Gerne nahm Kurt Lamparter, Vorsitzender der Sängergruppe Kitzingen, die Einladung zum Ehrenabend des Männergesangvereins Wiesenbronn im Gasthaus „Schwarzer Adler“ an. „Denn dieser Abend gehört alleine den Geehrten“, meinte Lamparter. Der Ehrenabend bildete einen der Höhepunkte im Jahr des 120-jährigen Vereinsbestehens.

„Heute ist ein Abend der Ehre und des Dankes“, betonte der Sängergruppen-Vorsitzende. „Ein Chorleiter muss manchmal gestreichelt werden“, ließ Lamparter wissen und leitete damit auf die Ehrung von Harald

„Bei der Jugend ist es uncool, im Chor 'Am Brunnen vor dem Tore' zu singen.“
Bürgermeisterin Doris Paul

Hader über. Lamparter überreichte ihm die Ehrennadel in Silber des Fränkischen Sängerbundes (FSB) für 25 Jahre Singen. Er hatte im Jahr 2003 die Chorleiter-Position von seinem Vater Heinz Hader übernommen und ist musikalisch die tragende Säule des Chors.

Manfred Klein erhielt nach 25 Jahren die gleiche Auszeichnung. Die Ehrennadel in Gold des FSB nahmen nach 40 Jahren Paul Gärtner, Heinrich Wilhelm, Lothar König und Emil Storch entgegen.

Gar 60 Jahre frönen mit Heinrich Neubauer und Willi Krauß dem Chorgesang. „Das ist fast nicht mehr zu überbieten“, beschied Kurt Lamparter, als er dem Hausherrn Heinrich Neubauer die Ehrennadeln des FSB und der Deutschen Chorverbandes ans Revers heftete. Vereinsvorsitzender Gerhard Müller würdigte die Leistung des 80-jährigen Neubauer und des ein Jahr jüngeren Willi Krauß und ernannte sie zu Ehrenmitgliedern.

Gerhard Müller zeichnete außerdem Männer für Vereinstreue zwischen 25 und 60 Jahren aus. Wie sich offenbarte, waren auch mehrere ehemalige Sänger darunter, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr unter den Aktiven sind, dem Verein aber weiter verbunden sind: Friedrich Rammling, Michael Hofmann, Christian Greifenstein, Lorenz Düll (alle 60 Jahre), Fritz Ackermann (50 Jahre), Hans Wolf, Alfred Wehrwein, Willi Gebert, Helmut Fröhlich, Georg Paul (alle 40 Jahre), Georg Stock (25 Jahre).

Bürgermeisterin Doris Paul riss das Problem von Männerchören an, jüngere Sänger gewinnen zu können. Bei der Jugend sei es „uncool“, im Chor „Am Brunnen vor dem Tore“ zu singen. Der Ehrenabend sei eine gute Gelegenheit, zu beweisen, wie schön das Singen im Chor ist. „Traditionen zu erhalten ist für uns in Deutschland sehr wichtig“, fügte Kurt Lamparter, Vorsitzender der Sängergruppe Kitzingen, an. Doris Paul freute sich, ihren Casteller Amtskollegen Jochen Kramer und die Mitglieder des Casteller Gesangvereins und deren Chorleiterin Eva-Maria Ullrich begrüßen zu können. So sagte sie, sie könne sich vorstellen, dass beide Vereine in Zukunft zusammenarbeiten könnten. Das zeigte sich auch optisch und akustisch als beide Chöre zusammen das Bundeslied „Brüder reicht die Hand“ zum Besten gaben. „Ihr habt das zusammen hervorragend gesungen“, lobte Lamparter. Da der Wiesenbronner Männergesangverein auf 120 Jahre seines Bestehen blickt, kündigte Doris Paul an, dass der Verein von der Gemeinde 120 Euro zum Erwerb von Notenmaterial bekommt.

Der Männergesangverein wurde 1893 gegründet; das Vereinsklavier der Sänger stand im Gasthaus „Grünen Baum“. Nur zwei Jahre später war das Klavier schon 1895 kaputt, wie Rosemarie Hofmann aus der Vereinsgeschichte plauderte. Da der Verein nicht die Mittel für ein neues Klavier hatte, finanzierten die Sänger es damals durch die Ausgabe von Aktien. Einst war der jeweilige Dorfschullehrer grundsätzlich der Chorleiter im Dorf. Da die Lehrer oft die Schule wechselten, kommt der Verein in seinen 120 Jahren auf bislang 23 Chorleiter.

Im Jahr 1925 schafften die Sänger die Vereinsfahne an, deren Bänder heute dringend eine Sanierung nötig haben. Während der beiden Kriege ruhte das Vereinsleben. 1949 bei Wiedergründung war der Andrang sehr groß. Aufwändig feierte der Verein sein 60-jähriges Stiftungsfest mit Landrat Oskar Schad als Schirmherr 1953 und noch größer begingen die Wiesenbronner die Feier ihres 100-jährigen Bestehens.