soll Kunst sein?" erschüttere ihn in keinster Weise, denn die liege ja bekanntlich im Auge des Betrachters. Oder wie er es noch pointierter ausdrückt: "Man sieht nur das, was man weiß." Mitunter streut er Begriffe wie "zauberhafte Welten" und "ästhetische Genüsse" ein, aber: "Jeder sieht es anders. Erfahrung ist die Basis. Kunstverständnis ist das, was mit meinem Horizont erfassbar ist. Und sie ist ein Ereignis, an dem man teilhaben kann."

Die Öffnungszeiten

Die Ateliertage im Atelier von Lisa Stöhr in der Lucas-Cranach-Straße 25 in der Oberen Stadt, gleich gegenüber vom Rathausplatz, finden an zwei Tagen statt. Am 19. und am 20. September sieht man hier vor allem ihre Bilder, aber auch Werke von Gert Ressel und Denis Delauney. Öffnungszeiten sind am Samstag von 14 bis 18 Uhr und am Sonntag von 11 bis 18 Uhr.