Vergangenen Sonntag haben die deutschen Bürger*innen zum 20. Mal einen neuen Bundestag gewählt. Nach einer unerwartet ruhigen Wahlnacht steht plötzlich eine Partei im Rampenlicht: Die FDP. Der feuchte Traum der deutschen Spitzenverdiener darf nun Kanzlermacher spielen.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird der Freiheitskämpfer in Gelb und Pink an der nächsten Regierung beteiligt sein. Alle möglichen Koalitionen benötigen die 11,5 Prozent der FDP um eine stabile Mehrheit zu formen. Nun gilt es Bündnispartner zu finden, mit welchen man die eigenen Agendapunkte nicht komplett aufgeben muss. Oder wie Christian Lindner sagen würde: "Nie gab es mehr zu tun."

FDP und Grüne - Kann das gut gehen?

Klammert man die Möglichkeit einer großen Koalition aus - was man im Übrigen getrost tun sollte - sieht jede mögliche Regierungskoalition ein Bündnis aus der FDP und den Grünen vor. Eine vermeintlich explosive Kombination, betrachtet man die Wahlkampf-Polemik. Dennoch zieht man oft am gemeinsamen Strang.

"Innovation statt Verbote" war das Motto der FDP in Sachen Klimaschutz - eine klare Positionierung gegen vermeintlich repressive Klimapolitik von Links. Hinzu kommt die Angst der FDP vor Steuererhöhungen, welche die Grünen jedoch eigentlich geplant hatten. Vor allem die der FDP so heiligen Spitzenverdiener wären davon betroffen. Auch dem von der CDU propagierten "historischen Linksrutsch" wollte sich die FDP entgegenstemmen, denn "die richtige Richtung", ist ja schließlich immer noch "durch die Mitte nach vorne".

Fakt ist dennoch: In der vergangenen Legislaturperiode lief die parlamentarische Zusammenarbeit zwischen der FDP und den Grünen erstaunlich gut, wie auch das FDP-Urgestein Sabine Leutheusser-Schnarrenberger zu Protokoll gibt. Insbesondere im zuvor so hart umkämpften Feld der Klimapolitik konnte man durch einen gemeinsamen Gesprächskreis "überraschende Gemeinsamkeiten" herausarbeiten.

"Wie es ist, kann es nicht bleiben"

Ein weiterer Faktor schweißt die gelb-grünen Königsmacher zusammen: Das Verlangen, die Dominanz der großen Koalition endlich zu brechen. "Wie es ist, kann es nicht bleiben", war einer der FDP-Leitsprüche im Wahlkampf und soll nun die Koalitionsverhandlungen prägen. Da die große Koalition aus Union und SPD wohl mittlerweile ein Relikt der Vergangenheit ist, müssen sich die Junior-Partner aus FDP und Grüne nun für ihren Kanzler entscheiden. Armin Laschet oder Olaf Scholz?

Während die Grünen eine inhaltliche Nähe zur SPD nicht abstreiten, wird einer Mehrheit der FDP-Anhängerschaft eine Tendenz zur Union nachgesagt. Gegen die Union spricht aus Sicht der FDP, dass sie wohl den Zorn der gesamten Republik auf sich ziehen, wenn sie Armin Laschet zum Kanzler machen. Immerhin ist die Union wirtschaftsnah und gegen Steuererhöhungen - allerdings ist sie auch nicht für die von der FDP geforderte Steuerreform.

Die SPD ist als stärkste Partei zwar gewillt den Kanzler zu stellen und Kompromisse einzugehen, will sich jedoch auch nicht unter Wert verkaufen. Nach den gebeutelten Jahren der Groko ist man bei der SPD auf der Suche nach neuer Stärke. Ob die FDP mit einer starken Forderung nach Steuererhöhungen und einer Reform des Sozialstaates zurechtkommt, steht in den Sternen.

Spannung bis zuletzt

Da die Grünen wohl zur SPD neigen werden, ist es einmal mehr an der FDP, sich für oder gegen ein Bündnis zu entscheiden. 2017 beendete Christian Lindner die Sondierungsgespräche zur Jamaikakoalition mit dem berühmt-berüchtigten Satz: "Es ist besser, nicht zu regieren, als falsch zu regieren." Wir können gespannt bleiben, wie es bei der Bundestagswahl 2021 ausgeht.