Die Stadt ist faszinierend – die engen Gassen, die Weite am Fluss, die vielen Türme. So beschreibt Jean-Louis Vidiere Kitzingen. Der Dozent an der Technischen Universität Berlin war mit Studenten des Masterstudiengangs Bühnenbild und Szenischer Raum zu Besuch in der Stadt, um Ideen für die „Kulturzeichen Kitzinger Land“ im Sommer zu sammeln.

Die „Kulturzeichen“ sind das Anschlussprojekt der Veranstaltungsreihe „Kulturstationen“ des Landkreises, die 2012 im Streit und nach dem Ausstieg der Organisatorin ein Ende gefunden haben. Den vom Landkreis Kitzingen ausgelobten Wettbewerb um die Ideen für einen Neuanfang gewann im letzten Jahr die Stuttgarter Kulturagentur „Kulturgold“.

Was die Berliner Studenten schaffen wollen, ist ein szenografischer Parcours. Dabei sollen öffentliche Räume in Kitzingen inszeniert werden. Was genau passieren wird, konnten und wollten die Studenten und Jean-Louis Vidiere nicht sagen, das wird ihre Arbeit in den nächsten Wochen in Berlin sein. „Vielleicht wird es Holzleitern geben, die irgendwo hinführen, Zebrastreifen, die die Wände hochgehen oder hüpfende und drehende Weinflaschen – aber wir wissen das jetzt alles noch nicht“, sagt Vidiere und lacht.

Als Grundlage für ihre Inszenierung von Räumen und Orten in Kitzingen verwenden sie die Gründungssage der Stadt. Nach der soll Hadeloga am Schwanberg ihren Schleier dem Wind übergeben haben, der ihn an das Ufer des Mains trug. Dort fand ihn der Schäfer Kitz an einem Weinstock und Hadeloga ließ an dieser Stelle ein Kloster bauen und nannte es dem Schäfer zu Ehren Kitzingen.

Ideen und Themen

Aus dieser Sage lassen sich Ideen und Themen für Szenen finden, erklärt Vidiere, zum Beispiel, was ist Zufall und was ist Entscheidung in unserem Leben? Man könnte auch die verschiedenen Perspektiven darstellen – Hadeloga von oben, Kitz von unten. Solche Themen will Vidiere mit seinen Studenten mit Kitzingen als Bühne umsetzen.

„Die Szenografie will Räume erlebbar machen, physisch und emotional“, erklärt Céline Kruska von Kulturgold. Darum sei es auch gut, die Studenten der TU Berlin gewonnen zu haben, um einen Blick von außen auf Kitzingen zu bekommen. Es ginge bei den „Kulturzeichen Kitzinger Land“ in diesem Jahr darum, den Stadtraum für Einwohner und Touristen sichtbar zu machen, die Stadt auf eine andere Weise zu sehen und auf blinde Flecken aufmerksam zu machen.

Der szenografische Parcours wird eine von drei Säulen der Kulturzeichen und vom Auftaktwochenende am 4. und 5. Juli an für sechs Wochen in Kitzingen zu erleben sein. Daneben wird es noch eine Installation und eine Lichtinszenierung von Künstlern geben.

Mit dabei sind auch regionale Kulturpartner wie zum Beispiel das Fastnachtsmuseum, die Häckerbühne oder das Papiertheater, so Regionalmanagerin Maja Schmidt. Das endgültige Programm soll es in der nächsten Zeit geben.