Rüdenhausen

Kirchweih Rüdenhausen: Zwei Trommler für die Tradition

Am Wochenende wird in Rüdenhausen Kirchweih gefeiert. Die Tradition wird dabei ganz hoch gehalten.
Sie geben den Takt vor beim Auszug der Bürgerwehr in Rüdenhausen: Die Trommler Thorsten Götzelmann und Michael Müller, in der Mitte Jürgen Bock mit der Scheibe. Foto: Andreas Stöckinger
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Bei der Kirchweih in Rüdenhausen von Freitag, 26. August, bis einschließlich Dienstag, 30. August, spielt neben Musik und Tanz die Tradition eine große Rolle. Der wichtigste Punkt dabei ist für viele der Dienstag, wenn die Bürgerwehr auszieht. Der Ablauf ist im Großen und Ganzen noch ähnlich, wie er beim ersten Mal um 1620 war. Auch die Symbolfiguren, die so genannten Chargierten, sind die gleichen.

Zu diesen gehören Thorsten Götzelmann und Michael Müller. In Frack und Zylinder gekleidet, kündigen sie bereits am Montagabend mit den Trommeln bei einer Runde durch den Ort das Ereignis an: Den Auszug der Bürgerwehr am Dienstag.

Das ist für viele der männlichen Rüdenhäuser ein ganz besonderer Tag. Darauf, wie eigentlich auf das gesamte Wochenende, freut man sich heuer erst recht. Schließlich fiel das Fest zuletzt zwei Jahre wegen der Pandemie aus. "Die fünf Kirchweih, das sind richtige Feiertage in Rüdenhausen. An der Kerm sind gefühlt alle Leute gut gelaunt", erklärt Thorsten Götzelmann das Ganze.

Er kannte das nicht, als er vor fast 25 Jahren nach Rüdenhausen gezogen war. "Kirchweih war für mich sonst Rummelplatz und Kommerz. Darum geht es hier nicht. Ich finde es gut, dass man versucht, diese Traditionen aufrecht zu halten." Von Anfang an machte er das Spektakel in Frack und Zylinder mit.

Gemeinschaftsgefühl im Ort

Sein trommelndes Pendant Michael Müller ist ein "Ur-Rüdenhäuser". Man spüre an den Kirchweihtagen noch so etwas wie Gemeinschaftsgefühl im Ort, sagt er. Man trifft sich, man unterhält sich, man feiert zusammen. Viele, die früher in Rüdenhausen wohnten, kommen eigens an dem Wochenende wieder einmal zurück.

"Vorfreude pur" sei es für Michael Müller, wenn er an seinen Einsatz als Trommler denkt. Er bewarb sich einst für den Posten, als einer gesucht wurde. Für Müller ist klar, er werde das so lange machen, wie er dazu in der Lage ist. Egal wie, den Job gebe er nicht mehr her, hat er beschlossen. Die Kirchweih zelebriert er regelrecht. "Am Montagnachmittag lege ich schon den Frack heraus, probiere den Zylinder. Dann werden die Trommeln im Rathaus abgeholt", schildert Michael Müller seinen Ablauf.

So langsam los geht es dann am Montagabend, wenn unter der Führung eines Unteroffiziers die Teilnehmer des Zapfenstreichs in Frack und Zylinder eine kurze Runde durch den Ort machen. Dabei geben Götzelmann und Müller den Takt als Trommler an.

Geübt wird vorher nicht. Während Müller früher beim Spielmannszug war, besaß sein Kollege zuvor keinerlei musikalische Erfahrung. Nach kurzem Üben klappte es einigermaßen. "Man braucht etwas Rhythmusgefühl. Den Trommelschlag kann ich mittlerweile", schildert es Thorsten Götzelmann.

Treffen in aller Herrgottsfrühe

Am Kirchweih-Dienstag treffen sich beide dann in aller Hergottsfrühe. Die erste Station ist jedes Jahr dieselbe. "Mit Glockenschlag sechs Uhr ziehen wir ins Schloss ein und trommeln den Weckruf", berichtet Götzelmann. Dort werde man schon vom Fürsten erwartet und zu einer kleinen Stärkung eingeladen.

Vom Schloss aus laufen Thorsten Götzelmann und Michael Müller gemeinsam alljährlich dieselbe  Route durch die Straßen im Ort. "Manche erwarten uns schon. Da gibt es dann alles, Kaffee, Brötchen, Bier, oder einen Schnaps", erläutert Götzelmann. Ein kurzer Plausch mit den Spendern, und weiter geht's.

An manchen Anwesen haben die Bewohner extra einen festen oder flüssigen Gruß für die Trommler nach draußen gestellt. "Wir wissen schon die Stationen", meint Müller mit einem Zwinkern. Nach anstrengenden zwei Stunden und dreieinhalb Kilometern Strecke haben die Trommler ihre Runde absolviert.

Feierabend-Lied der Schlusspunkt

Beim zweiten Mal kurz vor 12 Uhr fällt die Strecke kürzer aus und ohne großen Zwischenstopp. Die beiden Trommler erinnern mit dem Signal an das Aufstellen der Bürgerwehr. Die trifft sich kurze Zeit später vor dem Rathaus und zieht zum Schloss, wieder mit den Trommlern als Taktgeber. Abends geht es wieder in den Ort, über Umwege zum Rathaus, wo das Feierabend-Lied den offizielle Schlusspunkt macht. Dann verschwinden die Trommeln wieder ins Rathaus, bis zum nächsten Jahr.