"Ein Auto!" - Eigentlich wollten die Pfeffera gerade beim nächsten Haus klingeln. Doch rasch wird kehrt gemacht und das Auto mitten auf der Fahrbahn angehalten. Alles Jammern und Verhandeln nützt nichts: Am 28. Dezember wird in Neufang gepfeffert. Wer heute unterwegs ist - ob zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Auto, selbst Polizist oder Postbote: Sie alle haben ganz schlechte Karten, "sauber" wieder nach Hause zu kommen.

Auch heuer hat Pfeffera-Schlotfeger Hannes wieder alle Hände voll zu tun. Dies gilt auch für die anderen illustren Gestalten seines Zugs: ein Scherenschleifer, ein Sack- und Schnapsträger, Jäger und Tänzer sowie ein Kürassier für die Finanzen. Seit 5.30 Uhr am Morgen sind die Burschen unterwegs und stimmen dabei - begleitet von Akkordeon-Klängen - ein Frankenwald-Lied nach dem anderen an. Ihr Weg führt sie dabei erst einmal Richtung Leitsch, Tempenberg und die Schäferei. Nunmehr - es ist 10.30 Uhr - sind sie in der Hauptstraße zugange. An manchen Häusern hängen ein Geldkuvert und eine kleine Aufmerksamkeit an der Tür. Doch viele Haustüren öffnen sich auch.

Gepfeffert wird nur die Frauenwelt

Gepfeffert wird in Neufang nur die Frauenwelt. Durch sanftes Hauen mit dem Pfefferstrauß - geschnittene Tannenzweige - auf die Beinrückseiten der Damen vertreibt man die bösen Geister fürs kommende Jahr. Mit der kleinen Zeremonie, die Glück bringen soll, wünscht man den Frauen in jedem Haus ein gutes neues Jahr. Nach einem Aberglauben gehen beim "Pfeffern" Kraft, Frische, Gesundheit und Fruchtbarkeit auf die Gepfefferte über.

Pfeffersprüche sind beispielsweise: "Ich pfeffer dich mein Liebchen, ich weiß, du bist ein Diebchen, letztes Jahr hast du mein Herz gestohlen, heuer werd ich es mir wiederholen" oder "Ich bin der kleine König, drum gebt mir nier zu wenig, gebt mir lieber gleich mein Lohn, dess ich wieder weiter koo". Auch "Pfeffer, pfeffer Reue - der Brandwein, der ist teuer. Drum schenk uns noch a Schnäpsla ein. Dou will ich heut dein Schätzla sein", kennt in Neufang jeder Bursche in- und auswendig.

"Es ist eine Ehre, Pfeffera zu sein", ist man sich einig. Leider werde das heidnische Fruchtbarkeitsritual mit Ursprüngen im 18. Jahrhundert nur noch in wenigen Dörfern aufrecht erhalten. Zum Pfeffern gehört eine weitere Tradition: Eine schwarze Schelln. Angeschwärzt wird jeder - vom Kind bis zum Senior. Dafür reibt sich der Schlotfeger die Hände mit Schuhcreme ein und streicht dann seinen Auserkorenen über die Wangen. Als kleine "Wiedergutmachung" gibt es einen kräftigen Schluck Schnaps aus einem großen Schöpflöffel.

In den Häusern wird auch ein Schneewalzer mit allen Bewohnerinnen getanzt.

Als Extra-Service schärft Scherenschleifer Bastian die Scheren der Familie mit einem Wetzstein - eine weitere Tradition. Er erhält dafür ebenso einen kleinen Lohn wie die Jäger Bastian und Lorenz, die den Christbaum inspizieren - ob er nicht aus dem Wald geklaut wurde. Die Baumauslösung ist Verhandlungssache. Wird man sich einig, freut sich der Kürassier. Mit dem Geld - dem "Pfefferhafer" - wird ein "Pfeffera-Tanz" für die Bevölkerung ausgerichtet. Nach den guten Wünschen für ein glückliches neues Jahr, geht es mit "Muss i denn zum Städtele hinaus" zum nächsten Haus.

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