Nicht nur für Bürgermeister Timo Ehrhardt (SPD) ist es ein besonderes Ereignis. Er ist Projektleiter der FOS am Rennsteig und hat zusammen mit der Projektgruppe in den vergangenen Monaten zahlreiche Stunden investiert, um diese langersehnte Bildungseinrichtung zum Tragen zu bringen. Und er freut sich, dass er bereits nach einer Woche Unterricht positive Meldungen einiger Schüler und Eltern verzeichnen kann.

24 Jugendliche nehmen die Chance am Rennsteig wahr, um ihr Fachabitur zu erreichen, um aber auch Kontakte mit den beteiligten Unternehmen zu knüpfen. Immerhin: Rund 30 Unternehmen fungieren als Partner der FOS, dessen Träger die Sabel-Schule in Saalfeld ist. "Der Weg bis hierher ist nicht immer leicht gewesen, aber es hat sich gelohnt", sagt Timo Ehrhardt.

Viele Kontakte und Erfahrungen hat er mit Behörden, Unternehmern, Politikern in den vergangenen Monaten sammeln können. Viele Gespräche wurden geführt. Die FOS bezeichnet Ehrhardt als einen Kraftakt, zumal schon einige Hürden seit der Antragstellung am 19. Oktober 2011 bis zur Genehmigung am 23. August 2012 bewältigt werden mussten. Es mussten Anträge zwecks Fördergelder für die Einrichtung der FOS gestellt werden.

Hinzu kamen zahlreiche Marketingaktionen, die er zusammen mit dem Hauptabteilungsleiter der Heinz-Holding, Thomas Kneitz, durchgeführt habe. In diesem Zusammenhang spricht er von der Vorstellung der FOS an Schulen, in Kommunen, Unternehmen und in den Medien im Landkreis Kronach und in benachbarten thüringischen Gemeinden.

Timo Ehrhardt ist dankbar, dass die FOS am Rennsteig über sämtliche Parteigrenzen hinweg einstimmige Unterstützung fand und dass der Landkreis dieses Projekt mit 300 000 Euro unterstützt. Aber letztendlich: "Ohne das Engagement der Wirtschaft wäre die FOS am Rennsteig nicht zu Stande gekommen!" Und in der Tat: Über 400 000 Euro stellten heimische Betriebe zur Verfügung, damit ein langer Traum endlich wahr wird.

Zufrieden mit der Entwicklung ist auch der Geschäftsführer der Sabel-Schule, Michael Wilde. Insgesamt sechs Lehrkräfte werden in Ludwigsstadt die Jugendlichen zum Fachabitur führen, teilte er auf Anfrage mit. Bei der Auswahl sei darauf geachtet worden, dass die Pädagogen aus der Region beziehungsweise aus dem Umland kommen. Da Schulwesen ja Ländersache sei, musste zudem - entsprechend der bayerischen Ländergesetzgebung - auf die entsprechende Lehrerausbildung geachtet werden. Hier habe es sich als Vorteil erwiesen, dass Sabel ihren Sitz in München hat.

Eine wesentliche Aufgabe sei die Konkretisierung des Lehrplans gewesen. Es galt hier, die von Seiten der Bayerischen Staatsregierung geforderten Richtlinien, die Wünsche der an der FOS beteiligten Unternehmen sowie das pädagogische Konzept in Einklang zu bringen. Zudem wurden neben Englisch, auch zusätzliche Sprachangebote wie Spanisch, Italienisch und Französisch erarbeitet. Weiterhin wurde das Schulgebäude unter die Lupe genommen. Geplant ist nun, während der ersten Praktikawochen den Physik- und Chemiesaal zu modernisieren. Auch denke man an die Einrichtung einer Bibliothek.

Wolfgang Feuerpfeil, der seit Jahren - ebenso wie eine Vielzahl heimischer Unternehmer - zu den Verfechtern einer weiterführenden Schule gehört, ist erleichtert, dass trotz mancher Niederlagen das Projekt weiter verfolgt wurde. Der Ruf nach einer weiterführenden Schule im Norden existiert seit Jahrzehnten. Im Herbst 2007, als der Verein Rennsteig region im Frankenwald aus der Taufe gehoben wurde, lebte dieser Wunsch wieder auf, so der Vorsitzende.

Ursprünglich hatten die Verantwortlichen eine staatliche Berufsfachschule im Visier, mit dem Ziel, in der Rennsteig-Region einen Abschluss für einen Hochschulzugang erreichen zu können. Nachdem die Bayerische Staatsregierung verlauten ließ, dass dieser Wunsch nicht zu realisieren sei und auch die Berufsschule in Kronach Bedenken dahingehend anmeldete, dass bei dieser Einrichtung Strukturen geschaffen würden, die eigentlich schon in ihrem Hause vorhanden seien, setzte man sich mit einer Privateinrichtung auseinander.

Es wurde eine private länderübergreifende Berufsfachschule beziehungsweise Fachoberschule in Erwägung gezogen, mit Sitz in Probstzella und Beschulung in Ludwigsstadt. Mit diesem Vorhaben habe man das im Landesentwicklungsplan erwähnte mögliche Mittelzentrum Ludwigsstadt-Probstzella beleben wollen. Während man beim thüringischen Kultusministerium auf offene Ohren stieß, stand das bayerische Kultusministerium diesem Vorhaben skeptisch gegenüber.
Die Zeit verstrich. Letztendlich, so Wolfgang Feuerpfeil sei der Rennsteig-Region zugute gekommen, dass eine staatliche FOS-Außenstelle in Kronach sowohl von Kulmbacher Seite aus als auch von der Bayerischen Staatsregierung abgelehnt worden ist. "Dies ist die Initialzündung gewesen!" Stolz ist er auf die heimischen Unternehmer, die einen Großteil des erforderlichen Startkapitals beisteuerten, dankbar ist er gegenüber dem Landkreis für die Unterstützung und auch gegenüber der Sabel-Schule, die die Trägerschaft übernommen hat.
Dass an der FOS in Ludwigsstadt auf hohem Niveau gearbeitet wird, daran gibt es keinen Zweifel. Schließlich müssen zwei Drittel der Schüler in den nächsten drei Jahren ihr Fachabitur erreichen. Erst dann gibt es staatliche Zuschüsse aus München.