In den Fenstern des Obergeschosses baumelt noch die Deko, orange Holzsterne und Holzblumen. Aber wohnen kann in diesen Räumen bis auf Weiteres niemand mehr. Ein Feuer hat das Wohnhaus in der Hauptstraße mitten im Wiesentheider Ortsteil Reupelsdorf so schwer beschädigt, dass nun erst einmal eine größere Sanierung ansteht. Pfingstmontag gegen 20 Uhr ist dort, in einer Dachwohnung des Gebäudes, ein Brand ausgebrochen, der sich rasch durch das gesamte Dachgeschoss fraß. Noch weiß die Polizei eigenen Angaben zufolge nicht, wie es zu dem Feuer gekommen ist. Die Brandermittler der Kripo Würzburg haben den Fall übernommen.

Fotos vom Einsatzort zeigen großflächige Schäden am Dach, abgedeckte Ziegel und verkohlte Balken. Das Gebäude steht in unmittelbarer Nachbarschaft zur katholischen Kirche St. Sebastian. Dort und an anderen Gebäuden in der dicht bebauten Umgebung sind offenbar keine Schäden entstanden. Das angrenzende Pfarrhaus ist erst kürzlich - zum Abschluss der Dorferneuerung - von der Gemeinde renoviert worden.

Rund 80 Feuerwehrleute bekämpfen die Flammen

Als Kreisbrandmeister Christian Aschermann Montagabend am Brandort eintraf, schlugen bereits die Flammen durchs Gebälk. Wegen der engen Bebauung sei die Lage zunächst "sehr gefährlich" gewesen, sagt er am Tag danach auf Anfrage. Gegen 21.30 Uhr sei das Feuer unter Kontrolle gewesen. Die ersten der rund 80 Feuerwehrleute konnten den Einsatzort verlassen. Alarmiert waren die Wehren aus Wiesentheid, Reupelsdorf, Untersambach, Stadelschwarzach, Stadtschwarzach und des Atemschutzzentrums Iphofen. Nachalarmiert wurde die Feuerwehr aus Volkach. Den Einsatz leitete der Kommandant der Wiesentheider Wehr, Michael Rückel. Während der Löscharbeiten war die Ortsdurchfahrt der Bundesstraße 22 komplett gesperrt.

Kurz vor Mitternacht rückten die letzten Wehren ab. Einsatzkräfte der örtlichen Feuerwehr Reupelsdorf hielten bis 6 Uhr morgens Brandwache. Das Haus ist laut Aschermann einsturzgefährdet. Eine der Zwischendecken habe noch am Abend durchgehangen. Am Dienstagmittag wollten Brandermittler der Kripo in dem Gebäude nach Spuren suchen, um die Ursache des Feuers und die Schadenshöhe zu klären.

Im Wiesentheider Rathaus ist die Meldung über den Brand schnell angekommen. Dort spricht man am Dienstagvormittag von mehreren Mietparteien, die in dem Gebäude in kleineren Räumen untergebracht gewesen seien. Über die Mieter selbst ist dort nichts bekannt, auch nicht über die Zahl der Betroffenen. Das Rote Kreuz (BRK) teilt mit, am Abend zwei Personen aus dem Haus evakuiert zu haben. Ein Notarzt und insgesamt 40 Helfer standen bereit, Verletzte mussten sie der Mitteilung zufolge aber nicht versorgen. Kurz nach 22 Uhr war der Einsatz des BRK beendet. Die Feuerwehr rettete nach Worten Aschermanns zwei Katzen aus den brennenden Dachwohnungen, eine dritte werde noch vermisst.

Früher war in dem Haus die Bäckerei Keilholz

Bis zur Stunde ist bei der Gemeinde kein Hilfsersuchen eingegangen, Menschen in Ersatzgebäuden unterzubringen. Ein Fotogeschäft, das laut Polizei im Erdgeschoss des Hauses einquartiert ist, hat bei den Löscharbeiten offenbar nur geringe Schäden davongetragen. In dem Laden an der Hauptstraße war einst die Bäckerei Keilholz untergebracht. Sie hatte zur Jahrtausendwende nach mehr als 100 Jahren dichtgemacht.