Stoßstange an Stoßstange reiht sich in der Abendsonne aneinander. Die Ampel an der Kreuzung zur Kulmbacher Straße zeigt Grün, doch es geht keinen Meter vorwärts. Autofahrer, die in diesen Tagen auf der B 173 südlich von Kronach unterwegs sind, benötigen besonders zu den Stoßzeiten jede Menge Geduld.

"Mein Beileid an alle, die da jeden Tag lang müssen. Mir hat's schon nach zweimal gereicht", schreibt Chantal Leipold auf unserer Facebook-Seite. Von der Norma bis zum Real - einer Strecke von 1,5 Kilometern - hat unser Leser Benny Bernschneider laut eigener Aussage mit dem Auto 45 Minuten gebraucht. Er hofft, dass die Bauarbeiten bis Ende September abgeschlossen sind. Dann wird auch noch die Bundesstraße 85 in Gundelsdorf gesperrt. Autofahrer, die in Richtung Südkreisel unterwegs sind, müssen den gesperrten Teil der Bundesstraße dann ebenfalls über die B 173 umfahren.

Fünf Monate Baustelle

Die Hoffnung unseres Lesers wird sich jedoch nicht erfüllen: Das Staatliche Bauamt Bamberg schätzt die Dauer der Baustelle auf fünf Monate. Das bedeutet, dass sich die Verkehrsteilnehmer noch mindestens bis Januar nächsten Jahres auf Stop-and-go in Schrittgeschwindigkeit einstellen müssen. Das Ganze kostet 1,1 Millionen Euro - Kosten, die die Bundesrepublik Deutschland übernimmt.

Doch was wird an Kronachs Hauptverkehrsader, die in diesem Bereich augenscheinlich einen tadellosen Eindruck macht, eigentlich gebaut? Eine Veränderung der vierspurigen Fahrbahn, über die täglich 23 000 Fahrzeuge rollen, ist jedenfalls nicht vorgesehen. Der Grund für die Geduldsprobe befindet sich darunter: Kurz vor der Kreuzung auf die B 85 in Richtung Real entsteht in den kommenden Monaten wieder eine Unterführung für Fußgänger und Radfahrer.

Viele werden sich erinnern: Genau an dieser Stelle gab es bis vor drei Jahren bereits die Möglichkeit, unterirdisch von einer Seite der B 173 zur anderen zu gelangen. "Bei der damaligen Geh- und Radwegunterführung wurden im Zuge der turnusmäßigen Bauwerksprüfungen Schäden festgestellt, die intensiv untersucht werden mussten", erklärt die Pressesprecherin des Bamberger Bauamtes Sabrina Hörl. Über ein Sichtungsfenster im Asphalt sei damals der Beton überprüft worden. Das Ergebnis: "Durch den jahrelangen Einfluss von Streusalzwasser waren der Beton sowie die Bewehrung massiv geschädigt." Einige der Träger seien derart verrostet gewesen, dass sie statisch nicht mehr sicher waren.

Über diese Stellen hätten keine Autos mehr fahren dürfen. Die Verantwortlichen standen vor der Entscheidung, die Bundesstraße in diesem Bereich dauerhaft auf zwei Spuren zu verengen oder die Unterführung zuzuschütten. Um den Verkehrsfluss nicht zu behindern, entschied sich das Bauamt für die zweite Variante. Doch bereits 2017 sei für das Bauamt und der Stadt Kronach klar gewesen, dass die Unterführung neu gebaut werden soll.

Warum beginnen die Arbeiten dann erst drei Jahre später? Wie Sabrina Hörl erklärt, waren zuerst umfassende Untersuchungen zur zukünftigen Leistungsfähigkeit des Kreuzungsknotens erforderlich. "Die Ergebnisse lagen im Herbst des letzten Jahres vor, woraufhin die Planungen für das Bauwerk der neuen Geh- und Radwegunterführung beginnen konnten."

Dass sich der Verkehr nun vor allem während der Stoßzeiten staut, kommt für das Bauamt nicht überraschend. "Wir haben versucht, dem Verkehr möglichst viele Spuren zur Verfügung zu stellen. Leider ist aufgrund der örtlichen Gegebenheiten eine weitere Spur in Fahrtrichtung Süden nicht möglich." Das hat zur Folge, dass eine dreispurige Behelfsumfahrung den Verkehr mit zwei Spuren in Richtung Kronach und einer Spur in Richtung Süden an der Baustelle vorbeileitet.

Wer aus Richtung Hof kommt und nach links zum Real-Markt abbiegen will, muss erst einmal durch den Südkreisel fahren - einen Umweg, den nicht jeder in Kauf nimmt. "Machen wir jetzt vorläufig nicht mehr. Wir meiden diese Strecke (und somit eben auch die Geschäfte dort) für den Zeitraum der Baustelle", schreibt Leserin Anna Brand und erhält für diesen Kommentar viel Zustimmung.

Ampelschaltung wird angepasst

Das Bauamt erklärt auf Anfrage, dass sich an der aktuellen Verkehrsführung mangels Alternativen auch nichts ändern wird. Ob sich die Kronacher jedoch nun dauerhaft mit Stau zum Feierabend abfinden müssen, steht noch nicht fest: Wir haben das Verkehrsaufkommen in den ersten Tagen beobachtet und zwischenzeitlich Anpassungen an der Ampelschaltung und der Beschilderung veranlasst, um die Ampelschaltung bestmöglich an das Verkehrsaufkommen anzupassen", kündigt das Bauamt in Bamberg an.

Ein wenig können die Autofahrer auch selbst dazu beitragen, Wartezeiten nicht unnötig in die Länge zu ziehen: "Reißverschlussverfahren kapieren in Kronach die wenigsten. Sobald sie das Schild sehen, muss unbedingt rechts reingedrängt werden, obwohl noch mehrere 100 Meter bis zum Einfädeln frei wären", schildert Edgar Bär seine Erfahrung. Das Bauamt empfiehlt, die linke Spur in Richtung Südkreisel bis zum Ende zu befahren und sich erst dann einzufädeln.

So oder so wird der ein oder andere Stau so manchem Verkehrsteilnehmer - vor allem denjenigen, die täglich die Strecke fahren - in den kommenden Monaten einige Nerven kosten. Tobias Hentschel versucht, das Ganze mit Humor zu nehmen: "Ist wenigstens in Kronach auch mal was los."