Schon als kleiner Junge interessierte sich Robert Endres für die heimische Vogelwelt. "Während andere Fußballbildchen einklebten, hab' ich Vogelbilder gesammelt." Damals war Endres neun Jahre alt. Heute steckt der 65-Jährige als Kreisverbandsvorsitzender des Landesbundes für Vogelschutz (LBV) sehr viel Zeit in die Vereinsarbeit. Denn er weiß: Wenn den gefiederten Zeitgenossen niemand hilft, wird es viele Arten bald nicht mehr geben.
Heute ist der internationale Tag des Artenschutzes, der auf die Situation der Vögel, aber auch der Säugetiere, Pflanzen und Amphibien aufmerksam machen soll. Denn rund ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten sind auch im Raum Kitzingen vom Aussterben bedroht. Von 50 wildlebenden Säugetierarten stehen 22 auf der Roten Liste - darunter Hamster, Baummarder und mehrere Fledermausarten. Von den rund 110 Brutvogelarten muss man um die Hälfte bangen. Bei Fischen, Lurchen und Kriechtieren sieht es kaum besser aus, ganz zu schweigen von den Insekten: Allein 50 Schmetterlingsarten nennt die Rote Liste. Die Zahl der bereits aus dem Landkreis verschwundenen Pflanzenarten übersteigt gar die 100.

Landschaft hat sich verändert


"Der Mensch braucht viel Platz", sagt Dieter Lang von der Unteren Naturschutzbehörde lapidar. Schuld am Artensterben sei schlicht und einfach die Veränderung der Landschaft durch Flurbereinigung, intensive Land- und Forstwirtschaft, Straßen- und Siedlungsbau. "All das verbraucht Natur und trägt zur Zerstörung von Lebensräumen bei." Zuerst leiden auf Nischen spezialisierte Tiere darunter, wie der Ortolan oder einige Krötenarten. "Inzwischen haben aber auch Feldhasen oder Rebhühner Probleme, die keine spezielle Umgebung brauchen - aber trotzdem Lebensraum und Nahrung." Eine Mitschuld trage sicher auch der Klimawandel und die zwar illegale, in südlichen Ländern aber immer noch verbreitete Praxis, Zugvögel als Delikatesse zu verzehren. "Einen Alleinschuldigen gibt es nicht", so Lang.
"In den nächsten 20 Jahren wird sich der Artenrückgang noch viel stärker bemerkbar machen", prognostiziert Robert Endres. Trotzdem gibt er nicht auf. Einer der Schwerpunkte des LBV im Landkreis liegt auf dem Ortolanschutz, von dem auch die seltene Grauammer und Feldlerchen profitieren. Auch der Eulenschutz ist Endres und seinem langjährigen Mitstreiter Otto Holinski sehr wichtig. "Wir haben es geschafft, dass die Schleiereule wieder fast in jedem Ort im Landkreis Brutplätze findet", erklärt Endres stolz. Dem Uhu - der größten Eule der Welt - geht es ebenfalls wieder gut. "Noch vor zehn Jahren war er bei uns komplett verschollen", so Holinski. Der 83-Jährige ist Experte, was die Kartierung von Vögeln angeht. Gemeinsam mit anderen Aktiven macht er jedes Jahr Bestandsaufnahmen, sitzt stundenlang in der Natur und zählt Wasservögel oder Waldschnepfen. "Man braucht viel Geduld dazu und ein gutes Gehör."

Im Kleinen anfangen


Eine Aufgabe also, die nicht jedem liegt. Trotzdem kann jeder etwas für den Artenschutz tun. "Man kann seinen Nutzgarten vielfältig gestalten mit einer Feuchtfläche und einer 'Schlamperecke'", schlägt Endres vor. Damit meint er ein Stück Wiese oder Büsche, die über den Winter stehen bleiben dürfen, als natürliches Nahrungsangebot und Deckung für Vögel. Wer Platz hat, kann auch Strauchschnitt liegen lassen - für die Igel. "Das sieht vielleicht nicht ganz so schön aus, sichert aber vielen Tieren das Überleben im Winter." Wer Obstbäume hat, könnte zudem Bäume mit Bruthöhlen erhalten.
Dasselbe sagt Dieter Lang: "Wir müssen die Sauberkeitsmanie aus den Köpfen bringen." Wiese ansähen, Laub liegen lassen, vielleicht einen Sandhaufen für Insekten aufschütten. "Es müssen nicht immer englischer Rasen und Tulpenbeete sein." Natürlich sind auch die Landwirte gefordert, Stoppelfelder oder Grasstreifen über den Winter stehen zu lassen. Als einfache Maßnahme schlägt Endres vor, im Spätherbst Kleeböcke als Sitzwarte für Raubvögel aufzustellen. "Das kostet nichts und die Vögel sind die billigsten Mausefallen."
Es gibt viele Möglichkeiten, dem Artensterben entgegenzuwirken. Und jeder kann mithelfen - damit wir uns jedes Frühjahr aufs Neue über das vielstimmige Konzert der Vögel freuen können.

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