Für ihn war es eine völlig andere Welt: Alphonse Amath Sarr ist Landwirt in Kaolack, der Partnerdiözese der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) Würzburg im Senegal. Im November war er erstmals zu Besuch in Deutschland.

Seien es die großen Maschinen in der Landwirtschaft, Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern oder schlichtweg Schneeflocken, die vom Himmel fielen - der Senegalese sah vieles in dieser Form zum ersten Mal.

Vielfältig gestaltete sich das Programm für den 56-Jährigen bei der KLB-Ortsgruppe Euerfeld. Er besuchte deutsche Bauernhöfe, eine Biogasanlage, einen Kartoffelschälbetrieb, einen Ökogärtner und einen Biobauernhof.
"Man kann sich das gar nicht vorstellen, wenn man das noch nicht gesehen hat", sagte Sarr.
Er half bei seinem dreiwöchigen Besuch in Euerfeld bei Rudi Scheller im Kuhstall und begutachtete den Schweinestall von Eduard Mack. Es waren vor allem Maschinen wie Mähdrescher und Traktor, die ihn beeindruckten. Letzteren durfte Sarr zum ersten Mal in seinem Leben fahren.

In seiner Heimat, einem kleinen Dorf nahe Kaolack, ist vieles noch Handarbeit und vergleichbar mit der Landwirtschaft, wie sie in Deutschland vor der Industrialisierung war.

Überrascht war der Senegalese auch von den Arbeitszeiten der deutschen Landwirte: In seiner Heimat würden viele mit weitaus weniger Elan an die Arbeit herangehen. Daran schuld seien vor allem fehlende Alternativen zur Landwirtschaft. Das hat laut Sarr auch nachhaltigen Einfluss auf die Lebensmittelproduktion in seinem Land: Die Regierung subventioniere zwar die Landwirte, soweit es ihr möglich ist, jedoch "deckt die landwirtschaftliche Produktion nicht die Nachfrage ab".

Hinzu kommt die Landnahme durch reiche Industrieländer, die nach Auskunft des Senegalesen zum Glück noch nicht seine Heimat betrifft. Er bezeichnet diese als "andere, neue Form der Kolonialisierung".

Noch viel ausgeprägter als in Deutschland sei im Senegal jedoch die Rolle Gottes, die Rolle des Glaubens: "Unabhängig von der Tätigkeit ist Gott allgegenwärtig. Die Landwirtschaft ist für uns eine Berufung, ein Auftrag, den uns Gott gegeben hat." Sarr ist deshalb auch Diözesanvorsitzender im Landvolkverband ,Marcs', dem senegalesischen Pendant zur KLB. Der Landwirt berichtet, dass es die einzige Organisation im Senegal sei, bei der das Wort Gottes eine solch entscheidende Rolle spiele.

Besonders beeindruckte Sarr der Besuch einer Ökogärtnerei in Schwarzach. Da könne man noch viel lernen, zum Beispiel die Verwendung von Gründung für einen fruchtbareren Boden.

Allgemein sieht er in einem Erfahrungsaustausch zwischen KLB und Marcs, der bereits seit 1981 als Partnerschaft besteht, eine große Chance: Der 56-Jährige zählt dabei unter anderem den Austausch von Arbeitspraktiken, Kenntnisse im Bereich der Seelsorge und die Zusammenarbeit mit anderen Religionen auf.
In Euerfeld wurde dies an einem Abend konkretisiert, der von den Mitgliedern rund um die beiden Vorsitzenden der Ortsgruppe - Otto Kram und Claudia Mack - als eine große Fragerunde initiiert wurde. Untergebracht war der senegalesische Landwirt beim ehrenamtlichen KLB-Vorsitzenden Gerd Schneider.
Für die Zukunft und insbesondere für die Landwirtschaft im Senegal wünschte sich Sarr eine noch bessere Zusammenarbeit mit anderen Landwirten, die bessere Einhaltung von Regeln und Gesetzen sowie eine Modernisierung und Motorisierung für ein effektiveres Arbeiten.