"Ich finde, da wurde das deutsche Bier zu Unrecht schlecht gemacht", sagt der Coburger Biersommelier Michael König über die ZDF-Sendung "Wie gut ist unser Bier".

Wenn in der Sendung fränkische Bierliebhaber Pils testen, dann ist das aus fränkischer Sicht "Quatsch". So ein Test, meint König, sei eher in Norddeutschland sinnvoll. Pils spielt in Franken keine besondere Rolle.
"Das Becks hätte man herausschmecken können, das Alkoholfreie auch", ist er überzeugt. Massentaugliche Industriebiere von Warsteiner, über Radeberger bis Krombacher hingegen könne der Laie kaum auseinander halten. Das Geschmacksziel, das solche Brauereien zu erreichen versuchen, nennt König "deutschen Einheitsgeschmack". Ergebnis ist ein Bier, das eigentlich gar keinen wiedererkennbaren Eigengeschmack hat.

Fränkisches Pils ist nicht so bitter

Hätte König als Fachmann das fränkische Pils unter den anderen erkannt? "Da müsste ich auch erst einen Selbstversuch machen", sagt er. Tatsächlich unterscheidet sich das Pils, das in unseren Breiten gebraut wird, schon von der nordischen Konkurrenz. "Fränkisches Pils ist meistens nicht so bitter, wie etwa ein norddeutsches Pils", sagt der Sommelier.


Kronacher Bierbrauer wissen Rat in Sachen Bierverkostung und Qualität


Mehr als 1300 in Deutschland, davon über 600 in Bayern und allein in Franken gibt es knapp 300 Brauereien.
Und ausgerechnet fränkische Biertester blamierten sich in der am Dienstagabend ausgestrahlten ZDF-Reportage. Die Probanden konnten ihr Lieblingsbier aus verschiedenen Bieren nicht herausschmecken und verwechselten sogar Billigbier mit Qualitätsbier. Aber wie konnte es zu solch einem Ergebnis kommen?

Wir haben uns mit den Kronacher Bierexperten unterhalten und sind dem Problem auf die Schliche gekommen. "Die Verkostung ist nicht ideal abgelaufen, mehr Zeitabstände zwischen den Proben, neutrales Essen dazwischen und auch die Biertemperatur spielen eine erhebliche Rolle - die Geschmacksnerven sind sensibel", weiß Braumeister Edgar Schönmüller von der Tradtionsbrauerei Frankenbräu in Mitwitz.

Falsche Voraussetzungen

Gampertbräus Braumeister Oliver Kaufmann ist ähnlicher Meinung: "Bei so vielen verschiedenen Bieren hintereinander ist es sehr schwierig, den Unterschied herauszuschmecken. Sicherlich waren die Teilnehmer auch aufgeregt und die richtigen Voraussetzungen waren nicht gegeben."

Der Braumeister des Kronacher Kaiserhöfers, Thomas Kaiser sieht die Blindverkostung eher als Ratespiel: "Mehr als drei Sorten sind zur Verkostung nicht geeignet. Außerdem braucht man Ruhe und Ablenkung durch Musik ist ebenso nicht förderlich. Hätte man nur Biere aus fränkischen Brauereien genommen wäre es anders ausgegangen, denn Biere aus Großbrauereien haben oft einen Einheitsgeschmack."

Fränkische Bierqualität

Das Besondere an unserem heimischen Bier seien nämlich vor allem die hochwertigen Zutaten und die Einhaltung und Pflege des Reinheitsgebotes, fügt Thomas Kaiser hinzu, der großen Wert auf Qualität und regional bezogenen Hopfen legt. Sein Geheimrezept sei, dass man sich beim ersten Schluck, schon auf den nächsten freuen müsse.

Unverwechselbar

Oliver Kaufmann betont ebenso, dass die Liebe zum Handwerk und die ausgewählten Rohstoffe sich im Endprodukt niederschlagen würden.

Auch die Herstellung der Braugerste in der hauseigenen Mälzerei selbst, sei ein Punkt der unverwechselbar ist: "Die Vollmundigkeit und der Körper des Bieres ist unser Erkennungsmerkmal."
Doch nicht jedes Bier kann immer gleich gelingen: "Bier ist ein Naturprodukt, welches Jahr für Jahr angepasst werden muss. Hopfen und auch Gerste können sich witterungsbedingt oftmals im Geschmack unterscheiden", erklärt Braumeister Schönmüller.

Er stimmt seinem Kronacher Mitbrauer zu: "Die Verwendung von deutschem Siegelhopfen, der von der Pflanzung bis zur Ernte kontrolliert wird, ist für ein Qualitätsbier wichtig." Durch "einen guten Antrunk, eine dezent bittere Note, die im Nachgang nicht anhängt" verrate sich sein "süffiges und wohlschmeckendes" Frankenbräu. rlu/madö