"Ruhe in den Laden bringen", das war die Mission des im Herbst 2010 gewählten Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider. Damit, das steht nun fest, ist der frühere Rheinische Präses fulminant gescheitert.

Schuld daran trägt die Orientierungshilfe zur Familienpolitik, die wie keine andere Äußerung der EKD in den letzten Jahre für Aufsehen, Streit und Empörung gesorgt hat. Mit dem Text will die EKD mit der Zeit gehen: Sich für andere Lebensformen neben der klassischen Ehe, sich modern und liberal geben.

Dagegen wäre nichts einzuwenden, es wäre sogar goldrichtig, würde man nicht zugleich das Kind mit dem Bade ausschütten. Vor lauter Liberalisierung versäumt die EKD, sich in der Orientierungshilfe der eigenen Grundlagen zu vergewissern. Um die Kirchentüren für homosexuelle Paare, Alleinerziehende und Geschiedene weiter zu öffnen, hat Schneider das um sie herum gebaute Gotteshaus einfach einmal abgerissen. Und zwar ohne jede Rücksichtnahme, weder auf die in der Kirche zahlreich vorhandenen Konservativen, noch auf die Ökumene.

Das Schlimmste aber ist, das weder Schneider noch die übrigen Ratsmitglieder einen Plan zu haben scheinen, wie sich die Fronten nun beruhigen lassen. Denn einen Rückzug des umstrittenen Papiers schließt Schneider aus. Bliebe der eigene Rücktritt oder zumindest eine Umbildung des Leitungsgremiums der EKD. Doch das würde die evangelische Kirche in der öffentlichen Wahrnehmung wohl nur noch weiter schwächen.

Von Benjamin Lassiwe