Der Fasching im Teuschnitzer Sportheim endete im Februar für einen 48-jährigen Mann aus dem Landkreis Kronach wenig lustig, dafür aber mit bleibenden negativen Erinnerungen. Mit mittelschweren Kopfverletzungen wurde er damals mit dem Rettungswagen in die Notaufnahme des Kronacher Klinikums gebracht. Der Familienvater war während der Maskenparty von einem 20-Jährigen von der Treppentribüne des Sportplatzes gestoßen worden und mit dem Hinterkopf nach einem Höhenflug auf dem Pflaster gelandet.

Dieser Vorfall hatte für den Schüler am Freitag ein Nachspiel vor dem Kronacher Jugendschöffengericht. Richter Jürgen Fehn verurteilte ihn zu 120 Stunden gemeinnütziger Arbeit wegen gefährlicher Körperverletzung.

Der geschädigte Familienvater erzählte im Gerichtssaal, dass er heute zwar nicht mehr an den Nachwehen der Verletzung, aber mit den psychischen Folgen des Ereignisses zu kämpfen habe: "Mir geht es heute noch nicht in den Kopf. Ich frage mich, wie man einen anderen Menschen, der an einer so hohen Treppe steht, absichtlich in die Tiefe stoßen kann."

Aus Spaß wurde Ernst

An einen anfänglich noch lustigen Abend erinnerte sich der Angeklagte. Damals hätten er und seine Freunde im Sportheim einen Kumpel anlässlich dessen Geburtstags überrascht. Die einheimischen Gäste hätten ihn und seine Clique mit kritischen Blicken begutachtet ("Wir haben es ignoriert, dass wir unerwünscht waren"). Dennoch habe er, ansonsten nur Gelegenheitstrinker, einige Gläser Wodka getrunken. Er stellte fest: "Ich weiß nicht mehr, wie viele es waren. Ich vertrage nicht so viel." Einmal habe jemand im Saal beleidigende Äußerungen gerufen.

Beim Gehen am Ausgang, der über die Tribüne führt, habe sich ein "kleiner Mann", der Geschädigte, vor ihm aufgebaut. Dieser habe ihn in die Enge getrieben und angefangen zu schubsen. "Ich habe mich bedrängt gefühlt. Ich wollte, dass er Abstand nimmt." Dann habe er den Angriff abgewehrt. "Wie, weiß ich nicht, ich kann mich nicht erinnern." Nach dem Sturz seien er und seine Freunde gegangen. Das Verlassen des Tatortes begründete er: "Wir wollten ja in der Nacht noch etwas machen." Auf die Frage des Richters, warum er sich nicht um den Verletzen gekümmert habe, sagte er: "Es waren doch genügend andere Leute da."

Als er Wochen später hörte, dass nach ihm gefahndet wird, habe er sich gestellt und sich als Täter bekannt. Der Richter erinnerte den Angeklagten, dass dieser erst drei Monate vor dem aktuellen Fall wegen einer gleich gelagerten Straftat zu gemeinnütziger Arbeit verurteilt worden war. Fehn: "Das hat wohl nichts bewirkt?"

"Der Saal war proppenvoll", erinnerte sich der 48-jährige Geschädigte an seine schicksalhafte Faschingsnacht. Als er aus der Toilette kam, habe er Tumult gehört und gesehen, dass der Vereinsvorsitzende versuchte, einen Streit mit der Clique um den Angeklagten zu schlichten. Er selbst habe den Schlichtenden verbal unterstützt. Plötzlich sei einer aus der Gruppe, wohl der Angeklagte, auf ihn zugesprungen und habe ihn gestoßen, möglicherweise mit Anlauf. Auf Vorhalt des Gerichts beteuerte der 48-Jährige: "Ich habe mich niemandem in den Weg gestellt, niemanden berührt und beleidigt." Auch sei er nicht betrunken gewesen.

Unterschiedliche Schilderungen

Der Vereinsvorsitzende bestätigte als Zeuge, dass es eine verbale Auseinandersetzung zwischen ihm, dem Geschädigten und der Clique gegeben habe. Der 48-Jährige sei nicht aggressiv gewesen. "Er hat lediglich seinen Senf dazugegeben." Plötzlich sei einer aus dem gegnerischen Pulk, wohl der Angeklagte, auf ihn zugesprungen und habe ihn so heftig geschubst, dass der Geschädigte zwei Meter in die Tiefe bis auf das Pflaster geflogen sei. Man könne von Glück reden, dass der Mann nicht auf einen oder mehrere Treppenabsätze gefallen ist.

Ein Kumpel des Angeklagte bestätigte hingegen dessen Version. So sei dieser von dem 48-Jährigen grundlos gestänkert und angegriffen worden.

Der Schubs habe das Potenzial gehabt, den Geschädigten tödlich zu verletzen, kritisierte Staatsanwältin Katja Amend. Sie forderte die Höchststrafe nach Jugendrecht für gefährliche Körperverletzung von einem halben Jahr zur Bewährung und einen zweiwöchigen Dauerarrest. Sie kritisierte, dass der Angeklagte nur drei Monate zuvor wegen einer ähnlichen Tat zu Arbeitsstunden verurteilt worden war, was diesen jedoch nicht daran gehindert habe, erneut auf andere loszugehen.

Der Angeklagte pflege einen fehlerhaften Umgang in Stresssituationen, sagte Rechtsanwalt Thomas Leidner. Er sei aber nicht krankhaft aggressiv. Sein Mandant, der sich im Gerichtssaal beim Geschädigten entschuldigte, sei sozial eingebunden und bereue sein Vorgehen. Er habe sich auch bereit erklärt, Schmerzensgeld zu zahlen, eine Anzahlung sei bereits erfolgt.

Die körperlichen Folgen des Vorfalls seien beim Geschädigten verheilt, die psychischen nicht, sagte der Richter in seinem Urteil. Trotz des Alkoholkonsums sei der Angeklagte bei seinem Handeln steuerungsfähig gewesen und habe die Verletzungen seines Kontrahenten billigend in Kauf genommen. Die relativ milde Strafe begründete Fehn unter anderem damit: "Seit der Tat hat er sich der Angeklagte sehr zum Positiven entwickelt."