Einen Zapfenstreich spielt man als Musiker nicht alle Tage. Zu ihrem Jubiläum 50 Jahre Orchester, das in diesem Jahr begangen wird, sei das ein Anreiz, so Wolfgang Lurati, Vorsitzender des Musik- und Gesangvereins Wiesentheid. Um den aus dem Militär stammenden Rahmen einzuhalten, gilt es für die Kapelle, neben dem Musikspielen entsprechend zu marschieren. Auch das will geübt sein, stellten die Musiker bei den Proben fest.

Es dämmerte bereits, als Wiesentheids Dirigent Edgar Roske, selbst einst Militärmusiker, am Mittwochabend bei der Generalprobe noch einmal die Stücke intonieren ließ. Auf dem Platz vor der Steigerwaldhalle, wo das Ganze stattfinden soll, stellten sich die Musiker auf. Im Vordergrund standen die Pauken sowie das Schlagzeug.

Alles soweit okay, dann ging es an den Ausmarsch. „Rechts um, im Gleichschritt, marsch“, gab Dirigent Roske das Kommando. Nach wenigen Metern unterbrach er: „Stopp, nochmal zurück“, weil das mit dem Laufen nicht so richtig funktionierte.

Beim zweiten Versuch läuft es rund

Beim zweiten Versuch klappte es dann, die Musiker drehten ihre Kurve und zogen in die Halle ein, so wie es sein soll. Zum Zapfenstreich samt Serenade haben sich die Wiesentheider mit sieben Fanfaren, sechs Flöten, sowie vier Marschtrommlern des Kitzinger Kolping-Musik-Corps verstärkt. Außerdem sind sechs Musiker der Blaskapelle aus Stadelschwarzach dabei. „Für mich ist das eine ganz neue Erfahrung. Ich habe noch nie so etwas gespielt“, meinte Kitzingens Leiter Norbert Denninger. Das Zusammenspiel der drei Musikkapellen unter einem Dirigenten nannte er „ungewohnt und schwierig“. Stadelschwarzachs Dirigent Martin Stöckinger ergänzte: „Der gesamte militärische Ablauf, das Marschieren, für viele ist das neu.“ Gerade das exakte Kurvenlaufen mit Gleichschritt habe man üben müssen.

Verstärkung aus Stadelschwarzach

Bei den Instrumenten fallen die Pauken auf, die zum Zapfenstreich einfach dazugehören. Die beiden Instrumente wurden von der evangelischen Gemeinde in Rüdenhausen ausgeliehen. Die Stadelschwarzacher Musikkapelle hat mit Paul Ebert jemanden, der sie spielen kann. „Paul spielt ja auch im Symphonischen Orchester in Volkach, er beherrscht das“, meinte sein Dirigent Martin Stöckinger. Er, wie auch seine anderen Musikerkollegen, freuen sich auf das Zusammenspiel an diesem Samstag am Platz vor der Steigerwaldhalle. Dann soll hoffentlich auch das Wetter mitspielen (Ausweichmöglichkeit ist die Steigerwaldhalle).

Zapfenstreich

Zapfenstreich ist eine traditionelle militärische Bezeichnung für den Zeitpunkt, ab dem der Soldat im Quartier zu verbleiben hat. Darüber hinaus gilt er in Deutschland als das höchste militärische Zeremoniell der Bundeswehr, mit dem Bundespräsidenten, Bundeskanzler, Verteidigungsminister und Generäle geehrt werden. Der Große Zapfenstreich in seiner heutigen Form entstand in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts unter dem preußischen König Friedrich Wilhelm III.

Im Jubiläumsjahr ist es ein weiterer Höhepunkt: Das Wiesentheider Orchester des Musik- und Gesangvereins, das 50. Geburtstag feiert, spielt an diesem Samstagabend, 2. September, 19.30 Uhr, zunächst auf dem Rouilllac-Platz den Zapfenstreich mitsamt einer kleinen Serenade gemeinsam mit Musikern des Kolping-Musik-Corps aus Kitzingen und der Blaskapelle aus Stadelschwarzach. Danach wird in der Steigerwaldhalle die Fränkisch Swing Big Band aus Schwarzach ab 20.30 Uhr die Gäste unterhalten. Gleichzeitig haben die Wiesentheider ihre ehemaligen Musiker zu einem Treffen eingeladen.