Das Tropenhaus "Klein Eden" hat eine weitere Attraktion. Seit Samstag gibt es dort nicht nur eine tropische Pflanzenvielfalt sowie über 50 Amphibien und Reptilien zu sehen, sondern auch eine Kolonie von Blattschneiderameisen.

Es ist faszinierend zu beobachten, wie diese wirbellosen Tiere mit ihren Mundwerkzeugen Pflanzenblätter durch etwa 30 Meter lange Röhrengänge tragen, diese in kleine Stücke zerteilen und in ihren Bau transportieren.

Wie der Ausstellungsleiter Michael Ricker erklärte, fressen die Ameisen nicht selbst die Blätter, sondern zerkauen diese und verwenden dies als Substrat, um darauf einen speziellen Pilz wachsen zu lassen, von dem sie sich ernähren. Die Ameisen legen regelrechte Pilzfarmen an, die sie ständig ausbauen und pflegen. Der Pilzanbau erfolgt über eine Fließbandkolonne, in der jeder der verschiedenen Schritte von einer speziellen Kaste der Tiere ausgeführt wird, erklärt Ricker weiter.

Die Arbeitsteilung

Ein von einer Erntearbeiterin am Bau abgelegtes Blatt wird von einer kleineren Arbeiterin aufgenommen und in Stücke von etwa einem Millimeter Durchmesser zerschnitten. Diese werden von noch kleineren Arbeiterinnen übernommen, zerkaut, zu kleinen Kügelchen geformt und einem Haufen ähnlichen Materials zugefügt. Dieses Substrat bildet eine Art Garten und ist von Tunnelröhren durchzogen, so dass er in seiner Struktur einem Badeschwamm ähnelt. Darauf wächst der Pilz, von dem sich diese Ameisenart ernährt. "Es ist eine Symbiose zwischen den Ameisen und dem Pilz, beide können nicht ohneeinander existieren", erklärt Michael Ricker.

Derzeit befinden sich rund 400 000 Ameisen in der Kolonie. In den nächsten zwei bis vier Jahren sollen zwischen zwei und vier Millionen Ameisen im Tropenhaus angesiedelt werden.

Die Verantwortlichen des Tropenhauses, so Ricker, wollen ein Augenmerk auf wirbellose Tiere legen, aufgrund dessen, dass viele Insekten einer Gefährdung unterliegen beziehungsweise vom Aussterben bedroht seien, sollen die Besucher im Tropenhaus dahingehend sensibilisiert werden, welchen Nutzen diese Tiere bringen. Es soll ins Bewusstsein gerückt werden, welchen Beitrag diese kleinsten Individuen für Umwelt und Natur leisten.

Neben den Ameisen zeigt Michael Ricker auch stolz den Schlangennachwuchs. So gibt es derzeit acht junge "Schlangenbabys" zu sehen. Es handelt sich dabei um ungiftige Bullennattern, die eine Länge von 120 bis 180 Zentimeter erreichen.

Besuch aus Kronach

Im Rahmen eines Projekttags besuchten am Mittwoch auch die 5. und 6. Klassen des Kaspar-Zeuß-Gymnasiums das Tropenhaus. Sie bekamen anhand einer Führung einen vertiefenden Einblick über die tropischen Pflanzen, über Amphibien, Reptilien und über die "fleißigen Ameisen". Wie der wissenschaftliche Leiter des Tropenhauses, Ralf Schmitt, erklärte, laufen derzeit Überlegungen, wie das Tropenhaus als "lebhaftes" Material im Unterrichtsfach Geologie mit einfließen könnte. Er sei zuversichtlich, dass dieser Gedanke in den nächsten Monaten auch real wird.