„Problem erkannt, Problem gebannt“ – dieses Sprichwort trifft für die Kitzinger Innenstadt nicht zu. Das zeigte sich am Montag in der Alten Synagoge beim zweiten Bürgerdialog.

Die Veranstaltung von Volkshochschule und Stadt soll Bürger, Verwaltung und Stadtrat ins Gespräch bringen, um nach Lösungen zu suchen. „Wohnen und leben in der Innenstadt“ ist ein Thema, das von den Teilnehmern des ersten Bürgerdialogs im November ganz oben auf die Prioritätenliste gesetzt worden war (wir berichteten).

Am Montag zeigte sich, dass Wunsch und Wirklichkeit weit auseinanderliegen und dass man, abgesehen von der Umgestaltung der Mainpromenade, nicht so richtig weitergekommen ist. Bauamtsleiter Oliver Graumann berichtete dazu aus dem Gutachten zur Integrierten Stadtentwicklung (ISEK) aus dem Jahr 2006 (www.kitzingen.info). Demnach betragen die Leerstände in Kitzingen lediglich drei bis vier Prozent, in der Altstadt liegen sie teilweise über 30 Prozent.

Graumann räumte ein, dass die Zahlen überarbeitet werden müssten. Kitzingen habe gute Chancen, die genutzt werden müssen. Graumann nannte die Lage am Main und vor allem die Altstadt. Er prognostizierte einen steigenden Wohnraumbedarf, da der Trend zu immer größeren Wohnungen gehe und es immer mehr Singlehaushalte gebe.

Der Bauamtsleiter stellte gleichzeitig einen Trend zum Leben in Altstädten fest und nannte als Beispiel Regensburg. Gleichzeitig stellte er einen Sanierungsstau in Kitzingen fest und beklagte das Fehlen von Wohnungen mit gehobenem Ausstattungsgrad. „Wohnungen guter Qualität werden nachgefragt“, so Graumann. Leider gebe es derzeit keine aussagekräftige Untersuchungsergebnisse. „Es braucht Leute, die Lust und Laune haben, in die Innenstadt zu investieren“, so Graumann. Er nannte das ehemalige Gasthaus Goldenere Löwe, wo ein Wohnprojekt entstehen soll.

Die Stadt solle mit gutem Beispiel voran gehen, forderten einige Versammlungsteilnehmer und nannten das ehemalige Markt-Café oder die ehemalige Stadtpost. Graumann erwiderte, das beides noch heuer angegangen werde.

Oberbürgermeister Siegfried Müller sagte, es habe Versuche gegeben, Häuser in der Altstadt zu erwerben, doch das sei an Preisvorstellungen „jenseits von Gut und Böse“ oder an der Uneinigkeit von Erbengemeinschaften gescheitert.

Christa Ley kritisierte das bucklige Kopfsteinpflaster, das älteren Leuten das Gehen erschwere. Jürgen Wohlfahrt beklagte wie Ley die fehlenden Einkaufsmöglichkeiten. Heiner Sauer und Ley stellten fest, dass immer mehr Parkplätze geopfert wurden und es den Bewohnern der Altstadt schwerer gemacht werde, ihre Fahrzeuge abzustellen. Eine Meinung, die auch Wolfgang Walter vertrat. Er kritisierte, dass bei Planungen die direkt Betroffenen nicht gefragt worden seien.

Graumann wies die Vorwürfe zurück. Das ISEK-Gutachten komme zu dem Ergebnis, dass es ausreichend Parkplätze gebe. Der OB verwies auf Parkplätze am Bleichwasen. Die Einkaufssituation sei in vielen Städten ähnlich. Man müsse eben zum Einkaufen hinausfahren. Dieser Trend sei nur schwer umkehrbar. Das Pflaster verteidigte Graumann mit Hinweisen auf das historische Bild der Altstadt und den Denkmalschutz.

Die Qualität der Innenstadt lasse sich nicht an Stellplätzen festmachen, zeigte sich Graumann überzeugt. Viel wichtiger sei das Umfeld und eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität.

Es wurde deutlich, dass am Marktplatz Wohnungen in den Obergeschossen nicht mehr nutzbar sind, weil keine Treppenhäuser mehr existieren, seit im Parterre große Läden entstanden. Eine Erschließung des Wohnraumes wäre zu teuer.

Ein Thema, das im Bürgerdialog am 6. Mai eine Rolle spielen wird, sind die Marshall Heights. Graumann und Müller sehen in den 736 Wohneinheiten eine Gefahr für den Wohnungsmarkt. Der OB warnte vor einem sozialen Brennpunkt, der dort entstehen könnte. Das sahen viele Kitzinger anders. Sie sahen eher einen Vorteil für die Innenstadt, wenn mehr Menschen in Kitzingen günstigen Wohnraum finden.