Man trifft sich im Leben immer zweimal. Und manchmal werden dann Wünsche, die gestern unerfüllbar schienen, doch noch wahr. Diese Erfahrung hat auch Bernhard Schlereth gemacht, der Präsident des Fastnacht-Verbandes Franken (FVF), als er vor einigen Jahren daran ging, das Fastnachtmuseum in Kitzingen neu zu konzipieren, den Nachfolgebau für den aus Brandschutzgründen nicht mehr zeitgemäßen Falterturm.

Nur allzu gerne hätten Schlereth und seine Mitstreiter seinerzeit zum Haus in der Luitpoldstraße 4 auch noch Nummer 6 erworben. Das hätte die Planungen für die nationale Heimstatt der Narren erheblich erleichtert – doch das Haus war damals nicht zu bekommen. Also entstand zwischen den Gebäuden in der Rosenstraße und der Luitpoldstraße notgedrungen ein „Schlauch“, einhergehend mit gewissen Unannehmlichkeiten für Besucher: Der Vorraum am Eingang Luitpoldstraße 4 ist beengt, es gibt kaum Platz für Garderoben, die Toilette ist am anderen Ende des Museums, und Rollstuhlfahrer müssen generell den Umweg über die Rosenstraße nehmen.

Baulich ging das nicht anders, dem Erfolg des Museums tat dies keinen Abbruch: Fast 17 000 Besucher waren seit der Eröffnung im November 2013 da, haben die vorsichtige Kalkulation von 5000 pro Jahr in 22 Monaten locker übertroffen. Wenn alles gut geht, könnten noch in diesem Monat die Weichen für eine weitere Millionen-Investition gestellt werden, mit der die angesprochenen Probleme behoben sowie Platz für eine Akademie mit einem Multifunktions-Veranstaltungssaal geschaffen werden sollen. Erste Voraussetzung dafür war der Erwerb der Häuser Luitpoldstraße 6 und 8 durch den Fastnacht-Verband Franken (wie berichtet) vor wenigen Wochen. Denn die Lebensplanung des Eigentümers von Haus Nummer 6 hatte sich inzwischen geändert, er signalisierte Verkaufsbereitschaft.

„Wir könnten einen Veranstaltungsraum für bis zu 400 Besucher schaffen.“
Bernhard Schlereth, Präsident des Fastnacht-Verbandes Franken

„Als wir das erfuhren, waren die Verhandlungen für den Kauf von Haus Nummer 8 schon weit fortgeschritten. Und plötzlich ergab sich die Chance, die Weichen für die langfristige Zukunft des Museums perfekt zu stellen“, erklärte Bernhard Schlereth bei einem Treffen am Montag in Veitshöchheim.

Seit dem Kauf ist viel passiert: Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege hat die Gebäude begutachtet, grünes Licht für Veränderungen erteilt. Der Kitzinger Architekt Karl-Heinz Schmidt hat Pläne gezeichnet, die Bauvoranfrage wurde positiv bewertet. Und jetzt geht es laut Schlereth darum, ob die benötigten Mittel aus der Städtebauförderung freigegeben werden oder nicht. „Wenn die Regierung von Unterfranken und die Stadt Kitzingen ja sagen, können wir mit weiteren Zuschussgebern verhandeln und 2016 die Planung verfeinern“, so Schlereth zum günstigsten Szenario, das einen Baubeginn 2017 und eine frühestmögliche Fertigstellung im Herbst 2018 vorsieht.

Ohne die Städtebauförderung, die im Fall von Kitzingen bei 60 Prozent liegt, müssten die Erweiterung und die vorgesehenen Verbesserungen warten. Schon bald soll in den Schaufenstern der leer stehenden Häuser Närrisches zu sehen sein, später gegebenenfalls auch die Erweiterungspläne. „Wir könnten mit Hilfe von Emporen, die eigene Notausgänge bekämen, einen Veranstaltungsraum für bis zu 400 Besucher schaffen“, erläutert Schlereth. Einen Raum also, der Kitzingen fehlt, der auch für Kultur und andere Veranstaltungen genutzt werden könnte.

Hinzu kommt die „Akademie Fasching, Fastnacht, Karneval“, eine Bildungseinrichtung für die Vereinsarbeit, für Lehrgänge mit Trainern oder Ehrenamtlichen, für Schulklassen und wissenschaftliches Arbeiten. „Schon jetzt sind wir mit den Hochschulen in Würzburg und Bamberg im Austausch, arbeiten gut zusammen“, erzählt Schlereth.

Den Fastnachtvereinen wird das Konzept in den anstehenden Versammlungen erläutert. Schlereth rechnet mit hoher Zustimmung. Demnach sieht es gut aus für Kitzingen und seine Position als närrische Hochburg.