Die Leiche lag im Heizungskeller. Auf dem Weg nach unten gab Reißenweber seine ersten Erkenntnisse im Telegrammstil weiter. "Männlich, eins achtzig, Alter schwer zu sagen. Keine äußeren Merkmale von Gewalteinwirkung, Leichenstarre voll ausgebildet. Liegezeit mindestens acht Stunden. Fundort ist offensichtlich nicht der Tatort. Alles andere wird die Rechtsmedizin finden. Körpertemperatur, Zusammensetzung der Säure, genauer Todeszeitpunkt, der ganze Kram eben. Ich nehm' an, der liegt hier mindestens seit heut morgen, so fünf, sechs Uhr. Mit dem Stenglein-Fall im Hintergrund haben die aber schon mal ein Such-Schema."

Georg hatte sich wieder im Griff. Der perfide Unterton des anonymen Schreibens, mit dem ihm unterschwellig ein Mitklüngeln im Gemeindesumpf unterstellt wurde, hatte ihn damals schon zur Weißglut gebracht. Zum Glück hatten weder die Staatsanwaltschaft noch seine Kollegen dem Brief eine besondere Bedeutung zugeschrieben. Man vermutete, dass irgendein Spinner seinen Frust abreagieren wollte. Das würde sich mit dem zweiten Schreiben natürlich grundlegend ändern. "Gibd's irgendwelche Dapper ?" "Fußspuren ? Machst du Witze? Schau dich mal um. Hier ist die halbe Handwerkskammer von Oberfranken durchmarschiert, welchen Abdruck hätt'st denn gern g'sichert ? Ich vermute mal, der oder die Täter haben den armen Kerl hier abgelegt weil er gefunden werden sollte." "Oder weils'n schnell loswerd'n wolld'n. Des werd a lange Nachd."

Aus 23 vollen Aktenordnern kroch der Geruch von Inkompetenz. Zumindest kam es Georg so vor. Tamara stand an der Kaffeemaschine und versuchte, die nervigen Piep-Töne durch die Zugabe von Wasser und Bohnen abzustellen. "Mir müss'n alles noch amal durchgehn. Irgendwas ham mir damals übersehn. Der Schdenglein had a Dechdl-Mechdl g'habd. Die hadder ganz kald abserwierd. Sandra Koller. Mir ham uns da ins falsche Modiv verrend. Die wars ned." "Die Affäre ist aufgeflogen und der Bürgermeister hatte Mühe, die Heile-Welt-Fassade im Haus der braven Tochter wieder gerade zu rücken. Für die Tatzeit hatte er ein Alibi. Schafkopf-Turnier im Ochsen. 28 Zeugen, unter anderem ein gewisser Hauptkommissar Jäger."

"A halbe Sau beim Oggsn g'wonna, am Schluss hätt mi da Bfarrer fasd no weg g'rammd." Georg konnte sich noch genau an das Herz-Solo, Kontra, Re in der letzten Runde erinnern. Der Gemeindepfarrer Söllner wäre beinahe vom Glauben abgefallen. "Stenglein wurde als unsympathischer, egozentrischer Choleriker beschrieben. Seine Waffengeschäfte waren wohl auch nicht alle ganz sauber. Dauergast in der Spielbank Bad Kissingen, notorischer Verlierer.""Ja, ja die Schbielerei, a Deifelszeich."

Im Laufe der nächsten Stunden wurde die Pinnwand in ihrem Büro immer voller und Georg war beeindruckt vom kriminalistischen Ehrgeiz seiner neuen Kollegin. Fotos, Dokumente, Aussagen, Querverweise: Tamara war in ihrem Element.

Das Telefon klingelte in die Morgendämmerung hinein. Tamara, die kurz eingenickt war, fiel ein geöffneter Ordner vom Schoß. Auch die Rechtsmedizin in Erlangen hatte die ganze Nacht durchgearbeitet. Dr. Weber, eine 42-jährige, blitzgescheite, sehr attraktive Fachärztin - Georg traf sich immer wieder mal mit ihr - war am anderen Ende der Leitung. "Servus Bedra, habdern scho aafg'machd?" "Guten Morgen, Schorsch, ich bin ja wirklich kein Freund von Phrasen, aber diesmal geht's nicht anders. Also: Ich hoffe du sitzt gerade, denn was ich dir gleich sage, könnte dich umhauen." von K. K., Coburg


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Hinweis: Die Handlung und alle handelnden Personen sind frei erfunden. Jegliche Ähnlichkeit mit lebenden oder realen Personen wären rein zufällig