Erneut stand der Bebauungsplan für das Baugebiet "Am Graben" auf der Tagesordnung des Kleinlangheimer Marktgemeinderates. Nachdem der erste Anlauf daran gescheitert war, dass ein Normenkontrollverfahren aufgrund der Klage eines Bürgers drohte, wurde am Dienstagabend der einstimmige Beschluss gefasst, dass nun Aufhebung und Aufstellung im Parallelverfahren durchgezogen werden.

Im Unterschied zum ersten Anlauf mit dem damaligen einstufigen Verfahren werden die Träger der öffentlichen Belange jetzt zweimal gehört "und die erste Phase mit der öffentlichen Auslegung der Planunterlagen vom 22. Mai bis 22. Juni ist schon vorbei", wie Bürgermeisterin Gerlinde Stier erklärte.

Kurz und schmerzlos ging denn auch die Aufhebung des Bebauungsplans unter der Federführung von Tobias Schramm vom Planungsbüro TIG über die Bühne. Die Regierung von Unterfranken bat um den rechtskräftigen Bebauungsplan nach Abschluss des Verfahrens.

Stellungnahmen  von Bürgern hatten es in sich 

Dagegen hatten es die Stellungnahmen zur Aufstellung des Bebauungsplans in sich und es war über einen langen Zeitraum höchste Konzentration angesagt, um alle Aussagen verarbeiten zu können. Schramm verlas die Stellungnahmen und auch die entsprechenden Antworten, die vom Planungsbüro in Zusammenarbeit mit der Verwaltung ausgearbeitet worden waren.

Ein Bürger hielt zum Beispiel ein reines Wohngebiet (WR) für besser als ein allgemeines Wohngebiet (WA), kritisierte den Lärmschutzwall als nicht vorteilhaft für das Ortsbild, befürchtete steigende Kosten  – "bis zu 2,4 Millionen Euro" – für die Erschließung und hielt andere Aufgaben generell für wichtiger. In der Antwort dazu hieß es, dass der dörfliche Charakter durch das Baugebiet nicht beeinflusst, das Oberflächenwasser ordnungsgemäß entsorgt werde und die Gesamtkosten nur geringfügig höher liegen dürften.

Im Schreiben des Bürgers kam außerdem, wie auch in anderen Aussagen, zum Ausdruck, dass es im Ort Leerstände gebe, die genutzt werden sollten. In den entsprechenden Stellungnahmen wurde hauptsächlich darauf verwiesen, dass die Grundstücksbesitzer nicht zum Verkauf bereit seien, da der Platz für  Nachkommen aufgehoben werde.

Kein Baugebiet für Kleinlangheim vorgesehen

Ein Ehepaar hatte Bedenken wegen des Oberflächenwassers und befürchtete eine Veränderung des Grundwasserspiegels, der aber jahreszeitlichen Schwankungen unterliege und keine besondere Planung erfordere, so die Antwort. Ein weiteres Ehepaar verneinte den Bedarf an Bauland und verwies auf die Aussage des Landesentwicklungsplans, der für Kleinlangheim kein Baugebiet vorsehe, zudem fordere der Gesetzgeber auf, die Wirtschaftlichkeit zu beachten. Die Umwandlung von Ackerland in Siedlungsgebiet wurde für nicht gut empfunden, da auch zu befürchten sei, "dass junge Familien am Ortsrand und ältere Menschen im Ort wohnen".

In der Stellungnahme des Amtes für ländliche Entwicklung dazu heißt es, dass Bauland nach Bedarf ausgewiesen werden müsse und der Bericht des Landesentwicklungsplans aufgrund der Entwicklung auf dem Bausektor überholt sei. Die Sanierung von Kanälen und die Fremdwasserbeseitigung entschärfe die Hochwassergefahr und komme allen zugute. Die Reaktivierung von Bauland im Gebiet "Geisberg" sei wegen der Nähe der Autobahn, die jetzt auch noch erweitert werde, nicht möglich und "der Bedarf von Bauland ist nach wie vor hoch, die Gemeinde muss gegen Überalterung vorgehen und auch viele andere Kommunen weisen Baugebiete aus".

Träger öffentlicher Belange hatten kaum Einwände

Die meisten Träger öffentlicher Belange äußerten sich nicht zur Aufstellung des Bebauungsplans oder hatten keine Einwände. Das Landratsamt bat um Ergänzung einiger Details, bei denen es in der Hauptsache um Umwelt- und Naturschutz ging. So lehnte das Amt genauso wie der Bund Naturschutz die invasive Art "Kirschlorbeer" als Bepflanzung im Baugebiet ab. Das Ratsgremium beschloss einstimmig, dass zu den vorgetragenen Bedenken, Einwänden oder Anregungen keine Änderung der Bauleitplanung erfolgen soll.