Einen "ungewöhnlichen Tagesordnungspunkt" kündigte Bürgermeisterin Ingrid Reifenscheid-Eckert zu Beginn der jüngsten Gemeinderatssitzung am Mittwochabend in der Sporthalle in Willanzheim an. Die Vereidigung neuer Siebener fände normalerweise beim Siebenertag statt, aber da Corona einen Strich durch diese Rechnung mache, ginge die Zeremonie nun vor dem Ratsgremium und den anwesenden Feldgeschworenen über die Bühne. Die Bürgermeisterin vereidigte Johannes Eger und Ratsmitglied Tobias Haupt als neue Feldgeschworene.

Das Siebeneramt hob Reifenscheid-Eckert als "ältestes kommunales Amt" hervor, dessen Unterlagen bis weit in das 17. Jahrhundert zurückreichen. "Amt und Wissen werden von Generation zu Generation weitergegeben und erfreulicherweise wird jetzt wieder großer Wert auf die Flurgänge gelegt", sagte sie. Die Bürgermeisterin würdigte auch den Einsatz von Siebenerobmann Siegbert Mauckner, "der mittlerweile 25 Jahre im Amt und Garant für gute Zusammenarbeit ist". Ein Dankeswort, das in der Runde mit Beifall quittiert wurde.

Innenentwicklung vor Außenentwicklung

Zügig ging die Abwägung der Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange zum Baugebiet "Sommerried II" in Hüttenheim über die Bühne, die Tobias Schneider vom Büro Arz vornahm. Er berichtete, dass 35 Träger angefragt worden waren, von denen die meisten sich nicht mehr äußerten. Die Regierung von Unterfranken war wie auch der regionale Planungsverband "im Großen und Ganzen" mit der Planung einverstanden, beide regten aber an, den Bereich nördlich von Hüttenheim zu entnehmen. Der Gemeinderat teilte dieses Ansinnen nicht, da die Innenentwicklung Vorzug vor der Außenentwicklung habe, eine Herausnahme wurde abgelehnt.

Das staatliche Bauamt verwies auf die Bestimmungen bezüglich der Staatsstraße, die es zu berücksichtigen gelte. Dazu kam die Formulierung, dass die Verkehrsbelastung auf der Staatsstraße beachtet werde, es aber keine erhöhte Anforderungen bezüglich des Schallschutzes gebe. Das Amt für ländliche Entwicklung fand das Baugebiet "zu groß". Dem wurde entgegengehalten, dass es sich um ein Mischgebiet handle, weshalb auch gewerbliche Nutzung möglich sei. Die Regierung von Oberfranken und das Bergamt Nordbayern verwiesen auf die Erweiterungsfähigkeit der Firma Knauf, die nicht gemindert werden dürfe.

Die Bürgermeisterin verwies darauf, dass schon in der ersten Runde umfangreiche Stellungnahmen erfolgten. Die Ausweisung dieses Baugebiets sei notwendig, da der Bedarf an Bauland "unverändert hoch ist und wir zudem seit längerer Zeit kein Baugebiet ausgewiesen haben". Die Stellungnahme des Amtes für ländliche Entwicklung entspreche deshalb nicht ganz der Realität, auch wenn sie jetzt in der zweiten Runde abgemildert sei, "denn für junge Familien brauchen wir diesen Bebauungsplan, wenn nichts verkauft wird".

Lange Wartezeiten beim Baumaterial

Der Satzungsbeschluss und die dritte Änderung des Flächennutzungsplans wurden einstimmig getroffen, beides wird ortsüblich bekannt gemacht. Die Bürgermeisterin erhoffte sich eine baldige Ausschreibung und einen möglichen Baubeginn im Herbst, zu dem Schneider aber Bedenken äußerte, da es derzeit sehr schwer sei, das nötige Material zu bekommen, "das ist derzeit ein Trauerspiel". Wenn man jetzt bestelle, könne man mit der Zusage erst im Herbst rechnen. "Das ist wie in der DDR", lautete dazu ein Kommentar aus der Ratsrunde. Schneider verwies zudem auf die Baugrunduntersuchung, deren Ergebnisse man mit Spannung erwarte: "Wir werden schauen, wie es dann im Herbst aussieht".