In allen Kulturen und zu allen Zeiten haben Menschen von ihren Toten Abschied genommen. Es ist ein urmenschliches Bedürfnis und Teil unseres Menschseins, dass wir nahe stehenden Verstorbenen die letzte Ehre geben, sie auf ihrem letzten Weg zum Grab begleiten möchten. Und es ist gut, wenn wir dies zusammen mit anderen tun. Das gemeinsame Trauern stärkt uns. Es gibt uns das Gefühl, nicht allein zu sein und den Schmerz des Verlustes zusammen zu tragen.

Deshalb war es gut und richtig, dass die Bayerische Staatsregierung die rigorose Beschränkung auf 15 Trauergäste, die während des ersten Lockdowns für Beerdigungen galt, aufgehoben hat. So können Familien und gute Freunde von ihren Angehörigen und Weggefährten würdig Abschied nehmen. Einfach ist der Gang zum Friedhof trotzdem nicht. Denn die Corona-Pandemie zwingt uns, bei der Trauerfeier  Abstand zu halten, in einer Lebenssituation, in der wir doch eigentlich den Wunsch nach Nähe und Gemeinschaft verspüren.

Es ist ein schwieriger Balanceakt. Auf der einen Seite muss die Infektionsgefahr eingedämmt werden. Auf der anderen Seite darf aber auch die menschliche Würde und das, was uns zu Menschen macht, nicht gänzlich verloren gehen. Zwischen diesen beiden Polen muss die Politik immer wieder abwägen. Keine leichte Aufgabe. Bleibt zu hoffen, dass die Corona-Pandemie in nicht allzu ferner Zeit besiegt wird ¬- und wir uns dann wieder so verhalten können, wie es unserer menschlichen Natur entspricht.