Im Prichsenstädter Haus für Kinder sind die Hortplätze rar. Besorgte Eltern hoffen auf eine schnelle Lösung. Dieser Punkt stand eigentlich gar nicht auf der Tagesordnung, umso mehr bewegte er den Stadtrat und zahlreiche Zuhörer der Stadtratssitzung.

Fast könnte man sagen, dass es erst richtig ernst wurde, als der offizielle Teil der Sitzung des Stadtrates abgearbeitet war. Als der erste Bürgermeister René Schlehr die Bürgerfragerunde zum Abschluss der Sitzung eröffnet hat, erhob sich sofort  Elternbeiratsvorsitzender Patrick Zwiebel, um sein Anliegen in Vertretung zahlreich anwesender Eltern anzubringen: der zu erwartende Platzmangel im Haus für Kinder für die Betreuung der Grundschulkinder.

Mit fixen Zahlen belegte der dreifache Vater, dass in gut zehn Monaten, wenn das neue Schuljahr beginnt, ein Bedarf von mehr als 22 Hortplätzen besteht. Dies haben Elternabfragen allein im Prichsenstädter Kindergarten ergeben, die zwei weiteren Kindergärten im Gemeindegebiet noch gar nicht mitgerechnet. Anbieten kann das Haus für Kinder aber nur drei Plätze, so die aktuellen Belegungen und Buchungen.

Zwiebel sowie zahlreiche Eltern sehen deshalb sorgenvoll in die Zukunft und wissen im Moment nicht so recht, wie sie ab dem nächsten Schuljahr Beruf und Familie unter einen Hut bringen sollen. Sein dringender Appell ging deshalb an den Bürgermeister und seinen Stadtrat, hier nach Lösungen zu suchen. Auch wenn aktuell kein verbindliches Recht auf einen zugesicherten Hortplatz besteht, hofft er dennoch auf Unterstützung seitens des Rates, die dieser samt Bürgermeister Schlehr auch prompt zugesichert hat.

Verzögerung des Erweiterungsbaus

Man wisse um die schwierige Situation, nicht zuletzt geschuldet der großen Verzögerung des Erweiterungsanbaus Haus für Kinder. Dieser Anbau ist dringend erforderlich, um dem Platzmangel entgegenzuwirken. In den kommenden Monaten, so die Hoffnung, soll Baubeginn am Anbau sein. Für eine kurzfristige Lösung des Problems mit den Hortplätzen werden vom Rat alle Optionen geprüft, sei es eine Kooperation mit der Grundschule, eine Containerlösung, eine Auslagerung. Mitte November wird es zu diesem Thema eine Sondersitzung des Sozialausschusses geben.

Für Diskussion sorgte auch die Tatsache, dass der Bauhof in Zukunft aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen eingezäunt werden muss. Das hätte Folge, die Option einer Durchfahrtsstraße für das dahinterliegende Wohn- und Industriegebiet (Lauber Straße 12-16) würde entfallen. Das Gebiet wäre nur noch von einer Seite aus, mittels einer relativ kleinen Stichstraße anfahrbar. Ein Wendehammer ist zwar angedacht, aber noch vor den Grundstücken, so dass bei Lieferungen bis ans Haus oder auch für Müllfahrzeuge komplizierte Rückwärtsfahrten notwendig sein könnten. Anlieger Ewald Roppelt äußerte hierzu größere Bedenken. Noch sei das Thema nicht abschließend geklärt und man prüfe alle Varianten, so Schlehr.

Platz für Prichsenstädter DenkOrt noch offen

Auch Prichsenstadt zählt zu einer der über 100 unterfränkischen Orten, in denen eine jüdische Gemeinde existierte und somit auch zwischen 1941 und 1944 jüdische Mitmenschen deportiert wurden. Um daran zu erinnern, wurde bereits am Würzburger DenkOrt am Bahnhofsvorplatz symbolisch ein Prichsenstädter Koffer aufgestellt. Ein Zwillingsgepäckstück soll nun auch in Prichsenstadt selbst aufgestellt werden, um vor Ort an diese Zeit zu erinnern.

Eigentlich sollte in der Stadtratssitzung über den Aufstellort in Prichsenstadt entschieden werden. Relativ schnell wurde dem Rat aber klar, dass hier der Initiator, der Verein AltPrichsenstadt, und möglichst viele Bewohner mit ins Boot geholt werden müssen. Diese Befragung soll nun erst noch erfolgen, bevor ein Standort festgelegt wird.

Bürgermeister Schlehr informierte auch über die abgeschlossene Markterkundung im Rahmen der GigaBit-Richtline. Demnach ist die durchschnittliche Bandbreite im Gemeindegebiet rund 100 Mbit/s. Der nächste Schritt Richtung noch schnelleres Internet und Glasfaserausbau wird die Aufteilung in geschickte Ausschreibungslose sein, die vor allem die vielen Aussiedlerhöfe beinhalten sollen.