Der Angeklagte stand am Montag wegen eines Sammelsuriums an Straftaten vor der Ersten Großen Strafkammer in Coburg. Im führenden Verfahren wurden ihm vor allen Dingen gefährliche Körperverletzung, falsche Beschuldigung und Betrug in 44 Fällen vorgeworfen.

Im Jahr 2012 hatte er gegen seine damaligen Freundin einige Male körperliche Gewalt angewandt. Nach einer Silvesterparty hatte er die Frau gewürgt und an den Haaren gezogen. Ein paar Monate später hatte er ihr im Verlauf eines Streits so heftig ins Gesicht geschlagen, dass die Unterlippe aufgeplatzt war. "Das war überhaupt nicht so", erklärte der 28-Jährige. "Streit gab es schon, aber Handgreiflichkeiten nie."

Das Paar habe zu jener Zeit noch gemeinsam in einer Wohnung gelebt, aber die Beziehung sei wohl nicht sehr stabil gewesen. "Wir haben uns im Jahr zehn- bis 15-mal getrennt!", erklärte der Mann.
Einmal hatte er seine Freundin beschuldigt, sie habe eine Glasvase nach ihm geworfen und ihn verletzt. Tatsächlich hatte der junge Mann zahlreiche Schnittwunden, als die Polizei eingetroffen ist. "Aber ich kann das ja gar nicht gewesen sein, ich habe zu der Zeit gearbeitet", erklärte die Ex-Freundin, die als Zeugin aussagte. Der Mann aus dem Kreis Kronach gab zu, dass er sich die Verletzungen selbst zugefügt hatte, um seiner Freundin zu schaden.


In Bestellrausch geraten

Erstaunlich war auch die Bestellwut des jungen Mannes im Internet. Insgesamt 38-mal hatte er Waren bestellt und sie nicht bezahlt: Dirndl, Damenunterwäsche, Kuhfelle, Schmuck, Kronleuchter, Parfüm oder Möbel. Insgesamt belief sich der Bestellwert auf circa 24.000 Euro. "Ich habe völlig sinnlos eingekauft. Ich wusste nicht einmal, wozu ich das brauche", erzählte der 28-Jährige. "Immer wenn ich gut drauf war, wollte ich auffallen oder meiner Freundin teure Geschenke machen", ergänzte er.

"Aber wie kann man denn ein Dirndl für 900 Euro bestellen, wenn man nur 800 Euro netto bekommt", wollte Richter Gerhard Amend wissen. "Wenn ich eine manische Phase habe, dann fühle ich mich wie der König von Kronach", meinte der junge Mann. Genau der psychische Zustand war auch der Streitpunkt der Gutachter. Während Ines Balig-Schmidt, Oberärztin am BKH Bayreuth, dem Kronacher eine manisch-depressive Störung attestierte, sprach Psychiater Peter Schmidt-Böckenhold davon, dass zu dieser noch eine kombinierte Persönlichkeitsstörung mit dissozialem und egozentrischem Charakter hinzukäme. Wichtig war die Einschätzung der Gutachter hinsichtlich des Urteils. Es ging nämlich darum, ob der 28-Jährige schuldfähig, eingeschränkt schuldfähig oder schuldunfähig war. Das musste akribisch festgestellt werden.


Manische Phase

Die Gutachter kamen zu dem Schluss, dass er die Internet-Bestellungen während einer manischen Phase getätigt hatte, die Körperverletzung und die Selbstverletzung sowie einen Mietbetrug und Sachbeschädigungen aber nicht. Hier kam jedoch die Persönlichkeitsstörung zum Tragen.

Der junge Mann, der derzeit im BKH Bayreuth untergebracht ist, gab selbst an, dass er seit seinem 18. Lebensjahr wechselweise diese Phasen durchlaufe. Einige Selbstmordversuche hat er schon hinter sich. In manischen Phasen wiederum stolzierte er herum wie ein Pfau - mit silbernen Schuhen und bunter Kleidung - und veranstaltete regelrechte Bestellorgien.

Letztendlich kamen Staatsanwältin Daniela Möhrlein und Verteidiger Michael Linke in ihren Plädoyers zu dem gleichen Schluss. Der Kronacher hatte außer den Körperverletzungen alles eingeräumt. Er selbst sah ein, dass ihm geholfen werden muss. Die Staatsanwältin, forderte zwei Jahre auf Bewährung mit Unterbringungsbeschluss ebenfalls zur Bewährung. Und mit der Auflage, dass der Kronacher sich in eine Wohngruppe begibt, wo er therapeutisch begleitet wird. Auch Rechtsanwalt Linke forderte eine angemessene Strafe, die dem Mann hilft, sein Leben endlich in den Griff zu bekommen.


Die Kammer folgte den Anträgen. "Bei allen Fällen war die Schuldfähigkeit erheblich vermindert", meinte Richter Amend. "Er ist krank."
Der Kronacher muss nun also in eine Wohngruppe ziehen und die strengen Auflagen des Gerichts, wie Meldepflicht und ärztliche Weiterbehandlung, erfüllen. "Wenn Sie nicht aufpassen, dann sind Sie irgendwann einmal lange weggesperrt", gab Richter Amend dem 28 Jahre alten Mann mit auf den Weg.