Eines zeigt die Bundestagswahl ganz deutlich: Schlechte Verlierer sterben nicht aus! Neben Alice Weidel, Co-Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, die das Ergebnis der Bundestagswahl 2021 selbstbewusst als Gewinn verbuchen will und dafür nur müde belächelt wird, sind die eindeutigen Verlierer der Wahl die Schwesterparteien CDU und CSU.

Mit dem historisch schlechtesten Ergebnis seit 1949 für die Union ist es sicherlich keine Übertreibung, das Ergebnis der Union als desaströs zu bezeichnen, wie es kurz nach den ersten Hochrechnungen bereits Politiker der CDU/CSU selbst titulierten. Die Schwesterparteien kommen nur noch auf 24,1 Prozent - eine echte Klatsche. Hinter Wahlsieger SPD wird die Union zwar noch zweitstärkste Kraft, die ruhmreichen Zeiten scheinen allerdings vorbei zu sein. Die Ära Angela Merkel endet für die Union folglich mit einem Genickbruch.

Rotes Wunder beschert Union schwarzen Wahlabend

Die SPD liegt am Ende der Stimmauszählung zwar nur 1,6 Prozent vor der Union, geht aber als klarer Wahlsieger neben der FDP hervor. Im Übrigen hat die SPD am Sonntag für ein wahrlich rotes Wunder in Deutschland gesorgt, wenn man bedenkt, dass die Sozialdemokraten auch die Abgeordnetenhauswahl in Berlin und die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern klar für sich entschieden haben. Ein schwarzer Abend für die Union. Jetzt fordert sogar die Werteunion den Rücktritt von Söder und Laschet als Konsequenz des Wahldebakels.

Der Wahlsieg nach Prozentpunkten und Sitzen im Bundestag bedeutet für die SPD zwar nicht gleich, dass sie zwingend auch den Kanzler stellen, den Regierungsauftrag aus Wählersicht kann jedoch ganz sicher Olaf Scholz für sich verbuchen. Nicht Kanzlerkandidat Armin Laschet. Natürlich fällt es schwer, Niederlagen einzugestehen. Das ist menschlich. Zudem ist es nicht verwerflich, verhalten optimistisch zu sein, während das amtliche Wahlergebnis noch nicht feststand. Doch was die Union am Sonntagabend in der "Berliner Runde", die im Anschluss an die Tagesschau in der ARD live ausgestrahlt wurde, geleistet hat, grenzt schon an Lächerlichkeit!

Bereits nach den Prognosen und ersten Hochrechnungen stand fest: Die Union wird ein Wahldebakel erleben. Gleichauf mit der SPD und deutlich unter früheren Werten kann nur eins bedeuten: eine historische Niederlage. Die Wählerinnen und Wähler der Bundesrepublik Deutschland haben sich entschieden - und zwar gegen die Union. Nicht nur bundesweit kassierten die Schwesterparteien eine Klatsche. Auch in Bayern erlebte die CSU, wie es sich anfühlt, zu verlieren.

Mit Regierungsanspruch trotz Niederlage machen sich Söder und Laschet lächerlich

Und deshalb kam es offenbar, wie es kommen musste: Getroffene Hunde bellen. So wie Markus Söder, Parteichef der CSU. Statt einzugestehen, dass die Bürgerinnen und Bürger offenbar einen "Aufbruch" in der Politik wollen, hackte Söder in der "Berliner Runde" erstmal auf Olaf Scholz herum. Es sei eine Klatsche für ihn, dass es keine Koalition aus "Rot-Rot-Grün" geben könne, da die Linke zu schlecht abgeschnitten hat.

Auch Alexander Dobrindt, Spitzenkandidat der CSU, stellte eine fragwürdige These auf, indem er vermeldete, dass das Ziel erreicht sei, den so befürchteten Linksrutsch verhindert zu haben. Doch das Ablenkungsmanöver ist nicht geglückt. Das Ziel kann es für eine Partei sicherlich nicht sein, etwas zu verhindern, sondern selbst seine Inhalte durchzusetzen. Deutlich ist zu erkennen, wie bedröppelt Söder und Laschet in der "Berliner Runde" saßen. 

Umso erstaunlicher ist es dann, als Armin Laschet den Auftrag zur Regierungsbildung am Wahlabend für sich reklamiert. In der "Berliner Runde" für Millionen Zuschauer und Zuschauerinnen vor den Fernsehern und vor Ort. Offenbar tat Laschet dies auch noch einmal in Unions-Kreisen. Sachsens Ministerpräsident Kretschmer (CDU) sagte dazu am Montag, dass sich ihm die Haltung im Adenauer-Haus in Berlin nicht erschließe, von einem Regierungsauftrag zu sprechen. Kretschmer kritisiert zu Recht das Verhalten seiner Parteikollegen. Das Wahlergebnis sei ein Erdbeben gewesen und habe eine klare Wechselstimmung gegen die CDU gezeigt, betonte der Kretschmer beim MDR.

Laschet sollte freiwillig verzichten

Nachdem sie eine Nacht darüber geschlafen hatten, ruderten sowohl Markus Söder als auch Armin Laschet zurück. Niemand habe am Sonntagabend von einem Regierungsauftrag für die Union gesprochen, stellt Laschet im Präsidium seiner Partei klar. Sicher, da haben wir uns wohl nur verhört. Auch Söder spricht am Morgen danach nur noch von einem "Angebot", keinem "Anspruch" auf Regierungsbildung.

Und das ist am Ende auch alles, was der Union bleibt. Die Hoffnung, in den Sondierungsgesprächen überzeugen zu können. Und die stehen natürlich allen Parteien zu, die infrage kommen, eine Regierung für Deutschland zu bilden. Dennoch sollte Laschet seiner Union einen Gefallen tun und freiwillig auf das Kanzleramt verzichten. Ein Weiter-So kann und sollte es nicht geben. Ein freiwilliger Verzicht Laschets würde den Sondierungsprozess sowie die Koalitionsverhandlungen der anderen Parteien beschleunigen. Und dazu beitragen, dass die neue Regierung zeitnah ihre Arbeit aufnehmen kann.

Auch wenn der Gang in die Opposition schmerzlich sein wird, scheint er unausweichlich. Nachdem SPD, Grüne und FDP deutlich an Stimmen zugelegt haben, scheint der Wunsch nach einer Ampel-Koalition der Wählerinnen und Wähler deutlich. Jedenfalls deutlicher, als die Annahme Laschets, er solle neuer Bundeskanzler werden. Die Union hat als einzige Partei massiv verloren: Ein klares Indiz dafür, dass die Bürgerinnen und Bürger Laschet nicht als Kanzler haben wollen. Und diesen Wunsch sollte man in einer Demokratie ernst nehmen.