Jetzt kommt er doch, der Flächennutzungsplan für die möglichen Standorte von Windkraftanlagen auf dem Gemeindegebiet von Prichsenstadt. Auslöser ist ein Antrag von Michael Glos jun. zur Aufstellung eines weiteren Windrades, das 1000 Meter hinter den letzten Wohnhäusern der Stadt in nordöstlicher Richtung entstehen soll.

Um diesen Plan entstand in der Stadtratssitzung am Donnerstagabend eine heftige Debatte, da sich nicht nur Hans-Dieter Kern (SPD) von Glos „überfahren“ fühlte. Denn noch in einer der vorigen Sitzungen hatte das Gremium, nachdem sich Glos vehement gegen den Flächennutzungsplan ausgesprochen hatte, dessen Aufstellung verschoben. Nach einer teils emotionalen Debatte, an der sich Glos nicht beteiligen und auch nicht abstimmen durfte, beauftragte der Stadtrat mit 11:0 Stimmen die Verwaltung, den Flächennutzungsplan „unverzüglich auf den Weg zu bringen“. Mehrmals formulierten die Räte den Beschlussvorschlag von Herwig Hinney (FBG) um, bis stellvertretender Bürgermeister Alfons Saugel, der den erkrankten Bürgermeister Adolf Falkenstein vertrat, abstimmen lassen konnte. Ebenfalls mit 11:0 lehnte der Rat den Antrag von Glos ab.

Dass es sich bei dem gut 185 Meter hohen Windrad (Nabenhöhe: 138 Meter) um ein Bürgerwindrad handelt, kam gar nicht erst zur Debatte. Vielmehr ärgerten sich die Räte über den geplanten Standort auf dem Gebiet WK 47, auf dem, sobald der Regionale Planungsverband seine endgültigen Pläne und den gesetzlichen Abstand zu Wohngebieten vorstellen wird, wohl kein Windrad aufgestellt werden kann. Hinney sagte, dass sich der Planungsverband wohl noch in diesem Sommer oder im Herbst festlegen wird. Auch seien Äußerungen des bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer so zu interpretieren, „dass die Anlagen zwei Kilometer von Wohnhäusern entfernt stehen müssen, dann wäre das Vorranggebiet WK 47 hinfällig“. Außerdem würde das neue und um einiges höhere Windrad von Glos „Tatsächlich die Umgebung verschandeln. Touristen sehen als erstes das Windrad und danach vielleicht unsere schöne Altstadt.“

Grundsätzlich, so die Räte, hatten sie sich für die Aufstellung von Windrädern entschlossen. Dennoch verloren sie sich in einer „Ja, aber“-Debatte, in der erneut die Für-und-Wider-Argumente auftauchten. Darüber regte sich Michael Glos nun als Bürger (im Punkt „Bürger fragen, der Stadtrat antwortet“) auf. Er räumte zwar ein, dass er den Antrag noch vor der Sitzung, bei der der Flächennutzungsplan verschoben worden sei, beim Landratsamt eingereicht hatte. Allerdings habe das Amt den Eingangsstempel erst später drauf gesetzt. Insgesamt, so Glos, habe er den Eindruck, „als wenn der Stadtrat zwar ja sagt zu Windrädern, aber die endgültige Entscheidung immer wieder verschiebt nach dem Motto ,lasst uns damit in Ruhe‘. Entweder wollen wir Windräder oder wir wollen sie nicht“.