In der Regel alle vier Jahre im Sommer und Herbst wird es spannend: Die Bundestagswahl steht an – der Souverän (also wir alle) wählt eine neue Volksvertretung, die dann die Bundeskanzlerin (oder einen Bundeskanzler) wählt. Das sollte eigentlich aufregend sein, gerade in diesen Zeiten, in denen wir vor gigantischen Herausforderungen stehen. 

Aber bin ich die einzige Person, die gelangweilt und frustriert ist von diesem Wahlkampf, der kaum diesen Namen verdient? Anstatt inhaltlich hart geführter Debatten bekommen wir gefühlt nur Wiederholungen und Trash-TV geboten. Die Menschen in Deutschland haben Fragen: Wie gehen wir weiter mit der Corona-Pandemie um, wie begegnen wir der nahenden Klimakatrastrophe? 

Slogans aus dem letzten Jahrhundert und Ausreden

Als Antwort bieten uns unwillig wirkende Politiker*innen Slogans und Kampagnen von vorgestern. Die Union ergeht sich in „Rote Socken“-Rhetorik aus wahlweise den 50ern oder 90ern des vergangenen Jahrhunderts. Nach Konzepten und Ideen gefragt kommt nur diffuse Angstmacherei vor einem angeblichen „Linksrutsch“ und Absichtserklärungen, bei denen man schon fragen muss, was die unionsgeführte Regierung in den letzten 16 Jahren eigentlich so gemacht hat. 

Die SPD ist in der nachvollziehbar schwierigen Lage, einen Wechselwahlkampf zu machen, während sie in der Regierungskoalition beteiligt ist. Dabei kommt erwartbar eine Wunschliste heraus, die eine ähnliche Frage wie oben provoziert: „Warum habt ihr nicht längst?“ Die Antwort, die böse Union hätte eben immer das Gute und Richtige blockiert, mag zwar immer wieder korrekt sein, wirkt aber insgesamt wie ein Haufen Ausreden. So macht das mit Wahlkampf auch keinen Spaß. 

Die Grünen sagen Gerüchten zufolge sogar immer wieder inhaltlich durchdachtes, aber wirken dabei eher wie nette Schülersprecher*innen bei der Lehrerkonferenz. Irgendwie zu brav für einen Wahlkampf, bei dem doch eigentlich die Fetzen fliegen sollen. Wo die Union teilweise mit Schmutz wirft, wirken die Grünen eher handzahm. 

Macht dem "Wahlkrampf" ein Ende

Ganz ehrlich – so macht das doch keine Freunde und darüber hinaus auch nicht viel Hoffnung für die nächsten Jahre. Dabei bräuchten wir jetzt Visionen, Ideen und Mut, diese auch umzusetzen. Erlösen wir auch die Kandidat*innen von der Qual, in noch mehr Sendungen auftreten zu müssen, in denen sie wieder zu den gleichen Themen befragt und zu den gleichen Punkten nicht befragt werden und gebetsmühlenartig ihre Phrasen wiederholen müssen.

Wäre dies möglich, ich hätte nichts dagegen, dem Elend „Wahlkampf“ ein Ende zu setzen und die Wahl einfach um eine Woche vorzuziehen. Je weniger wir von diesem Trauerspiel ertragen müssen, desto besser ist es eigentlich – alles, was jetzt noch kommt, macht es nicht besser, sondern schlimmer.

Gut zu wissen für die Bundestagswahl 2021: