"Ich war grad aufm Weg zum ..." Das erneute Klingeln von Tamaras Handy unterbrach Georg. Ohne auf eine weitere Reaktion zu warten, hielt Tamara ihm ihr Handy vor die Nase. "Herr Reißenweber von der Spurensicherung." Georg griff nach dem unsäglichen Handy. "Gerd?" "Hoffentlich hast du heut' dein Mittags-Schäufele schon verdaut, sieht ziemlich übel aus hier." Reißenweber war nicht der Typ, der zum Fränkischen oder zu Übertreibungen neigte. "Gesicht und Hände sind nicht mehr zu erkennen. Irgendeine Säure, erinnert mich verdammt an den Fall ..." "Schdenglein, Walder Schdenglein."

Schlagartig war sie wieder da, die Erinnerung an den ungelösten Fall von vor drei Jahren. Georg war es gelungen, die Tatsache zu verdrängen, dass sie damals die Umstände des Mordes an dem Jagdwaffenhändler aus dem Nachbarort nicht aufklären konnten.

Das hatte an seiner Ehre gekratzt - und von der Presse wurde er auch nicht geschont. Können Sie nicht, oder wollen Sie nicht, Herr Jäger? Das anonyme Schreiben lag immer noch in seinem Schreibtisch. "Gerd, mir sin in fümf Minuddn bei dir. Is' die Bresse scho da?" "Nein, aber in fünf Minuten kann viel passieren. Ich sag den Kollegen, sie sollen die Kameraden auf Distanz halten."

Auf dem Weg zum Baugebiet "Franken-Glück" - wer dachte sich eigentlich so bescheuerte Namen für Neubaugebiete aus? - registrierte Georg genervt, dass ihn Tamara mit Fakten geradezu bombardierte. "Walter Stenglein, ich habe die Akten studiert. Ursprünglich aus Forchheim, kurz vor der Insolvenz, verheiratet mit der Tochter des damaligen Bürgermeisters." "Ach was", dachte Georg. "Unzählige Hinweise aus der Bevölkerung. Keiner hat ihn leiden können. Irgendwie hatte man damals wohl das Gefühl, dass alle zusammenhalten würden. " "Ach was." "Nach 18 Monaten wurden die Ermittlungen eingestellt - Kein brauchbares Motiv, der Hauptverdächtigen konnte nichts nachgewiesen werden. Die Staatsanwaltschaft hat gekocht, sie hätte dieser Frau, wie war ihr Name nochmal, gerne..." "Hier geht's nei, da links."

Keine zwei Monate in der Dienststelle und schon alle ungeklärten Fälle gesichtet - klar, dass die keinen Freund hat, dachte Georg. Dabei fiel ihm auf, dass er sich mit seiner neuen Kollegin noch nicht einmal über private Dinge unterhalten hatte.

Das Haus, noch im Rohbau, stand am Rand des Neubaugebiets. Der Richtbaum hing mit seinen weißen und roten Bändern nach unten. Der Sturm in der vergangenen Nacht hatte leichtere Baumaterialien überall auf dem Grundstück verteilt. Zwei Streifenwagen und das Fahrzeug von Reißenweber und seinen Kollegen von der Spurensicherung standen auf dem Gehweg. Die Signallichter an den Autos waren aus. Die Streifenpolizisten unterhielten sich mit einer Frau und einem Mann. "Des bassd", dachte sich Georg, als er mit einem Nicken die Kollegen begrüßte, die Festbeleuchtung würde nur noch mehr Nachbarn anlocken. Reißenweber kam ihnen entgegen. In seinen Schutzklamotten sah er immer aus wie eine Weißwurst mit hellblauen Pantoffeln.

"Und ? Wie schaud's aus?" "Noch nichts gefunden, keine Papiere, keine besonderen Merkmale. Na ja, du kannst dir ja gleich selbst ein Bild machen. Das einzig Brauchbare, was er bei sich hatte, war dieser Zettel in seiner Jackentasche." Georg faltete das DIN A4 Blatt auf. Seine Knie begannen zu zittern, doch die Worte, die er las, ließen sich nicht einfach wegschlucken. Gerd und Tamara spürten wohl, dass etwas nicht stimmte. Tamara nahm Georg den Zettel aus der Hand. Können Sie nicht, oder wollen Sie nicht, Herr Jäger?
von K. K., Coburg


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