Gemütlich sitzt das Ehepaar Schwarz aus Pforzheim mit den befreundeten Zimmermanns aus Gießen vor seinem Wohnwagen auf dem Volkacher Campingplatz Ankergrund (Lkr. Kitzingen) und genießt die milde Abendsonne. Die Atmosphäre ist entspannt, Urlaub eben. Von der Pandemie ist wenig zu spüren. Kurz darauf gesellen sich weitere Campingnachbarn dazu.

"Wie genießen die Zeit hier wie bei den vorherigen Malen auch", sagt Ullrich Schwarz, der mit seiner Frau, ebenso wie die anderen, schon oft an der Mainschleife Urlaub gemacht hat. Auch diesmal hatten sie keinerlei Bedenken, nur anfangs, als die Sanitäranlagen noch geschlossen waren. Doch die sind nun wieder geöffnet. "Die Hinweise und Ausschilderungen sind sehr gut. Der Umgang unter den Besuchern ist respektvoll. Jeder hält sich an die Abstandsregeln", fügt Lothar Zimmermann an.

Vertrauen in die Verantwortlichen

Auch wenige Meter weiter, vor der Rezeption, ist die Stimmung gelöst. Dort sitzen Herbert Baumbach aus dem hessischen Vogelsberg und die Bayreuther Eheleute Boese bei einem Glas Wein zusammen. Sie sind Dauercamper und kommen seit sieben Jahren nach Volkach. "Wir haben auf den Tag hingefiebert, wieder hierherkommen zu dürfen. Schließlich haben wir hier viele Freunde", sagt Gabriele Boese. Groß sei die Freude gewesen, als die Information der Geschäftsleitung kam, wieder anreisen zu dürfen. Denn das Trio hat "absolutes Vertrauen" in die Verantwortlichen. Auch das Hygienekonzept überzeugt Baumbach und die Boeses.

Das freut Platzinhaberin Tanja Herlitz. Denn auch sie hat die Pandemie unvermittelt getroffen. "Ich dachte zunächst, dass der Lockdown Ende April endet. Als aber noch alle Buchungen im Mai storniert werden mussten, habe ich mir schon Gedanken um unsere Existenz gemacht. Zwei Monate sind lang, wenn wir nur sechs Monate im Jahr öffnen", blickt Herlitz zurück. Mittlerweile ist das Lächeln in das Gesicht der Betreiberin zurückgekehrt. Der Platz sei sehr gut gefüllt. Alle Wohnmobilparzellen besetzt.

Verständnis für die Hygieneregeln

"Wir haben viele Reservierungen und gute Buchungszahlen. Nur eine spontane Vermietung ist momentan schwer möglich", sagt Herlitz. Und die Zelte fehlen. Denn nach den Richtlinien der Staatsregierung müsste jeder "Wohneinheit" eine eigene Toilette zugewiesen werden, was in diesem Fall nicht umzusetzen sei. Daher sind die Zeltplätze verwaist. "Kürzlich musste ich einen Fahrradfahrer abweisen. Er dachte, dass er zelten dürfte, da wir wieder geöffnet haben. Aber in Bayern ist das leider noch nicht so, im Gegensatz zu anderen Bundesländern." Für Herlitz eine unangenehme Situation. Aber Unverständnis wegen der Hygienemaßnahmen sei die Ausnahme.

Vielmehr würden die Besucher Rücksicht aufeinander nehmen und sich an die Regeln halten. Das hat auch Brigitte Kroll, Betreiberin des Sommeracher Campingplatzes "Katzenkopf", festgestellt: "Unter den Campern herrscht eine gute Atmosphäre, sogar noch angenehmer als in den Vorjahren. Die Leute sind ruhiger geworden." Sie glaubt, dass das vor allem an der Entschleunigung in den vergangenen Monaten liegt. Zwar hole sie die Verluste der ersten beiden Monate nicht mehr ein, aber auch der Sommeracher Platz sei mit 80 Prozent Auslastung sehr gut gebucht. "Die Menschen bevorzugen in diesem Jahr, Urlaub in Deutschland zu machen", sagt Kroll, deren Besucherzahlen seit der Öffnung kontinuierlich steigen.

Kontrolleure am Wohnmobilstellplatz

Sowohl Kroll als auch Herlitz sind trotz aller Entspannung für die Gäste darauf bedacht, dass alles ordnungsgemäß abläuft. Daher gibt es überall Abstandsmarkierungen und Hinweise. In die Rezeption darf immer nur eine Person eintreten. In Sommerach wurde in den Sanitäranlagen jedes zweite Wasch- und Spülbecken gesperrt. Zudem stehen überall Desinfektionsspender.

Ähnliche Maßnahmen hat die Stadt Kitzingen für den Wohnmobilstellplatz am Bleichwasen getroffen, wie die stellvertretende Leiterin der Tourist-Information, Corinna Weinkirn, bestätigt: "Wir haben entsprechende Vorkehrungen getroffen und unsere Kontrolleure achten auf die Einhaltung der Regeln." Um die Abstände zu gewährleisten, musste die Kreisstadt lediglich vier Stellplätze sperren. Die Platznutzung sei daher hoch.

Weinkirn spricht von einem "regen Kommen und Gehen". Auch die Telefone stünden seit rund zwei Monaten nicht still. "Die Leute wollen reisen", sagt sie, "und die Laune unter den Urlaubern ist genauso gut wie im Vorjahr."